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Neue Ära der amerikanischen Raumfahrt "Crew Dragon" Raumschiff an ISS angedockt

Von Uwe Gradwohl

Mit dem Crew Dragon werden zum ersten Mal seit dem Ende der Space-Shuttle-Flüge wieder amerikanische Astronaut*innen in einer amerikanischem Raumfähre in die Erdumlaufbahn fliegen können. Ein erster nur mit einer Puppe "bemannter" Testflug hat geklappt: Crew Dragon hat am Sonntag erfolgreich an der ISS angedockt.

Die Raumkapsel Crew Dragon wurde privat entwickelt - aber es steckt viel NASA-Geld drin. Schon im Sommer soll der Crew Dragon der Firma SpaceX die ersten Astronautinnen und Astronauten zur ISS transportieren.

Neue Sicherheitsmechanismen für Crew Dragon

Die Challenger im Jahr 1986 und die Columbia im Jahr 2003: Die schreckliche Bilanz dieser zwei Katastrophen mit den NASA-Space Shuttles waren 14 tote Astronautinnen und Astronauten. Das soll der US-Raumfahrt nicht wieder passieren.
Deshalb werden die Dragon-Raumschiffe wieder nach dem Kapsel-Konzept gebaut - wie einst bei den Apolloflügen. Mit ihren in der Außenwand der Kapsel verborgenen Raketendüsen kann sich die Crew Dragon jederzeit von der Rakete, an deren Spitze sie sitzt, lösen und am Fallschirm zur Erde zurückschweben. Und das nicht nur im Flug, sondern auch schon am Startplatz, falls bei den Startvorbereitungen etwas schiefläuft.

FILE - A NASA handout dated 28 January 1986 shows the Space Shuttle Challenger accident after its launch from the Kennedy Space Center

Sieben Crew-Mitglieder starben bei der Explosion der Challenger 1986

So wird die Raumkapsel betankt

Genau dann, vor dem Start, wird dieses im Vergleich zu früher höhere Maß an Sicherheit auch absolut gebraucht, denn Achtung: Die Crew Dragon-Astronauten werden die ersten Raumfahrerinnen und Raumfahrer sein, die unter sich den Treibstoff in die Tanks gurgeln hören. Sie sitzen schon während der nicht ungefährlichen Betankung der Rakete in ihrem Raumschiff. Das war bei Apollo undenkbar: Damals wurde erst betankt und dann Platz genommen.

Doch die Falcon 9, an deren Spitze die Crew Dragon sitzt, braucht zusätzlichen Treibstoff, um zur Erdoberfläche zurückkehren und sanft landen zu können. Damit dieser zusätzliche Treibstoff in die Raketentanks reinpasst, wird er supertiefgekühlt. Das Volumen der Flüssigkeit schrumpft, und es passt mehr davon in den Tank. Muss dieser megakalte Treibstoff dann aber zu lange in den Tanks auf den Start warten, wird er warm, dehnt sich aus und kann den Tank zerstören. Deshalb müssen die Astronautinnen und Astronauten schon in der Kapsel sitzen, während betankt wird, um danach gleich starten zu können.

Crew Dragon startet Testflug

Die SpaceX Falcon 9 Rakete mit der Raumfähre "Crew Dragon" wird für die Demo-1 Mission an ihren Startpunkt gebracht

Wiederverwendbare Rakete spart Geld

Der finanzielle Nutzen dieser veränderten Startprozedur ist groß: Mit dem zusätzlich in den Tanks vorhandenen Treibstoff kann die erste Raketenstufe aus 80 Kilometern Höhe wieder zur Erde zurückkehren, sanft am Startplatz landen und wiederverwendet werden.
Das spart Geld. Bislang zahlt die NASA für die Mitflüge in der Sojus-Kapsel pro Passagierin oder Passagier 80 Millionen Dollar an Russland. Geschätzt wird, dass SpaceX seine Dienste für ca. 60 Millionen, also um ein Viertel günstiger, anbieten kann.

Touchscreens statt Schaltern und Knöpfen im Inneren des Crew Dragon

Im Inneren der Crew Dragon können bis zu sieben Personen transportiert werden. Oder wahlweise auch weniger Besatzung und stattdessen mehr Fracht. Die Sitze und Armaturen sind in nüchternem aber modernen Design gehalten. Typisch für SpaceX: Statt Knöpfe und Schalter nutzen die Raumfahrerinnen und Raumfahrer große Touchscreens. Wobei die Bordelektronik den Anflug zur ISS grundsätzlich völlig automatisiert übernehmen kann.

Crew Dragon startet Testflug

Im Inneren der "Crew Dragon" Raumfähre

Auch der Abbruch eines Fluges muss vorab getestet werden

Neben SpaceX wurde von der NASA auch Boeing als kommerzieller Partner bei der Entwicklung von Raumschiffen ausgewählt. Boeings Starliner-Kapsel soll im April ihren unbemannten Testflug absolvieren.
Nach ihrem unbemannten Testflug müssen beide Raumschifftypen dann noch unbemannte Flug-Abbruchtests bestehen. Die NASA hofft, noch in diesem Sommer zum ersten Mal seit dem Ende der Shuttle-Ära wieder Amerikanerinnen und Amerikaner in amerikanischen Raumschiffen von amerikanischem Boden aus ins All fliegen zu können. Es könnte ein sehr betriebsames Jahr werden am Cape Canaveral.