STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Virologen der Universität Ulm haben in einer Studie gezeigt, dass die Muttermilch eine besondere Rolle bei der Übertragung des Coronavirus auf Neugeborene spielen könnte.

Audio herunterladen (2,3 MB | MP3)

Mittlerweile wissen wir alle: Coronaviren verbreiten sich über Tröpfchen, kleine und große, schwebend in der Luft. Dazu kommen wahrscheinlich kontaminierte Oberflächen - Abstand halten und regelmäßiges Hände waschen schützen also vor einer Ansteckung. Aber eventuell könnte es noch einen anderen Weg geben, das Virus weiterzugeben: Über die Muttermilch.

Auch andere Viren können über die Muttermilch übertragen werden

So eine Übertragung von der Mutter auf den Säugling kennt man auch von anderen Viren. Aber ob das auch beim neuen Coronavirus passieren kann, weiß man noch nicht. Das wollte der Virologe Jan Münch von der Universität Ulm mit seinem Team herausfinden. Denn gerade bei der Übertragung von der Mutter auf das Kind sind noch einige Fragen offen.

Können Coronaviren über die Muttermilch Babys infizieren? (Foto: Imago, imago/CHROMORANGE)
Ulmer Forscher konnten in Muttermilch Coronaviren nachweisen. Ob sich Neugeborene über diesen Übertragungsweg mit dem neuen Coronavirus infizieren können bleibt unklar. Imago imago/CHROMORANGE

Corona-Pandemie - Bisher wenig Forschung mit stillenden Müttern

Kinder können sich mit dem neuen Coronavirus anstecken, aber zum Glück verläuft die Infektion bei ihnen meistens harmlos. Das gilt auch für die ganz Kleinen. Und auch schwangere Frauen haben nach jetzigem Wissensstand kein erhöhtes Risiko bei einer Infektion.

Bisher wurden in dieser Pandemie stillende Mütter und deren Muttermilch nur wenig erforscht, so der Ulmer Virologe Jan Münch, es waren auch einfach noch nicht sehr viele betroffen.

„Wenn diese Mütter untersucht wurden, hat man in der Regel nur einmal die Milch getestet, zu irgendeinem Zeitpunkt. Und da haben wir uns gedacht: Einmal die Milch von zwei stillenden Müttern, die hier in der Gegend infiziert worden sind, systematischer zu untersuchen – nicht nur an einem Tag, sondern an aufeinanderfolgenden Tagen.“

Jan Münch, Virologe an der Universität Ulm

Coronaviren in der Muttermilch

Und tatsächlich konnten sie Viren in der Milch von einer der beiden Mütter nachweisen. Bei der anderen, die ebenfalls an Covid-19 erkrankt war, schlug der Test nicht an. Bisher haben Jan Münch und sein Team damit Einzelfälle beobachtet, belastbare Ergebnisse kann nur eine größere, wissenschaftliche Studie bringen.

Für die Virologen ist das Ergebnis aber interessant. Sie konnten nachweisen, dass Viren in der Milch vorliegen, es bleiben aber noch einige Fragen offen:

„Was wir nicht wissen, ist: Wie oft ist das der Fall, das heißt, bei wie vielen stillenden Müttern finden wir das Virus in der Milch.“

Jan Münch, Virologe an der Universität Ulm
Ob sich in der Muttermilch nur noch "Virenmüll" oder tatsächlich aktive Coronaviren  befinden, können die Ulmer Forscher noch nicht sagen. (Foto: Imago, imago images/Ikon Images)
Ob sich in der Muttermilch nur noch "Virenmüll" oder tatsächlich aktive Coronaviren befinden, können die Ulmer Forscher noch nicht sagen. Imago imago images/Ikon Images

Möglicherweise nur "Virenmüll" in der Muttermilch

Außerdem weiß man noch nicht, ob die Viren in der Milch überhaupt ansteckend sind. Die Tests können nämlich nicht unterscheiden, ob das gefundene Virus noch intakt ist, sie zeigen auch bei Virusstückchen ein positives Ergebnis.

Ob in der Milch ansteckende Viren sind oder doch nur Virenreste, quasi Virenmüll, das müssen die Wissenschaftler erst noch rausfinden. Außerdem bleibt die Frage offen, ob das Virus überhaupt durch das Stillen übertragen werden kann.

Übertragungsweg - Mutter-Kind bleibt unklar

Denn die Kinder hatten sich zwar höchstwahrscheinlich bei ihreren Müttern mit dem Coronavirus angesteckt, aber das heißt ja nicht automatisch, dass die Übertragung über die Milch passiert sein muss.

„Trotz Mund-Nasen-Schutz ist es natürlich so, dass Mutter und Kind eng zusammen sind und es auch waren in diesen Fällen. Man kann nie ausschließen, dass das Virus dann auch über einen anderen Weg, also durch Tröpfchen, durch den engen Körperkontakt, Aerosole übertragen worden ist.“

Jan Münch, Virologe an der Uni Ulm
In den meisten Fällen verlaufen Coronainfektionen bei Neugeborenen ohne stärkere Symptome.  (Foto: Imago, imago/blickwinkel)
In den meisten Fällen verlaufen Coronainfektionen bei Neugeborenen ohne stärkere Symptome. Ob sie sich auch über die Muttermilch mit dem Virus infizieren können, muss weiter erforscht werden. Imago imago/blickwinkel

Weitere Forschung notwendig

Die Ergebnisse von den Ulmer Virologen sind also ein interessanter Anstoß für die weitere Forschung. Ob Säuglinge sich aber über die Muttermilch mit dem neuen Coronavirus anstecken können, das weiß man durch sie noch nicht.

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG