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Das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes wird jetzt offiziell im Nahverkehr und in Geschäften empfohlen. Kann eine weitere Ausbreitung des Coronavirus auch mit selbstgenähten Masken verhindert werden?

Einfacher Mundschutz schützt vor allem andere vor einer Ansteckung

Selbstgenähte Masken oder auch einfacher Chirurgenmundschutz funktionieren vor allem von innen nach außen: Wenn jemand hustet, niest oder einfach eine feuchte Aussprache hat, bleiben die dicksten Tropfen, in denen auch das Virus meist steckt, in der Maske hängen. Die Maske ist da einfach eine mechanische Barriere.

Komplett geschützt sind die Menschen in der Umgebung trotzdem nicht, aber ihr Risiko ist vermutlich schon ein Stück weit geringer als wenn ein Infizierter ohne Maske unterwegs ist. Große Studien dazu fehlen aber bisher. Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass man sich mit Maske ein kleines bisschen auch selber schützt – aber die Fachwelt geht ganz klar davon aus, dass der Fremdschutz überwiegt.

Einen zuverlässigen Eigenschutz bieten nur sogenannte FFP3-Masken mit eingebautem Virenfilter – diese Profi-Masken sind kaum zu bekommen, und sie sollten Ärzten und Pflegern vorbehalten bleiben, weil die sie für die Versorgung von Corona-Patienten jetzt dringend brauchen.

Schutzmasken als Geste der Höflichkeit

Da es derzeit hierzulande oft zu Lieferengpässen bei Schutzmasken kommt, kursieren im Internet verschiedene Anleitungen zum Selbernähen von Schutzmasken, beispielsweise von der Stadt Essen.

Heike von Baum, Leiterin der Krankhaushygiene vom Uniklinikum in Ulm findet selbstgenähte Masken eigentlich gut. Gerade wenn man im direkten Kontakt, zum Beispiel mit einer Kassiererin ist, könne man damit durchaus verhindern, dass man viele Viruströpfchen in der Luft verteilt oder auch, weil man sich nicht mehr so schlecht fühlen muss, wenn man im Laden husten muss.

Selbstgenähte Mundschutzmasken sind derzeit voll im Trend.  (Foto: Pressestelle, Uniklinik Ulm)
Selbstgenähte Mundschutzmasken sind derzeit voll im Trend. Sie bieten allerdings nur bedingt Schutz vor einer Infektion. Pressestelle Uniklinik Ulm

Jetzt sollen alle Masken tragen – macht das Sinn?

Wie wirksam der Schutz vor einer Infektion letztlich ist, hängt ganz von der Maskenart ab. Einfache Masken ohne spezielle Filter schützen nicht mich persönlich, sondern sorgen dafür, dass ich selber keine oder weniger Viren verteile. Das lässt sich damit erklären, dass die Tröpfchen, in denen die Viren sind, abgefangen werden. Die landen dann beim Husten, Niesen oder Sprechen überwiegend in der Maske und nicht in der Luft und können dann nicht von anderen eingeatmet werden.

Wenn das alle machen, sind natürlich weniger Viren in der Luft unterwegs. Sinn macht das vor allem in geschlossenen Räumen, wo man mit anderen Menschen ist.

Draußen, an der frischen Luft,  verteilen sich die Tröpfchen sehr schnell. Die Ausatemluft wird so schnell verdünnt, dass man bei genügend Abstand keinen ansteckt. Im Wald sollte man also lieber die gute Luft genießen, im Supermarkt kann man einfache Masken tragen.

Einfache Schutzmasken schützen vor allem andere vor einer möglichen Infektion. (Foto: Imago, imago/ C.Hardtx/FuturexImage)
Einfache Schutzmasken schützen vor allem andere vor einer möglichen Infektion. Imago imago/ C.Hardtx/FuturexImage

Welche Maskenarten können was leisten?

