Corona-Mutante B1.1.7

Warum die sinkenden Corona-Zahlen trügerisch sind

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Seit einigen Wochen wird versucht, den neuen, ansteckenderen Corona-Varianten auf die Spur zu kommen. Die Infektionszahlen sinken. Doch eine Lockerung könnte jetzt gefährlich sein.

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Neue Coronavirus-Variante breitet sich aus

Um den neuen Corona-Varianten auf die Spur zu kommen, wurde eine sogenannte Sequenzierung durchgeführt. Dabei wird der genetische Code von Viren aus Corona-positiven Proben ausgelesen und auf Mutationen untersucht. Jetzt hat das Robert-Koch-Institut den ersten Bericht dieser Sequenzierungsaktion vorgelegt.

In dem Bericht gibt das RKI die Verbreitung der Variante B.1.1.7, die zuerst im Südosten Englands entdeckt wurde, mit 5,8 Prozent an. Allerdings weist der Bericht auch darauf hin, dass die Sequenzierung noch nicht richtig angelaufen ist. Letztendlich stehen dem RKI nur Stichproben zur Verfügung, deswegen sind diese knapp 6 Prozent nicht repräsentativ. Was man dem Bericht aber entnehmen kann ist, dass sich die Virusvariante im Januar definitiv schon weiterverbreitet hat - mehr als noch im Dezember. Sie breitet sich also weiter aus.

Corona-Variante B1.1.7 (Foto: imago images, IMAGO / Christian Ohde)
Das Robert-Koch-Institut hat einen ersten Bericht zur Sequenzierung der britischen Corona-Variante B1.1.7 in Deutschland veröffentlicht. IMAGO / Christian Ohde

Gute und schlechte Nachrichten

Es ist zwar gut, dass bisher nur ein geringer Teil der Infektionen der Variante zuzuschreiben sind, aber das kann sich schnell ändern. Der Südosten Englands, wo die Variante entdeckt wurde, ist praktisch überrannt worden. Innerhalb kurzer Zeit war die Variante für fast alle Neuinfektionen verantwortlich. Außerdem ist es tatsächlich eher bedenklich, dass sich die Variante ausbreitet, während die Zahlen zurückgehen. Das könnte bedeuten, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um die Variante in Schach zu halten. Es könnte irgendwann zu einem Kipppunkt kommen, an dem die Zahlen wieder ansteigen.

Eine Wissenschaftlerin steht an einer Sequenzierungsmaschine und erforscht neue Corona-Mutationen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Laut RKI-Bericht zur Sequenzierung der neuen Mutante B1.1.7 hat sich in Deutschland bisher eine Verbreitung von fast 6% gezeigt. Picture Alliance

Keine Lockerung in Sicht?

Ohne konkrete Pläne ist eine Lockerung noch nicht in Sicht. Expert:Innen empfehlen zum Beispiel, dass in Schulen ein rigoroses Testkonzept eingeführt wird. Alle Schüler:Innen und Lehrerkräfte müssten demnach regelmäßig getestet werden. Außerdem hat sich im Herbst bereits gezeigt, dass die 30er- und 50er-Inzidenzgrenze für die meisten Gesundheitsämter schon viel zu hoch angesetzt war. Gerade wenn sich ansteckendere Varianten verbreiten, müssen diese Grenzen deutlich gesenkt werden und strikte Maßnahmen erfolgen.

Schüler warten auf den Beginn eines freiwilligen Corona-Schnelltests (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Kahnert)
Ohne Plan keine Lockerung in Sicht: Experten fordern ein strenges Corona-Testkonzept für Schüler:Innen und Lehrer:Innen. picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Sebastian Kahnert

Suche nach neuen Corona-Mutationen läuft schleppend

Durch die Sequenzierung scheinen keine neuen Corona-Mutationen gefunden worden zu sein. Allerdings sind viele Daten, die in diesen Bericht geflossen sind, gar keine echten Sequenzierungsdaten, sondern sogenannte Punktmutationsanalysen. Das sind spezielle PCR-Tests, bei denen eine bereits bekannte Mutation nachgewiesen werden, aber keine neuen Mutationen entdeckt werden können. Das sogenannte "molekulare Surveillance", also das Sequenzieren und suchen nach Mutationen, war in Deutschland bisher nicht etabliert. Nun wird es dauern, bis das richtig angelaufen ist.

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