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Spürnasen Wie Hunde Cyber-Verbrechen aufklären

Spürhunde finden sogar fingernagelgroße Speicherkarten. Aber sie klären nicht nur Verbrechen auf, sondern helfen beim Umweltschutz und identifizieren Kranke am Flughafen.

Artus ist so ein Spürhund. Er sucht konzentriert, schnüffelt an jeder Ecke und lässt nichts unentdeckt – für ihn ist es ein Spiel, doch für die Polizei geht es um harte Fakten. Der Schäferhund half im ostwestfälischen Lügde im Fall des mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern, den Campingplatz zu durchkämmen. Daten auf kleinen Speicherkarten lassen sich gut verstecken. Doch Artus, Deutschlands erster Datenspürhund, fand sie trotzdem. In Lüdge stieß er in einer Sesselritze in einem Wohnwagen auf einen USB-Stick, der als Beweismittel sichergestellt werden konnte.

Spürhund gegen kreative Häftlinge

Der Datenspürhund ist meist bei der sächsischen Justiz im Einsatz. Von seinem Hundetrainer Jörg Siebert wurde er im Jahr 2012 darauf trainiert, Handys zu erschnüffeln. Die sind im Gefängnis streng verboten, werden allerdings von Gefangenen oft eingeschleust und versteckt.

Dabei werden die Insassen sehr kreativ: Sie verstecken die Handys besonders gern in Einzelteilen, und zwar dort, wo sich viele Menschen aufhalten. Artus suchte regelmäßig Freiflächen, die Sporthalle oder den Therapiebereich ab und stieß sogar im Kompost der Gefängnis-Gärtnerei auf ein Mobiltelefon. Jörg Siebert richtete seinen Schützling auf Handys ab, ohne genau zu wissen, auf welchen Stoff der Hund dabei reagiert. Das Projekt war trotzdem erfolgreich.

Der Schäferhund Artus steht neben einem Handy, das er erschnüffelt hat

Artus kann Handys und andere Datenträger erschnüffeln

International kursierte zur gleichen Zeit eine ähnliche Idee. In den USA und England suchte man nach einer chemischen Gemeinsamkeit bei verschiedenen Speichermedien und stieß auf den Stoff Triphenylphosphanoxid. Diese organische Phosphorverbindung steckt in Speicherchips und jene wiederum in Datenträgern.

Auch in den USA sehr erfolgreich

Mit dieser Erkenntnis begannen die USA 2012, Hunde auf den Geruch der Chemikalie abzurichten. Dass mittlerweile etwa 17 solcher Supernasen die amerikanische Polizei unterstützen, beruht auch auf ihrem Einsatz in einem in den USA prominenten Fall: Subway-Werbegesicht Jared Fogle wurde 2015 nur deshalb verurteilt, weil ein Datenspürhund bei einer Hausdurchsuchung auf einen versteckten USB-Stick mit kinderpornografischem Material stieß. Zuvor hatten die Ermittler diesen übersehen. Der Staatsanwalt lobte den tierischen Helfer in seinem Plädoyer für dessen Leistung.

Doch um Datenspürhund zu werden, ist es ein langer Weg. Von 50 Tieren ist im Schnitt nur einer für das Programm geeignet. Das Training dauert zwischen vier und acht Monaten. Dabei arbeitet man mit den Hunden nach dem Belohnungsprinzip: Finden sie ein mit dem Geruch geprägtes Objekt, bekommen die Tiere Futter.

Datenspürhunde mit großem Appetit

Besonders geeignet sind also stets hungrige Hunde, die sich selbst nach der Fütterungszeit für ein Leckerli erneut anstrengen. Im Fall der Datenspürhunde dürfen selbst schon ausgebildete Spürnasen erst fressen, nachdem sie an der Datenträger-Chemikalie gerochen haben.

Ein USB-Stick steckt in einem Laptop

USB-Sticks sind oft wichtige Beweismittel - aber schwer zu finden

Allerdings sind die Vierbeiner nicht nur für investigative Zwecke im Einsatz, sondern unterstützen auch Gesundheitswesen und Umweltschutz. So können Hunde nicht nur Bettwanzen oder baumschädigende Käferlarven riechen, sondern auch Krankheiten.

Beispielsweise produzieren Malaria-Parasiten im Menschen einen Duftstoff, der über die Haut abgesondert wird und Mücken anlockt. Für Hunde ist diese Duftnote wahrnehmbar, weshalb sie Infizierte bereits vor Ausbruch der Symptome erkennen. Das kann an Flughäfen genutzt werden, um bei der Ein- und Ausreise Malaria-Kranke zu erkennen und somit die Weiterverbreitung der Krankheit einzudämmen.