Corona-Pandemie

Männer brechen häufiger Regeln zur Covid-19 Eindämmung als Frauen

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Forscher fordern, Männer geschlechtsspezifisch und gezielt über Covid-19 zu informieren, denn sie brechen häufiger die Regeln als Frauen.

Frauen reagieren anders als Männer auf die Pandemie. Sie halten sich eher an Regeln, die die Verbreitung des Coronavirus eindämmen können. Dazu haben jetzt Forscherinnen und Forscher aus mehreren Ländern Befunde vorgelegt. Sie haben im März und April mehr als 21.000 Menschen aus acht Industrieländern – darunter Deutschland und Österreich – zu ihren Einstellungen befragt.

Frauen halten sich eher an Corona-Regeln als Männer

Es zeigte sich, dass Frauen Covid-19 in allen Ländern häufiger als schwerwiegendes Gesundheitsproblem ansehen, sich deshalb eher mit einschränkenden Maßnahmen einverstanden erklären und sich auch eher daran halten.

Insgesamt hielten 59 Prozent der Frauen die Erkrankung für ernst, aber nur 49 Prozent der Männer. 88 Prozent der Frauen und im Vergleich dazu 83 Prozent der Männer folgten den aktuellen Empfehlungen, das berichten die Forscher*innen im Fachmagazin PNAS.

Gegendemonstration für mehr Abstand am Rande einer Anticorona Demo auf dem Dortmunder Friedensplatz (Foto: IMAGO, imago images/Rupert Oberhäuser)
Frauen scheinen die Corona-Pandemie ernster zu nehmen als Männer und halten sich auch eher an die Regeln. imago images/Rupert Oberhäuser

Geschlechsspezifische Unterschiede in der Wahrnehmung der Pandemie

Interessant ist auch, dass in Deutschland die Zahl der Menschen, die mit den Corona-Regeln übereinstimmen, zwischen März und April besonders stark zurückgegangen ist – dabei hat sich der Unterschied zwischen Männern und Frauen noch verstärkt.

Die Unterschiede zwischen Frauen und Männern bleiben auch bestehen, wenn man soziodemographische und psychologische Faktoren aus den Daten herausrechnet. Psychologische Faktoren sind zum Beispiel, dass Frauen eher konform antworten und vorgegebenen Aussagen häufiger zustimmen. Sozioökonomische Faktoren sind, dass Frauen häufiger als Männer in Jobs arbeiten, in denen sie einer möglichen Infektion ausgesetzt sind - zum Beispiel in der Pflege, in der Schule, im Supermarkt.

Trotzdem die Wissenschaftler*innen diese Faktoren herausrechneten, blieb der Unterschied der Geschlechter in der Bewertung von Covid-19 und der Einhaltung der Regeln bestehen. Das erklärt Paola Profeta von der italienischen Universität Bocconi in Mailand, die an der Auswertung der Umfrage beteiligt war.

Auch wenn die Befragten die Wirkung des Virus schon mit angesehen hatten, wenn sie selbst erkrankt oder in ihrer unmittelbaren Umgebung einen Fall erlebt hatten, blieb es bei den Unterschieden.

Mann trägt skurrile Gesichtsmaske mit Blumen, Demo gegen Corona-Regeln auf den Düsseldorfer Rheinwiesen (Foto: IMAGO,  imago images/ imageBROKER/Karl F. Schöfmann)
Männer sind schwieriger von der Notwendigkeit der Corona-Regeln zu überzeugen als Frauen. imago images/ imageBROKER/Karl F. Schöfmann

Ältere Männer halten sich am wenigsten an die Corona-Regeln

Und mit dem Alter wuchs die Lücke in den Einstellungen der Geschlechter noch. Das bedeutet: Gerade ältere Männer sehen das Coronavirus noch weniger als Bedrohung der Gesundheit an und halten sich daher auch noch weniger an die Regeln zu seiner Eindämmung.

"Die größten Unterschiede zwischen den Geschlechtern fanden sich dort, wo es darum ging, andere Menschen zu schützen, zum Beispiel beim Husten in den Ellenbogen".

Demo Querdenken  Querdenker und Gegendemo der Omas gegen rechts auf dem Frankfuter Roßmarkt (Foto: IMAGO,  imago images/Michael Schick)
Insbesondere ältere Männer gelten als besonders beratungsresistent, obwohl sie statistisch gesehen, am häufigsten schwere Verläufe von Covid-19 haben. imago images/Michael Schick

Mit Männern muss man anders kommunizieren

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen fordern daher, die Kommunikation über Covid 19 geschlechtsspezifisch auszurichten, um mehr Männer zu erreichen. Wie das geschehen soll, lassen sie offen.

Ob die Unterschiede mit erklären können, warum Männer häufig einen schwereren Covid-19-Verlauf erleiden, bleibt unklar. Dabei können Verhaltensweisen durchaus eine Rolle spielen. So rauchen Männer zum Beispiel häufiger und beschäftigen sich insgesamt weniger gern mit ihrer Gesundheit als Frauen.

Demo von Corona-Leugnern in Berlin (Archivfoto August 2020) (Foto: IMAGO, imago images/Jochen Eckel)
Eine Demo von Corona-Leugnern in Berlin (August 2020. Der Aluhut wurde zum Symbol für Anhänger von Verschwörungstheorien. imago images/Jochen Eckel
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