Alternativen zur Corona-Impfspritze (Foto: IMAGO, imago images/ZUMA Wire)

Corona-Pandemie

STIKO empfiehlt Covid-19 Booster-Impfung für Erwachsene

STAND
AUTOR/IN
Pascal Kiss
Veronika Simon
David Beck
ONLINEFASSUNG
Ralf Kölbel

Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Covid-19-Auffrischungsimpfung für alle Erwachsenen. Für wen ist die Booster-Impfung sinnvoll?

Audio herunterladen (7,8 MB | MP3)

Was sind die aktuellen Empfehlungen der STIKO zu Booster-Impfungen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Covid-19-Auffrischungsimpfung für alle ab 18 Jahren beziehungsweise für Immungeschwächte ab 12 Jahren. Ziel der Auffrischungsimpfungen sei es, die aktuelle Infektionswelle abzuschwächen und die Belastung der Intensivstationen zu senken, so die STIKO.

Trotz der Empfehlung für alle Erwachsene bekräftigte das Gremium, dass bevorzugt Ältere über 70 Jahre, Menschen mit Immunschwäche und Bewohner und Personal von Pflegeheimen eine Auffrischung erhalten sollen.

Stattfinden sollen die Booster-Impfungen laut der STIKO drei bis vier Monate nach der zweiten Impfung und nicht wie bisher nach sechs Monaten. Eine Ausnahme gilt für Menschen, die mit dem Vakzin von Johnson und Johnsen geimpft wurden. Diese können sich schon nach vier Wochen eine Auffrischung holen. Das Gremium begründet diesen Wandel mit der rasanten Verbreitung der Omikron-Variante, denn der Schutz durch die beiden Grundimpfungen lässt schneller nach als angenommen.

Das Gremium setzt darauf, dass durch rasches Boostern der Bevölkerung die Verbreitung von Omikron zumindest etwas eingedämmt wird.

Grundsätzlich finden die Booster-Impfungen mit einem mRNA-Impfstoff statt – also von Biontech oder Moderna. Das gilt auch für Personen, die zuvor zweimal mit Astra Zeneca geimpft worden sind. Auch bei der Auffrischungsimpfung empfiehlt die STIKO aktuell nur das Vakzin von Biontech, weil bei Moderna das Risiko für eine Herzmuskelentzündung ein bisschen höher ist als bei Biontech.

Die Organisation der Auffrischungsimpfungen ist Sache der Bundesländer. Im Südwesten finden sie derzeit hauptsächlich in Hausarztpraxen und Impfbussen statt. In Rheinland-Pfalz sollen einige Impfzentren öffnen.

Wie groß ist der Booster-Effekt wirklich? (3satnano)

Warum gibt es eine COVID-19 Booster-Impfung?

Die Wirkung der Covid-19-Impfung lässt mit der Zeit nach. Das sieht man zum Beispiel an der aktuell steigenden Zahl an Impfdurchbrüchen – dabei erkranken Menschen am Coronavirus, obwohl sie vollständig geimpft sind. Die Omikron-Variante lässt außerdem die Zahlen in Europa steigen.

Die allermeisten Menschen sind zwar nach einigen Monaten noch gut vor einem schweren Verlauf einer Covid-Erkrankung geschützt. Doch je länger die Impfung her ist, desto wahrscheinlicher wird es, dass sie sich trotzdem anstecken und andere infizieren können. Neue Varianten des Virus machen es zusätzlich schwer und gerade Jüngere merken einen Impfdurchbruch oft kaum.

Gerade bei Älteren oder Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann das anders aussehen. Sie sind nach einer vollständigen Impfung besser geschützt als ohne. Allerdings konnten sie teilweise nach den ersten Impfungen keine robuste Immunantwort aufbauen. Das heißt: Sie haben keinen langfristigen Schutz vor dem Virus - vor allem, wenn die Antikörper gegen den Erreger im Blut mit der Zeit zurückgehen.

Ältere Menschen haben nach der Impfung oft eine schwächere Immunantwort. Das bedeutet in der Regel auch, dass bei Ihnen früher als bei anderen Personengruppen eine Auffrischungsimpfung sinnvoll sein könnte.  (Foto: IMAGO, imago images/7aktuell)
Ältere Menschen haben nach der Impfung oft eine schwächere Immunantwort. Das bedeutet in der Regel auch, dass bei Ihnen früher als bei anderen Personengruppen eine Auffrischungsimpfung sinnvoll sein könnte. imago images/7aktuell

Wenn sie sich Monate nach ihrer Impfung mit dem Coronavirus anstecken, können sie schwer erkranken. Deshalb sollte in diesem Fall das Immunsystem mit einer Booster-Impfung aufgefrischt werden. Das Immunsystem wird also nochmal dazu gebracht, neue Antikörper zu produzieren.

