Pandemie

Corona-Tests: Nur Baden-Württemberg nutzt Kapazitäten

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Labore in ganz Deutschland fahren schon seit Ende Januar ihre Testkapazitäten hoch. Genutzt werden die aber kaum. Einzige Ausnahme: Baden-Württemberg.

Wir müssen testen, testen, testen. Das ist die einhellige Meinung der Experten. Die deutschen Labore haben deshalb seit Ende Januar ihre Testkapazitäten hochgefahren. Genutzt werden sie aber kaum.

Denn: Es sind Ärzte, die entscheiden ob jemand getestet wird oder nicht. Und im Streit um die Kosten sind es im Zweifelsfall auch die Ärzte, die auf den Kosten sitzen bleiben. Die Krankenkassen wollen nicht immer zahlen.

In der letzten Mai-Woche lag die Auslastung der Labore, die auf das neuartige Coronavirus testen, bei nur 39 Prozent. In den baden-württembergischen Laboren zeichnet sich allerdings ein anderes Bild ab, sagt Beate Tyralla, ärztliche Leiterin des Bioscientia-Labors in Freiburg.

„Momentan ist unsere Auslastung der Testkapazitäten bei ungefähr 80%.“

Beate Tyralla, ärztliche Leiterin Bioscientia Labor Freiburg (Foto: SWR, SWR)
Laut Beate Tyralla ist das Bioscientia Labor in Freiburg gut ausgelastet. SWR

Andere Labore und Unikliniken im Land melden ähnlich hohe Auslastungen. Dafür gebe es einen guten Grund:

„Wir haben in Baden-Württemberg die Besonderheit, dass die Landesregierung sich entschieden hat, Corona-Testungen auch von asymptomatischen Personen durchführen zu lassen und dafür auch die Kosten zu übernehmen.“

Wichtiges Stichwort: Kosten. Denn die Krankenkassen übernahmen die Kosten von Tests bei Menschen ohne Symptome bis Anfang Juni nicht. Und in nur einem deutschen Bundesland zahlte die öffentliche Hand: in Baden-Württemberg.

Dabei sind es gerade die Infizierten ohne Symptome, die es gilt zu finden, sagt Matthias Orth, ärztlicher Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin am Marienhospital in Stuttgart.

Matthias Orth, Institut für Laboratoriumsmedizin am Marienhospital in Stuttgart (Foto: SWR, SWR)
Laut Matthias Orth vom Institut für Laboratoriumsmedizin am Marienhospital in Stuttgart sollte man auch asymptomatische Menschen testen. SWR

„Wenn das Menschen sind, die viele Kontakte zu anderen haben, ist es möglich, dass dabei sehr viele andere infiziert werden.“

Das sind dann sogenannte Superspreader. Die können laut Matthias Orth nur durch solche Testungen schon vorab ermittelt werden.

Dass dieser Alleingang der Landesregierung in Baden-Württemberg wichtig ist, merkt er auch, wenn er mit seinen Kollegen anderswo in Deutschland spricht.

„Es ist ganz klar: Die anderen Bundesländer beneiden uns. Alle Leute sagen, dass die Testung sinnvoll ist. Das ist komplett unbestritten. Nur durch die kontinuierliche Testung weiter Bevölkerungsgruppen können wir das Ganze eindämmen.“

Dazu gehören laut Orth aber auch regelmäßige flächendeckende Tests im Gesundheitswesen und in der Altenpflege. Und da verliert Baden-Württemberg dann seine Vorbildfunktion. Denn es gab im Land bisher nur eine einmalige Testung im Bereich der Altenpflege.

„Sie wissen dann, dass sie heute nicht infektiös sind, morgen wahrscheinlich auch nicht infektiös sind, aber wie es in einer Woche oder in zwei Wochen aussieht, können wir nicht sagen.“

Man bliebe auch bei einer Ausnutzung der Kapazitäten durch solche Routinetests flexibel. Diese könnten nämlich auch einige Tage später noch stattfinden, sollten kurzfristig Kapazitäten wegen größerer Ausbrüche gebraucht werden.

Außerdem seien die Labore noch nicht an der absoluten Kapazitätsgrenze, so Beate Tyralla vom Bioscientia-Labor in Freiburg.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Thermozykler (Foto: IMAGO, imago/Olaf Döring)
Obwohl die Testkapazitäten in Baden-Württemberg vergleichsweise gut genutzt werden, ist selbst dort noch Luft nach oben. imago/Olaf Döring

„Es bleibt einfach abzuwarten wie viele Proben dann konkret auf uns zukommen. Wir sind dabei Kapazitäten weiter aufzubauen.“

Testmöglichkeiten gibt es also genug. Die Frage ist nur, wer zahlt.

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