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Aus medizinischer Sicht könnte die Corona-Impfung für Schwangere durchaus sinnvoll sein – das zeigen schwere Covid-19-Verläufe von schwangeren Frauen zum Beispiel am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Mögliche Risiken der Impfung für Mutter und Kind werden aber noch erforscht.

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In Wien werden Schwangere ab der 13. Schwangerschaftswoche bald mit Covid-19-Schutzimpfungen versorgt. Es laufen die organisatorischen Vorbereitungen, um eine erste Durchimpfung Schwangerer noch im Laufe des Mai abzuschließen. Beispielsweise in Frankreich werden Schwangere bereits gegen Corona geimpft.

In Deutschland ist bislang aber keiner der bisher verfügbaren Impfstoffe gegen Covid-19 für Schwangere zugelassen. Auf der Webseite des Robert Koch-Instituts (RKI) heißt es (Stand 1.4.2021):

“Zur Anwendung der COVID-19-Impfstoffe in der Schwangerschaft liegen aktuell keine Daten vor, daher empfiehlt die STIKO die generelle Impfung in der Schwangerschaft derzeit nicht.”

Robert Koch-Institut, Ständige Impfkommision (Stiko)

Empfehlung gilt auch für stillende Mütter

Für Stillende gelten bezüglich der Covid-19-Impfung die gleichen Empfehlungen wie für Schwangere. Das RKI schreibt dazu aber auch: 

“Die STIKO hält es für unwahrscheinlich, dass eine Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling darstellt.”

Robert Koch-Institut, Ständige Impfkommision (Stiko)

Ausgeschlossen werden kann das zum jetzigen Zeitpunkt aber auch nicht. Denn auch für Stillende sind mögliche Risiken der Impfung noch kaum erforscht.

Schwangere impfen (Foto: Imago, imago images/Westend61)
Für Stillende gelten bezüglich der Covid-19-Impfung die gleichen Empfehlungen wie für Schwangere. Imago imago images/Westend61

Ausnahmen für Schwangere und Stillende mit Vorerkrankungen

Der Grund für den Datenmangel ist simpel: Schwangere und stillende Menschen sind in der Regel nicht Teil klinischer Impfstoff-Tests. Sie und ihre Kinder stehen unter besonderem Schutz. Covid-19-Impfungen sind für sie aber nicht “verboten”. Dazu das RKI:

 “Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem daraus resultierenden hohen Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung kann in Einzelfällen nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung eine Impfung angeboten werden.”

Robert Koch-Institut, Ständige Impfkommision (Stiko)

Der individuelle Nutzen muss also größer sein als mögliche Risiken. Eine schwangere Krankenschwester mit Diabetes zum Beispiel will sich womöglich gerne impfen lassen. Ohne Daten aus Studien ist das Risiko der Impfung für Schwangere und ihr ungeborenes Kind aber schwierig abzuwägen. Die Gynäkologin Kristina Adams-Waldorf sagte der Fachzeitschrift Nature deshalb:

“Ich denke, dass es ein großer Fehler war, sie nicht einzubeziehen. Denn jetzt sind im Prinzip alle Versuchskaninchen.”

Prof. Kristina Adams-Waldorf, University of Washington

Schwangere gehören zur Covid-19-Risikogruppe

Sich als schwangere Frau impfen zu lassen, wäre nämlich durchaus eine Überlegung wert: Sie zählen zur Corona-Risikogruppe – auch ohne relevante Vorerkrankungen. Kommen Risikofaktoren wie ein erhöhtes Alter, Übergewicht, oder Vorerkrankungen hinzu, sind Schwangere sogar Teil der Hochrisikogruppe. Zu diesem Ergebnis kam eine großangelegte Analyse aus 192 Studien.

In Frankreich wurde erstmals dokumentiert, dass sich ein Neugeborenes über die Plazenta der Mutter mit dem neuen Coronavirus infiziert hat. (Foto: Imago, imago)
Schwangere haben ein stark erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe. Imago imago

Der Grund: Das Immunsystem von Schwangeren ist herunterreguliert, damit es das Baby nicht angreift. Und ihr Lungenvolumen ist durch die Ausbreitung des Uterus eingeschränkt. Schwangere mit Covid-19 haben also öfter schwere Verläufe und ein deutlich höheres Sterberisiko. In einer US-amerikanischen Studie starben pro 100.000 Mütter 5 ohne Covid-19, aber von denen mit Corona waren es 141.