Dass das funktioniert, sieht man in einer großen Studie aus Israel: Dort konnte man sehen, dass Menschen nach einer dritten Impfung deutlich seltener schwer erkrankten oder gar an Covid verstarben als nach zwei Impfungen, die ein halbes Jahr zurück lagen.

Hier liefern erste Studien klare Hinweise. So erhöht eine Auffrischungsimpfung den Schutz vor Infektion und schweren Verläufen nochmal um den Faktor zehn. So schwimmen im Blut nach der Auffrischungsimpfungen mehr Antikörper als nach den ersten beiden Impfungen.

Audio herunterladen (3 MB | MP3)

Wer kann die COVID-19 Booster-Impfung bekommen?

Möglich ist die Drittimpfung theoretisch für alle Menschen ab 12 Jahren. Und das fordern auch die Gesundheitsminister*innen. Aufgrund der besorgniserregenden Lage, brauche man mehr Tempo bei den Auffrischungsimpfungen. Deshalb soll jede geimpfte Person nach drei bis vier Monaten eine Boosterimpfung bekommen. Die Ständige Impfkommission empfiehlt den Booster inzwischen für alle Erwachsenen, also ab 18 Jahren.

Gerade bei Jüngeren ist die Kosten-Nutzen-Rechnung für die Booster-Impfung nicht so einfach: In der Regel erkranken sie nicht schwer, wenn sie sich nach der vollständigen Impfung mit Corona infizieren. Gleichzeitig ist noch nicht viel über die Sicherheit der dritten Dosis bekannt. Aus früheren Studien hingegen weiß man, dass sehr selten schwere Impf-Nebenwirkungen wie Herzmuskelentzündungen auch bei jüngeren Menschen auftreten können.

Ein Rentner hat ein junges Mädchen auf dem Schoß. (Foto: IMAGO, Imago / Westend61)
Für jüngere Kinder gibt es in Deutschland bislang keinen Covid-19-Impfstoff. Sie haben auch äußerst selten schwerere Verläufe. Aber bei älteren Menschen könnte eine Booster-Impfung durchaus sinnvoll sein. Imago / Westend61

Wo kann ich meine Booster-Impfung bekommen?

Viele Hausarztpraxen bieten Auffrischungsimpfungen – aber hier sind die Wartelisten schon teilweise sehr lang. In vielen Bundesländern werden – auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz – mobile Impfteams eingesetzt. Auf den Webseiten der Städte und Kommunen gibt es hier oft die aktuellsten Informationen.

Gerade bauen viele Kommunen die Infrastruktur erst wieder auf. Es ist damit zu rechnen, dass in den nächsten Wochen mehr Auffrischungsimpfungen möglich sind. In Rheinland-Pfalz öffnen auch bald einige Impfzentren wieder – hier können allerdings auch erst mit der Zeit Termine vergeben werden.

Muss in Zukunft die Impfung alle drei Monate aufgefrischt werden?

Insgesamt gelten Coronaviren als genetisch stabiler als zum Beispiel Grippeviren. Mit einer großen Wahrscheinlichkeit muss nicht jedes Jahr ein neuer Corona-Impfstoff entwickelt und verimpft werden, wie bei der Grippeimpfung. Allerdings machen neue Varianten, wie die Omikron Variante immer wieder zu schaffen. Die STIKO erklärt dazu: Wie lange der Schutz nach der Wiederauffrischung – also dem Booster- anhält, dazu könne man wegen zu dünner Datenlage nichts sagen.

Wir befinden uns immer noch in einer dynamischen Lage. Umstände und auch die Virusvarianten verändern sich.

Klar ist, dass die Impfstoffhersteller dabei sind, einen auf Omikron angepassten Impfstoff zu entwickeln. Der soll frühestens im März verfügbar sein. Da wir können uns nochmal auf weitere Schutz-Impfungen einstellen. Es ist immer noch deutlich besser sich durchs Impfen zu schützen, das einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden.

Nach Schätzungen von Experten wird das Coronavirus und seine Varianten in absehbarer Zeit ihren Schrecken verlieren. Der Virologe Christian Drosten von der Charité Berlin geht davon aus, dass es 2023 oder 2024 soweit sein wird. Denn bis dahin sind sehr viele Menschen bereits infiziert oder geimpft und so zumindest vorübergehend immun gegen das Coronavirus und seine Varianten geschützt.

Regelmäßige Impfungen, wie bei der Grippeimpfung, werden dann voraussichtlich nur noch für bestimmte Personengruppen wichtig sein.

