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Das neue Coronavirus kann schwere Formen einer Lungenentzündung verursachen. Auf der Intensivstation der Uniklinik Freiburg liegen bereits einige Covid-19 Patienten, die um ihr Leben kämpfen.

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Infiziert sich die Lunge mit dem Virus SARS-CoV-2, dann verändert sich das Lungengewebe und der Sauerstoff kann die Blutbahn nicht mehr so einfach erreichen. Fällt dann die Sauerstoffspannung im Blut ab, wird auch die Versorgung für die Organe kritisch. Deshalb muss ein Patient beatmet werden, sobald die Sauerstoffsättigung auf unter 90 Prozent fällt.

Künstliche Lunge liefert Sauerstoff für das Blut

Auf der Intensivstation der Uniklinik Freiburg behandeln Johannes Kalbhenn und Hartmut Bürkle schwer erkrankte Covid-19-Patienten. Wer hier liegt, muss maschinell beatmet werden. Bei einigen muss das Blut sogar außerhalb des Körpers, mit einer künstlichen Lunge, mit Sauerstoff versorgt werden – sonst würden sie sterben. An dieser Maschine hängen die Covid-19 Patienten recht lange. Hartmut Bürkle, Chefarzt der Anästhesie an der Uniklinik Freiburg, erklärt: Wenn es bei Covid-19 zum Lungenversagen kommt, ist die Behandlung aufwändig und braucht viel Zeit:

Es dauert länger als bei anderen Patienten und Patientinnen mit einem akuten Lungenversagen. Sobald wir die Patienten beatmen müssen, benötigen wir im Schnitt zwischen 11 bis 14 Tagen. In der Regel können wir schon nach 7 Tagen sagen, ob sie einen Beatmungserfolg, also einen Therapieerfolg haben werden.

Hartmut Bürkle, Chefarzt der Anästhesie an der Uniklinik Freiburg
ECMO-Geräte, auch bekannt als künstliche Lunge, versorgen das Blut von Lungenkranken außerhalb des Körpers mit lebensnotwendigem frischen Sauerstoff. (Foto: SWR, SWR Wissen/ Patrick Hünerfeld)
ECMO-Geräte, auch bekannt als künstliche Lunge, versorgen das Blut von Lungenkranken außerhalb des Körpers mit lebensnotwendigem frischen Sauerstoff. SWR Wissen/ Patrick Hünerfeld

Erste Covid-19-Therapie-Erfolge in der Freiburger Uniklinik

In Freiburg gibt es bereits positive Therapie-Erfolge. Die erste Covid-19 Patientin, die auf der Intensivstation beatmet werden musste, macht rasche Fortschritte. Sie kann mittlerweile wieder so gut atmen, dass sie schon bald zurück auf Normalstation verlegt werden soll.

Die Freiburger Intensivmediziner werden zur Zeit besonders stark beansprucht.

Die Freiburger Uniklinik hat bereits die ersten schweren Fälle von Covid-19 erfolgreich behandelt. (Foto: SWR, SWR Wissen/ Patrick Hünerfeld)
Die Freiburger Uniklinik hat bereits die ersten schweren Fälle von Covid-19 erfolgreich behandelt. SWR Wissen/ Patrick Hünerfeld

Die Spitze der Pandemiewelle ist weiter nach hinten gerückt

Durch die Nähe zum Elsass stieg die Zahl der Corona-Fälle im Südwesten besonders stark an. Das zeigen die Berechnungen von Hajo Grundmann. Der Epidemiologe erstellt die wichtigen Prognosen für die Vorbereitung auf die Corona-Welle.

Er rechnet damit, dass durch die Intervention und die Verhaltensänderungen in der Bevölkerung, die Spitze der Welle weiter nach hinten gerückt ist. Anfangs gingen die Forscher davon aus, dass das Anfang April sein wird. Jetzt rechnet man damit, dass der Höhepunkt der Covid-19-Fälle vielleicht nach Ostern erreicht wird.

