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Funktionieren Corona-Schnelltests auch bei Mutationen?

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Die neuen Coronavirus-Mutationen machen Anpassungen von Impfstoffen notwendig. Aber wie ist es bei Schnelltests? Haben wir ein Sicherheitsproblem oder erkennen die alle Varianten? Muss man sie auch anpassen? 

Verändertes Virusprotein könnte im Schnelltest nicht erkannt werden 

Antigentests sind ein sehr grobes Instrument, sagt Andreas Bobrowski, Vorsitzender des Berufsverbandes deutscher Laborärzte. Die ähnlich funktionierenden Schnelltests reagieren, einfach gesagt, auf ein bestimmtes in Viren vorhandenes Protein, das sich bei Mutationen wie der Delta-Variante nicht großartig ändert: 

"Wenn dort nur sehr geringe Veränderungen stattfinden, ist es sehr unwahrscheinlich, dass man durch einen doch sehr groben Antigen-Schnell-Test dort entsprechende Veränderungen beziehungsweise schwächere Nachweise oder Ähnliches erhalten würde."

Aber, sagt sein Kollege Matthias Orth, Chef der Labormedizin am Stuttgarter Marienhospital: 

"Wir wissen es halt nicht. Man muss es austesten - wahrscheinlich sind sie wirksam und wir werden leichte Unterschiede finden, aber dann ist natürlich die Beurteilung: Ist dieser Unterschied signifikant oder ist er nicht signifikant?"

Schnelltests sollten überprüft werden 

Im Prinzip müsste man alle zugelassenen Tests neu überprüfen – anhand von Patienten, die sich mit mutierten Corona-Varianten infiziert haben. Entwickelt wurden die Schnelltests nämlich schon früher, bevor das SarsCov2-Virus mutiert ist. Facharzt Dr. Matthias Orth erklärt:

Die Tests können immer nur getestet werden mit den Varianten, die es gibt. Das heißt also wenn ich jetzt einen Test habe, der vor einem halben Jahr zugelassen worden ist, dann kannten wir diesen neuen Varianten noch nicht. Die sind dann also nur mit dem “Wildtyp“ damals getestet worden. Wir können annehmen, dass die funktionieren – aber wir wissen es in der Regel nicht. 

Mitarbeiter einer Schnellteststation tropft Probe mit Gummihandschuhen auf Schnelltest. (Foto: imago images, IMAGO / KS-Images.de)
Zugelassene Schnelltests zum Nachweis einer Coronainfektion müssten überprüft werden, um festzustellen, ob sie auch neue Virusmutationen erkennen. IMAGO / KS-Images.de

Hohe Fehlerquote auch beim original Coronavirus 

Mal abgesehen davon, dass Schnelltests auch nicht besonders zuverlässig sind – 40 bis 50 Prozent der Infektionen würden übersehen, sagt der Vorstand des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte (BDL) Matthias Orth, also fast jede zweite. Das hat auch mit dem Zweck zu tun, zu dem sie eigentlich entwickelt wurden. Ursprünglich sollte damit bei Patienten mit Symptomen schnell festgestellt werden können, ob eine Covid-19 Infektion vorliegt. 

Aber die Fragestellung, die wir haben, ist ja: wir möchten die Leute „freitesten“ also wir möchten sagen, dass der Patient negativ ist. Wenn jemand symptomatisch ist, dann kann man diese Tests verwenden, aber symptomatische Kinder sollten gar nicht in die Schule gehen. Sondern wir machen das ja nur bei asymptomatische Kindern - und dafür sind die Tests definitiv nicht geeignet. 

Schulkind beim Antigen-Schnelltest in der Schule. (Foto: imago images, IMAGO / Laci Perenyi)
Antigen-Schnelltests könnten beispielsweise in Schulen ein falsches Sicherheitsgefühl vermitteln. Fast jede zweite Coronainfektion wird laut BDL-Vorstand Matthias Orth nicht erkannt. IMAGO / Laci Perenyi
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