Gerade jüngere Menschen bekommen ihr "Immun-Update" oft durch natürliche Übertragung. Da ist eine Auffrischungsimpfung nicht zwingend erforderlich. (Foto: IMAGO, imago images/Shotshop)
Gerade jüngere Menschen bekommen ihr "Immun-Update" oft durch natürliche Übertragung. Da ist eine Auffrischungsimpfung nicht zwingend erforderlich. imago images/Shotshop

Sollte vor der Booster-Impfung der Antikörperstatus überprüft werden?

Die STIKO empfiehlt nicht, den Impferfolg bei Covid-19-Impfungen zu überprüfen. Der Grund dafür ist, dass es bisher keinen Schwellenwert gibt, bei dem man dann davon ausgehen kann, dass jemand wirklich "immun" ist.

Über das Blut können im Labor die sogenannten Impftiter bestimmt werden, also zum Beispiel, wie viele Antikörper vorliegen. Liegt die Anzahl der Antikörper über einem gewissen Grenzwert, gilt die Person als immun. So einen exakten Grenzwert gibt es bei Corona aber noch nicht. Man kann mit den Ergebnissen der Untersuchung also eigentlich nicht allzuviel anfangen. Außerdem kommt es auch nicht nur auf die Antikörper an im Immunsystem. Die anderen Zellen, die ebenfalls wichtig sind für die Immunreaktion, wie beispielsweise die sogenannten T- und B-Zellen, kann man mit so einem einfachen Antikörpertest nicht messen.

Den Immunstatus auf Covid-19 Antikörper hin zu überprüfen ist aus Sicht der STIKO nicht unbedingt erforderlich. Es gibt auch keine klaren Grenzwerte, ab wann man "immun" ist.  (Foto: IMAGO, imago images/Michael Weber)
Den Immunstatus auf Covid-19 Antikörper hin zu überprüfen ist aus Sicht der STIKO nicht unbedingt erforderlich. Es gibt auch keine klaren Grenzwerte, ab wann man "immun" ist. imago images/Michael Weber

Wie gut oder schlecht ist der Impfschutz nach sechs Monaten?

Der Schutz vor der Infektion lässt nach, aber der Schutz vor einem schweren Verlauf oder sogar dem Tod ist nach sechs Monate nach der Impfung hoch. Jüngste Laboruntersuchungen zeigen jedoch, dass der Schutz durch die beiden Grundimpfungen schon nach drei bis vier Monaten deutlich nachlässt. Die STIKO empfiehlt deshalb eine Auffrischungsimpfung schon deutlich früher als die sechs Monate, solange es keinen gegen Omikron angepassten Impfstoff gibt. Gerade bei Älteren oder Menschen mit angeschlagenem Immunsystem steigt die Gefahr eines schweren Verlaufes. Deswegen ist bei diesen Menschen die Auffrischungsimpfung besonders von der STIKO empfohlen.

Gesunde Erwachsene, die vollständig geimpft sind, müssen sich aber in den allermeisten Fällen keine Sorgen mehr machen, schwer zu erkranken. Trotzdem gilt: Je nachdem, wie viel Impfstoff verfügbar ist, ist es sinnvoll sein, die Impfung aufzufrischen - gerade wegen Omikron. Denn je mehr Menschen geimpft sind, desto besser lässt sich die Pandemie ausbremsen. Viele Fachleute sagen aber, Jüngere sollten eher abwarten, bis auch in armen Ländern mehr Menschen geimpft sind - eine hohe weltweite Impfquote ist der beste Schutz vor SarsCov2 und gefährlichen neuen Varianten.

Auffrischungsimpfungen könnten dazu beitragen, die weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. (Foto: IMAGO, mago images/Christian Ohde)
Auffrischungsimpfungen könnten dazu beitragen, die weitere Verbreitung des Virus zu verhindern. mago images/Christian Ohde

Sollten ältere Menschen nach Ablauf der sechs Monate wieder vorsichtiger sein?

Insgesamt sollten alle gerade wieder ein bisschen vorsichtiger sein wegen des hohen Infektionsgeschehens – weil auch Geimpfte ansteckend sein könnten und sich die Omikron Variante in Europa weiter ausbreitet. Vorsichtiger sein sollten vor allem ältere Menschen, bei denen die letzte Impfung schon länger zurückliegt.

Das große Problem ist momentan das insgesamt hohe Infektionsgeschehen. Auch bei den älteren verbreitet sich das Virus gerade wieder recht schnell. Es empfiehlt sich daher auf jeden Fall bei Zusammenkünften in Innenräumen konsequent die Maske zu tragen und größere Treffen zumindest zu hinterfragen.

STAND
AUTOR/IN
Pascal Kiss
Veronika Simon
David Beck
ONLINEFASSUNG
Ralf Kölbel