Eine internationale Studie aus 18 Ländern kam zu ähnlichen Ergebnissen. Demnach sei die Wahrscheinlichkeit auf der Intensivstation zu landen für Schwangere mit Covid-19 im Vergleich zu Schwangeren ohne Covid-19 etwa fünffach erhöht. Die Wahrscheinlichkeit zu sterben sei sogar 22-fach erhöht.

Die Studie kam außerdem zu dem Schluss, dass schwangere Frauen mit Covid-19 eine über 50 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für Komplikationen während der Schwangerschaft hatten: Dazu zählen beispielsweise Schwangerschaftsvergiftungen und Frühgeburten – die wiederum eine Gefahr für die Babys darstellen.

Impfung von Schwangeren anscheinend unbedenklich

Expert*innen gehen davon aus, dass sowohl die Wirksamkeit der Impfstoffe als auch die Nebenwirkungen sich bei schwangeren Frauen nicht bedeutend von anderen unterscheiden. Inzwischen gibt es dazu auch immer mehr Daten, die das nahelegen – entgegen der Feststellung des RKI von Anfang April. Vorläufige Daten aus den USA weisen beispielsweise daraufhin, dass es keine offensichtlichen erhöhten Sicherheitsrisiken bei Schwangeren gibt, die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna erhielten.

Schwangere machen sich in Zeiten von Corona sorgen um sich und ihr ungeborenes Kind. (Foto: Imago, imago)
Schwangere machen sich in Zeiten von Corona sorgen um sich und ihr ungeborenes Kind. Imago imago

Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) sowie vier weitere Fachgesellschaften und Berufsverbände sprechen deshalb seit Anfang Mai folgende Empfehlung aus:

"In informierter partizipativer Entscheidungsfindung und nach Ausschluss allgemeiner Kontraindikationen wird empfohlen, Schwangere priorisiert mit mRNA-basiertem Impfstoff gegen Covid-19 zu impfen. Um Schwangere auch indirekt zu schützen, wird weiterhin die priorisierte Impfung von engen Kontaktpersonen von Schwangeren, insbesondere deren Partner/-innen, sowie Hebammen und Ärzte/-innen empfohlen."

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG)

Außerdem wird empfohlen, auch stillenden Frauen eine mRNA-basierte Impfung gegen COVID-19 zu ermöglichen.

Impfstoffe werden jetzt an Schwangeren getestet

Damit diese Empfehlung auf eine (hoffentlich) festere wissenschaftliche Basis gestellt werden kann, werden die Impfstoffe jetzt auch gezielt an Schwangeren getestet. Biontech und Pfizer erproben ihren Impfstoff im Rahmen einer klinischen Studie gerade an rund 4.000 gesunden schwangeren Frauen ab 18 Jahren in den USA. Auch hier werden die Frauen in zwei Gruppen geteilt: Die eine Hälfte erhält den Impfstoff, die andere einen Placebo.

Studie mit rund 4.000 Probandinnen Biontech testet Corona-Impfstoff an Schwangeren

Das Mainzer Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer testen ihren Corona-Impfstoff nun auch an Schwangeren. Werdende Mütter und Kinder waren bei den bisherigen Impfempfehlungen meist außen vor gelassen worden, weil es keine gesicherten Daten gibt.  mehr...

Anschließend sollen nicht nur Wirkung und Nebenwirkungen untersucht werden. Sondern auch, ob die Mittel sicher für die Babys sind und inwieweit die Mütter potenziell schützende Antikörper an die Kinder weitergeben. Experimente des Impfstoffherstellers Moderna mit Ratten hatten offenbar keine negativen Auswirkungen auf die weibliche Fruchtbarkeit, die Entwicklung von Embryos oder Neugeborenen gezeigt.

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