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Nicht mehr so gut riechen und schmecken können - das könnten erste Anzeichen für eine Infektion mit dem neuen Coronavirus sein. Und zwar noch vor Husten und Halskratzen.

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Mehrere Fachgesellschaften von HNO-Ärzten aus den USA, Großbritannien und auch Spanien weisen auf diese neuen Symptome einer Coronainfektion hin:

  • Riech- und Geschmacksstörungen. Das Besondere an den neuen Symptomen ist, dass diese schon sehr früh auftreten. Viele Infizierte bemerken offenbar zuerst die Einschränkung des Geruchs- und auch Geschmackssinnes.
  • Erst später können andere Symptome wie Halskratzen und Fieber oder ein trockener Husten dazu kommen. Manche bekommen gar keine weiteren Symptome.
Eine Infektion mit dem neuen Coronavirus wird oft erst sehr spät erkannt.  (Foto: Imago, imago images/Future Image)
Eine Infektion mit dem neuen Coronavirus wird oft erst sehr spät erkannt. Viele Infizierte werden gar nicht getestet. Riech- und Geschmacksstörungen könnten ein früher Hinweis auf eine Covid-19-Erkrankung sein. Imago imago images/Future Image

Symptomlose Übertragung von Corona ein Problem

Diese Erkenntnis ist wichtig, denn gerade Menschen, die infiziert sind, aber weitgehend symptomfrei bleiben, gehören zu den Trägern des Coronavirus, die die Ausbreitung von Covid-19 begünstigen. Die symptomlose Übertragung gilt als eine der Triebkräfte für die Pandemie.

Geruchs- und Geschmacksverlust als frühe Symptome einer Corona-Infektion

In Deutschland hat Professor Hendrik Streeck, ein deutscher Virologe der Universität Bonn im Kreis Heinsberg mehr als 100 nur leicht erkrankte Coronavirus-Infizierte befragt. Mindestens zwei Drittel von ihnen berichteten von einem mehrtägigen Geruchs- und Geschmacksverlust.

Jetzt kann man einwenden, dass man nicht mehr gut riechen und schmecken kann, ist doch bei vielen Erkältungskrankheiten so. Aber der Unterschied besteht darin, dass bei vielen anderen Rhinoviren und auch bei Grippeviren es erst im Verlauf der Infektion zu einer Schädigung der Riechzellen durch das Virus kommt.

Also wir sind zuerst richtig stark erkältet oder vergrippt und dann kommt noch dazu, dass wir nicht mehr gut riechen können. Ein Geruchsverlust ist bei diesen Viren oft die Spätfolge der Erkrankung. Anders scheint es bei Covid-19 zu laufen.

Riechstörungen und Störungen des Geschmackssinns sind möglicherweise frühe Symtome einer Coronainfektion. (Foto: Imago, imago images/photothek)
Bei einer normalen Grippe oder schweren Erkältung treten Geruchs - und Geschmacksstörungen meist erst im späteren Verlauf auf, wenn die Nase bereits verstopft ist. Bei einer Infektion mit dem Coronavirus treten diese Symptome deutlich früher auf. Imago imago images/photothek

Experten vermuten Schädigung der RIechzellen durch Coronaviren

Laut Dr. Stefan Drumm, HNO-Arzt aus Niedersachsen vermehrt sich das neuartige Coronavirus am stärksten im oberen Atemtrakt – in der Nase, dem Rachen, dem Kehlkopf und der oberen Luftröhre. Dort herrscht die höchste Virenlast. In der Nase werden offenbar die Riechzellen durch diese hohe Virenzahl recht früh geschädigt, ganz ohne anzuschwellen. Das kann dazu führen, dass wir als erstes einen Riech- und damit auch Geschmacksverlust bemerken.

Andere HNO-Spezialisten wie Dr. Achim Beule, leitender Oberarzt der Uniklinik Münster, haben deswegen schon ihre Krankenhaushygienefachleute gebrieft, dass sie bei der Aufnahme von Patienten in die Klinik nach Geruchsstörungen fragen. So kann man diese Patienten schneller isolieren und auch testen.

Riechstörungen und Störungen des Geschmackssinns sollten bei der Diagnose von Coronainfektionen als wichtige Symptome mit einbezogen werden. (Foto: Imago, imago images/Wolfgang Zwanzger)
Riechstörungen und Störungen des Geschmackssinns sollten bei der Diagnose von Coronainfektionen als wichtige Symptome mit einbezogen werden. Imago imago images/Wolfgang Zwanzger

Riechstörungen als Frühysympton von Covid-19

Der britische als auch der amerikanische Verband der Hals-, Nasen-Ohrenärzte plädieren dafür, grundsätzlich Personen mit einer neu aufgetretenen Riechstörung künftig als Covid-Verdachtsfälle zu behandeln. Auch die europäische rhinologische Gesellschaft schlägt vor, HNO-Ärzte sollten Patienten mit plötzlich auftretendem Geruchsverlust als COVID-19-positiv einstufen. In Deutschland informiert auch die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie, dass Riechstörungen ein Frühsymptom für Covid-19 zu sein scheinen.

Die HNO-Fachgesellschaft hat auch das Robert-Koch-Institut angeschrieben, ob die Riechstörung als Frühsymptom aufgenommen werden könnte.

Auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus wird in Deutschland meist erst im Verdachtsfall getestet (Foto: Imago, imago images/MiS)
Auf eine Infektion mit dem neuen Coronavirus wird in Deutschland meist erst im Verdachtsfall getestet, d.h. wenn man Symptome zeigt und aus einem Risikogebiet kommt bzw. Kontakt zu bereits positiv Getesteten hatte. Imago imago images/MiS
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