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Mit dem kürzlich genehmigten Vakzin von AstraZeneca sind in der EU zurzeit drei Impfstoffe gegen Covid-19 zugelassen. Und es werden wohl noch weitere Corona-Impfstoffe dazukommen.

22 Wirkstoffe in klinischen Studien

Die Forschung für Impfstoffe gegen Covid-19 läuft auf Hochtouren. Weltweit wird gerade an 237 möglichen Vakzinen gegen die Krankheit geforscht. Davon befinden sich, laut der Weltgesundheitsorganisation, 22 Wirkstoffe in der dritten klinischen Studienphase oder in einer kombinierten Phase zwei und drei. Das heißt: Diese Impfstoffe haben schon erste positive Ergebnisse bei Menschen erzielt. Sie werden jetzt an vielen tausenden Probandinnen und Probanden erprobt. In dieser Phase befindet sich zum Beispiel das Tübinger Unternehmen Curevac.

Corona-Impfstoff von Curevac

Die Ergebnisse zur Wirksamkeit des Tübinger mRNA-Impfstoffs stehen noch aus. Die klinische Phase-III-Studie steckt noch in den Anfängen. Weil die mRNA-Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna aber sehr effektiv sind, werden auch in den Impfstoff von Curevac große Hoffnungen gesetzt. Auch weil er, anders als die schon zugelassenen Wirkstoffe, monatelang in einem herkömmlichen Kühlschrank gelagert werden kann.

Eine Impfspritze vor dem Curevac- und Bayer-Firmensymbol (Foto: Imago, IMAGO / Sven Simon)
Bayer soll im kommenden Jahr bis zu 160 Millionen Dosen des Impfstoffs von Curevac produzieren. Die Tübinger kooperieren auch mit dem britischen Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline. Imago IMAGO / Sven Simon

Zulassung in etwa einem Jahr

Kooperationsverträge mit dem britischen Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline und Bayer sollen Zulassung und Vertrieb beschleunigen. Bayer rechnet damit, der Impfstoff in etwa einem Jahr auf den Markt bringen zu können. Einen Antrag auf Zulassung erwartet das Paul-Ehrlich-Instituts aber deutlich früher.

"In Bezug auf den Ausgang der klinischen Studien der Phase III bin ich da zuversichtlich, dass wir noch in diesem Halbjahr einen Antrag auf Zulassung durch die Firma Curevac erwarten können – auf europäischer Ebene."

Prof. Dr. Klaus Cichutek, Paul-Ehrlich-Institut

Der Janssen-Impfstoff

Ein Rolling Review-Verfahren, mit dem die Zulassung beschleunigt werden soll, läuft auch schon für den Impfstoff des belgischen Unternehmens Janssen. Der Vektor-basierte Impfstoff transportiert ein Gen des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 mithilfe von Erkältungsviren – sogenannten Vektorviren – in den Körper. Er zeigt laut den neuesten Mitteilungen eine Wirksamkeit von rund 66 Prozent gegen moderate bis schwere Verläufe. Letztere soll er sogar zu 85 Prozent verhindert haben. Krankenhausaufenthalte oder gar Todesfälle seien vier Wochen nach der Impfung gar nicht mehr vorgekommen. Ein Vorteil des Janssen-Impfstoffs: Möglicherweise reicht eine einzige Impfdosis zur Immunisierung.

Ein Mann hält ein Impffläschchen mit einer Spritze hoch. (Foto: Imago, IMAGO / Eibner)
Der Impfstoff des Pharmaunternehmens Janssen beantragt eine Notzulassung in den USA. Er müsste wahrscheinlich nur einmal gespritzt werden. Imago IMAGO / Eibner

Der Totimpfstoff von Novavax

Ein weiterer vielversprechender Kandidat für eine Zulassung in der EU, ist das Vakzin von Novavax. Der US-amerikanische Impfstoff soll zu fast 90 Prozent wirksam sein. Es enthält Spike-Proteine von SARS-CoV-2, also Bruchstücke des Virus, und zählt damit zu den sogenannten Totimpfstoffen. Im Gegensatz zu bisher in der EU zugelassenen Impfstoffen, ist das eine altbekannte Art von Vakzinen.

Sputnik V aus Russland

Auch China und Russland wollen mit ihren Mitteln endlich auf den europäischen Markt. Der russische Vektorimpfstoff des Gamaleya-Instituts ist in Europa in Verruf geraten, weil er in Russland zugelassen wurde, bevor belastbare Studiendaten öffentlich waren. Kürzlich veröffentlichte Zwischenergebnisse der Phase-3-Studie zeigen jetzt: Der Sputnik-Impfstoff ist zu knapp 92 Prozent wirksam. Schon vorab hatte Ungarn das Vakzin als erstes EU-Land zugelassen.

Ein Mann wird mit chinesischem Impfstoff in Serbien geimpft. (Foto: Imago, IMAGO / Aleksandar Djorovic)
Ein Mann wird mit dem chinesischem Impfstoff in Serbien geimpft. Serbien ist in Europa sehr erfolgreich beim Impfen gegen Covid-19. Imago IMAGO / Aleksandar Djorovic

Chinesischer Impfstoff von Sinopharm

Ebenfalls in Ungarn wurde schon ein Totimpfstoff der chinesischen Firma Sinopharm genehmigt. Dieser Impfstoff funktioniert mit Hilfe von inaktivierten Coronaviren. Das Vakzin hat schon im Sommer eine Notfallzulassung in China und später unter anderem in den Vereinigten Arabischen Emiraten erhalten. Die Wirksamkeit gibt das chinesische Staatsunternehmen mit rund 79 Prozent an.

Russische und chinesische Corona-Impfstoffe bald in Deutschland?

Auch in der EU könnten die russischen und chinesischen Wirkstoffe noch zugelassen werden. Prof. Dr. Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts stellt dazu nochmal klar: "Sie müssen dann aber auch die europäischen Standards erfüllen. Die sind eigentlich weltweit verabredet, aber diese Standards werden dann auch geprüft. Nicht nur anhand der Daten und Unterlagen sondern auch vor Ort. Da werden Herstellungsstätten inspiziert oder auch Stätten, wo die nicht-klinischen Prüfungen oder die klinischen Prüfungen stattgefunden haben."

Ob die Datenbasis für eine Genehmigung der Impfstoffe von Sinopharm oder Gamaleya in der EU reichen würde, ist noch unklar. Eine Zulassung bei der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA hat bisher keine der Firmen beantragt. Allerdings laufen wohl schon erste Gespräche.

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