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Bosch bietet einen neuen Corona-Schnelltest an. Für Massentests ist dieser kaum geeignet: Man braucht für die Auswertung ein recht teures Gerät, das auch nur rund 160 Tests pro Tag schafft.

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Seit ein paar Wochen steigt die Zahl der Coronafälle in Deutschland wieder an. Das heißt auch, dass es immer mehr Verdachtsfälle gibt. Schnelle Testergebnisse sind daher besonders wichtig. Als sicherste Methode zum Aufspüren einer akuten Infektion gilt immer noch der PCR-Test.

Die meisten PCR-Tests werden derzeit im Labor ausgewertet, es sind aber auch schon erste Schnelltests auf dem Markt; einige Flughäfen nutzen sie bereits. Jetzt verspricht Bosch den weltweit schnellsten PCR-Test: Schon nach 39 Minuten soll das Ergebnis vorliegen.

Der neue Corona-Schnelltest liefert zwar in relativ kurzer Zeit ein zuverlässiges Ergebnis, ist allerdings für Massentests nicht geeignet. (Foto: Pressestelle, Bosch)
Der neue Corona-Schnelltest liefert zwar in relativ kurzer Zeit ein zuverlässiges Ergebnis, ist allerdings für Massentests nicht geeignet. Pressestelle Bosch

Ist das jetzt der große Durchbruch bei den Corona-Tests?

Es ist auf jeden Fall ein Fortschritt, aber Engpässe beim Testen wird es trotzdem weiter geben. Denn es ist kein Selbsttest für zu Hause, erstmal muss jemand mit medizinischer Erfahrung bei der Testperson einen Abstrich im Mund-Rachen-Raum machen. Und es braucht teure Technik für die Auswertung. Bosch sagt selbst, dass sich das Verfahren nicht für Massentests zum Beispiel vor einem Fußballspiel eignet.

Denn Bosch und das Darmstädter Biotech-Unternehmen R-Biopharm liefern zwar schneller ein Ergebnis als die Konkurrenz. Aber das geht nur mit einem mobilen Analysegerät namens Vivalytic. Ein Gerät kann mehr als 160 Tests am Tag auswerten – im Stadion oder vor einem Popkonzert kommt man damit nicht weit. Natürlich kann man auch mehrere Geräte aufstellen – allerdings kostet ein Testkasten fünfstellig, es werden Preise zwischen 15.000 und 28.000 Euro genannt.

Für welche Einsätze könnten die Schnelltests denn nützlich sein?

Bosch nennt zum Beispiel Fieberambulanzen oder Pflegeheime. Der Vorteil: in den Testkartuschen sind die notwendigen Reagenzien schon drin, die Analyse klappt ohne Laborpersonal. Man muss nur die Testkartusche in das Auswertungsgerät schieben, der Rest passiert automatisch.

Nach 39 Minuten zeigt das Gerät dann an, ob in der Probe Spuren von Sars-Cov2 waren. Die Trefferquote soll bei 98 Prozent liegen. Und Fehlalarme kommen laut Bosch überhaupt nicht vor. Bis Ende des Jahres will das Unternehmen eine Million Tests ermöglichen, nächstes Jahr sollen es dann drei Millionen sein.

Das klingt viel, ist aber im Vergleich zu PCR-Tests im Labor doch eher nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Derzeit werden in deutschen Laboren jede Woche mehr als eine Million Coronatests analysiert.

An vielen Flughäfen oder größeren Bahnhöfen (wie hier in Köln) wurden Corona-Testzentren eingerichtet. Auf das Ergebnis müssen die Getesteten mitunter tagelang warten. (Foto: Imago, imago/ Hardt/FutureImage)
An vielen Flughäfen oder größeren Bahnhöfen (wie hier in Köln) wurden Corona-Testzentren eingerichtet. Auf das Ergebnis müssen die Getesteten mitunter tagelang warten. Imago imago/ Hardt/FutureImage

Die WHO hat ja gerade 120 Millionen Schnelltests für ärmere Länder in Aussicht gestellt – sind das ähnliche Tests wie die von Bosch?

Nein, das ist ein ganz anderer Ansatz: Was die WHO verteilen will, sind keine PCR-Tests wie bei Bosch, sondern sogenannte Antigentests. Diese Tests spüren nicht Erbgutstücke des Virus auf wie bei der PCR. Sondern sie reagieren auf bestimmte Proteine des Erregers – das geht ganz schnell, ohne Extrageräte, und man hat schon nach einer Viertelstunde ein Ergebnis.

Der entscheidende Nachteil ist aber: Die Methode ist deutlich ungenauer, es werden mehr infizierte Menschen übersehen. Aber wenn jemand ganz viel Viren im Hals hat und hochansteckend ist, schlagen laut Christian Drosten auch Antigentests zuverlässig an – der Virologe rechnet damit, dass in den nächsten Monaten auch in Deutschland mehrere Tests dieser Art zugelassen werden.

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