Das bedeutet für die Klinik mehr Zeit, um zusätzliche Intensivbetten zu organisieren und aufzustellen. Zum Beispiel in extra dafür stillgelegten Operationssälen.

Der Epidemiologe Hajo Grundmann rechnet damit, dass sich der Höhepunkt der Coronapandemie durch die strengen Maßnahmen nach hinten verschoben hat. (Foto: SWR, SWR Wissen/ Patrick Hünerfeld)
Der Epidemiologe Hajo Grundmann rechnet damit, dass sich der Höhepunkt der Coronapandemie durch die strengen Maßnahmen nach hinten verschoben hat. SWR Wissen/ Patrick Hünerfeld

Bedienung künstlicher Lungen erfodert geschultes, erfahrenes Personal

Doch zusätzliche Beatmungsbetten allein werden nicht reichen, fürchten die Mediziner. Für die Behandlung des akuten Lungenversagens kurz ARDS genannt und auch für die Beatmung von Schwerkranken mit einer künstlichen Lunge außerhalb des Körpers  - mit sogenannten ECMO-Geräten - braucht es Erfahrung und extra dafür ausgebildetes Personal. Das ist nur in besonders gut ausgestatteten Großkrankenhäusern vorhanden.  Prof. Hartmut Bürkle fordert daher:

Wir sollten so schnell wie möglich mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln die Patienten in die großen Zentren bringen, die sich mit ARDS- und ECMO-Therapie über viele Jahre schon ausgezeichnet haben. Von dort Erfahrung gewinnen, Patienten erfolgreich behandeln und diese Erfahrung und die erfolgreichen Behandlungskonzepte an alle anderen weiterverteilen. Dann helfen wir vielen, vielen Patienten.

Hartmut Bürkle, Chefarzt der Anästhesie an der Uniklinik Freiburg
Hartmut Bürkle, Chefarzt der Anästhesie an der Uniklinik Freiburg fordert, dass auch medizinisches Personal kleinerer Kliniken im Umgang mit Beatmungsgeräten und künstlichen Lungen geschult werden sollte. (Foto: SWR, SWR Wissen/ Patrick Hünerfeld)
Hartmut Bürkle, Chefarzt der Anästhesie an der Uniklinik Freiburg fordert, dass auch medizinisches Personal kleinerer Kliniken im Umgang mit Beatmungsgeräten und künstlichen Lungen geschult werden sollte. SWR Wissen/ Patrick Hünerfeld

Covid-19 Lungenentzündung schwierig zu behandeln

Covid-19 löst eine besonders tückische Lungenentzündung aus. Deshalb ist die Beatmung einer durch Covid-19 geschädigten Lunge so schwierig. Die Lunge ist besonders empfindlich durch die schwere Entzündung  und kann leicht weiter geschädigt werden, warnt Intensivmediziner Dr. Johannes Kalbhenn von der Uniklinik Freiburg:

Wenn man dann zum Beispiel zu viel Druck auf die Lunge gibt oder die Lunge zu sehr bewegt zum Beispiel durch ganz besonders weites Aufdehnen, dann kann das schon einen weiteren Lungenschaden auslösen.

Dr. Johannes Kalbhenn, Intensivmediziner an der Uniklinik Freiburg:

Die Freiburger Mediziner sind froh, dass sie viele Jahre Erfahrung mit Patienten mit akutem Lungenversagen haben. Auf ihren Intensivstationen können schwerstkranke Covid-19-Patienten gut behandelt werden. Und bisher konnten sie auch noch alle Patienten aufnehmen.

Das neue Coronavirus kann besonders schwere Formen einer Lungenentzündung hervorrufen. Eine intensivmedizinische Behandlung mit künstlicher Beatmung kann viele Menschenleben retten. (Foto: SWR, SWR Wissen/ Patrick Hünerfeld)
Das neue Coronavirus kann besonders schwere Formen einer Lungenentzündung hervorrufen. Eine intensivmedizinische Behandlung mit künstlicher Beatmung kann viele Menschenleben retten. SWR Wissen/ Patrick Hünerfeld
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