Corona-Hygiene

Geringe Ansteckungsgefahr durch Lebensmittel aus dem Ausland

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In Indien steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen. Sorgen bereitet auch die neue indische Virus-Mutante.Lebensmittel aus Indien und anderen Risikogebieten sind hingegen in der Regel unbedenklich.

Import nach Deutschland

Vorweg: So viel importiert Deutschland aus Indien gar nicht. Bei Frischobst sind es rund 25.000 Tonnen pro Jahr. Aus Italien und Spanien kommt mehr als zwanzigmal so viel. Lebensmittel kontaminiert mit einer ansteckenden Virusmutation würde natürlich niemand kaufen wollen. Dem Bundesinstitut für Risikobewertung ist allerdings bisher kein Fall bekannt, in dem sich jemand über Lebensmittel mit Corona infiziert hätte.

Jährlich werden 25.000 Tonnen Frischobst aus Indien nach Deutschland importiert.  (Foto: IMAGO, imago images/blickwinkel)
Jährlich werden 25.000 Tonnen Frischobst aus Indien nach Deutschland importiert. imago images/blickwinkel

Coronaviren benötigen einen lebenden Wirt

Angenommen, es gelangen tatsächlich Coronaviren auf eine frische indische Mango. Dann können die Viren sich dort nicht weiter vermehren, weil sie dafür einen lebenden Wirt brauchen, also einen Menschen oder ein Tier. Eigentlich ist die Frage nach den Lebensmitteln also sehr ähnlich zu der Frage: Wie lange ist das Virus auf Oberflächen infektiös? Und da wissen wir: Das ist sicher nicht der Hauptübertragungsweg, denn das Virus ist dort nach einiger Zeit nicht mehr stabil.

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Die indische Virusvariante verunsichert die Bevölkerung

Trotzdem gehen beim Bundesinstitut für Risikobewertung genau solche Fragen ein: Kann ich mich über frisches Obst anstecken, über Backwaren, über Fleisch? Stecken sich Hafenarbeiter und Mitarbeiter von Speditionen an, die Kontakt zu Importgütern haben? Nachdem die britische Virusvariante B 1.1.7 mittlerweile auch in Deutschland weit verbreitet ist, verunsichert die in Indien aufgetretene Virusvariante – und der Gedanke, sich damit über importierte Lebensmittel zu infizieren.

Die indische Virusvariante verunsichert und die Menschen haben Angst, sich über importierte Lebensmittel zu infizieren. (Foto: IMAGO, imago images/Hindustan Times)
Die indische Virusvariante verunsichert und die Menschen haben Angst, sich über importierte Lebensmittel zu infizieren. imago images/Hindustan Times

Risikoforscher Gerd Gigerenzer schätzt Lebensmittel-Infektion ein

Über die Angst der Menschen vor dem Coronavirus denkt auch der Risikoforscher Gerd Gigerenzer nach, und etwas daran scheint ihm bemerkenswert: "Wir haben im Moment Angst, durch das neue Virus zu sterben. Aber: Wir haben zugleich kaum Angst, durch die Dinge zu sterben, die – im Moment – wahrscheinlicher sind, dass sie uns umbringen. Zum Beispiel die normale Grippe", sagt Gigerenzer in einem Interview mit dem ZDF.

Das Beängstigende an einer Pandemie ist Gigerenzer zufolge, dass viele Menschen in einem kurzen Zeitraum ums Leben kommen könnten – ein "Schockrisiko" wie etwa auch bei einem Flugzeugabsturz. Ebenso viele Grippetote, aber über mehrere Monate verteilt, würden nur "schwer in uns Angst auslösen". Autofahren, Motorradfahren und Zigarettenrauchen machten kaum jemanden Angst, obwohl sie gefährlicher für den einzelnen seien.

Weil aber auch Gerd Gigerenzer keinesfalls bestreitet, dass von dem Coronavirus eine "reale Gefahr ausgeht", ist eine unverhältnismäßig vorsichtige Haltung besser, als die Pandemie zu ignorieren.

Obst und Gemüse aus dem Supermarkt

Für Lebensmittel wird empfohlen, wie sonst auch: Obst und Gemüse unter fließendem Wasser abzuspülen und nicht nass zu lagern. Desinfektionsmittel oder Seife braucht es weder für Lebensmittel noch für Verpackungen, sondern ausschließlich für die Hände.

Coronaviren auf einer Mango könnten sich nicht weiter vermehren, weil sie dafür einen lebenden Wirt brauchen. (Foto: IMAGO, imago images/ZUMA Wire)
Coronaviren auf einer Mango könnten sich nicht weiter vermehren, weil sie dafür einen lebenden Wirt brauchen. imago images/ZUMA Wire
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