Im professionellen Bereich, zum Beispiel im Krankenhaus, werden auch Masken eingesetzt, die nicht nur die Tropfen abfangen, die man selber abgibt. Diese Masken verhindern auch, dass man Viren einatmet, denn sie haben spezielle Filter eingebaut. Das sind sogenannte FFP-Masken, von denen man in letzter Zeit immer wieder hört. Da gibt es dann noch verschiedene Abstufungen, FFP1 bis FFP3. In der Arbeit mit Covid-19 Patienten ist mindestens die Klasse FFP2 vorgeschrieben.

Bei der Testung von potentiell Coronainfizierten sind professionelle Schutzmasken mit einem speziellen Filter Pflicht. (Foto: Imago, imago images/Frank Sorge)
Bei der Testung von potentiell Coronainfizierten sind professionelle Schutzmasken mit einem speziellen Filter Pflicht. Imago imago images/Frank Sorge

Bei diesen professionellen Masken ist es wichtig, dass man sie richtig anlegt und regelmäßig wechselt, sonst ist die Hygiene auch wieder dahin.
Diese FFP-Masken sind für den medizinischen Bereich gedacht und im Moment Mangelware. Deshalb sollte man diese Masken auch nicht tragen oder kaufen, wenn man sie nicht aus professionellen Gründen braucht. Sonst trägt man nur noch weiter dazu bei, dass die Krankenhäuser viel Geld für ihre Masken bezahlen müssen oder gar keine mehr bekommen.

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Können selbstgebastelte Masken eine Coronainfektion verhindern?

Natürlich kann so ein Mundschutz nicht dasselbe leisten, wie ein professioneller Mundschutz mit Filter. In medizinischem Umfeld oder als Arbeitsschutz sind selbst gebastelte Masken deshalb nicht sinnvoll. Außerdem darf man sich keine falschen Hoffnungen machen:

So ein Mundschutz verhindert nicht, dass man sich selber ansteckt, er kann höchstens dafür sorgen, dass man etwas weniger Viren aus der eigenen Lunge in die Umwelt schleudert, wenn man hustet, niest oder aus Versehen etwas spuckt beim Sprechen. Aber auch das ist nicht wissenschaftlich belegt.

Man kann rein wissenschaftlich nicht sagen, wie viel Prozent weniger Viren man mit einer Schutzmaske verteilt – das kann man natürlich nur bei den geprüften Medizinprodukten. Es ist also mehr eine Geste, eine Form der Höflichkeit. Ob man damit jetzt wirklich ein relevantes Infektionsrisiko reduziert, ist nicht klar.

Helfen Mundschutz oder Atemschutzmasken im Kampf gegen die Ausbreitung der CoronSelbstgenähte Schutzmasken dienen vor allem dazu, andere Menschen nicht zu gefährden. Sich selbst schützen kann man damit nur bedingt. (Foto: Imago, imago)
Selbstgenähte Schutzmasken dienen vor allem dazu, andere Menschen nicht zu gefährden. Sich selbst schützen kann man damit nur bedingt. Imago imago

Bei Symptomen lieber gleich zu Hause bleiben

Aber das alles gilt natürlich vor allem für normale Menschen ohne Symptome: Wer ein erhöhtes Risiko hat und zum Beispiel immunsupprimiert ist - also dessen Immunsystem durch Medikamente gedämpft wird, wie z.B. Rheumapatienten, sollte aktuell ohnehin zuhause bleiben.

Und auch wer wirkliche Krankheitssymptome wie Husten hat, sollte lieber nicht selber einkaufen gehen. Da hilft dann auch eine Stoffmaske nicht mehr.

Mann und Frau - anders krank (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Bei Schnupfen, Husten sollte man aus Rücksicht auch für andere derzeit am besten ganz zu Hause bleiben. Thinkstock -

Allerdings sollte man die Masken auch nicht rund um die Uhr tragen, sie bringen zum Beispiel nichts mehr, wenn sie durchweichen. Außerdem warnen Experten davor, dass man sich mit so einer Maske zu sicher fühlt und leichtfertiger wird.

Doch wenn man sich selbst damit besser fühlt, weil man eventuell weniger Viren in der Welt verbreitet, schadet man damit niemandem. Trotzdem sind Abstand halten und Hände waschen wichtig. Keine Maske kann das ersetzen.

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