Aufklärungskampagnen bringen wohl mehr als hupende Impfbusse auf Marktplätzen, sagt SWR-Wissenschaftsjournalist David Beck.  (Foto: Imago,  imago images/Einsatz-Report24)

#HierWirdGeimpft

Kommentar: Bundesweite Aktionswoche gegen Corona-Impfmüdigkeit startet

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Im Kampf gegen die Corona-Pandemie soll eine bundesweite Impfaktionswoche helfen. Neben dauerhaften Impfangeboten sollen zahlreiche kurzfristige Möglichkeiten, etwa in Bibliotheken oder Einkaufszentren die Impfbereitschaft erhöhen. Bringt das was? Ein Kommentar von David Beck aus der SWR Wissenschaftsredaktion:

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Im Fußballverein, auf dem Marktplatz oder im Impfbus – am 13. September startete die bundesweite Impfwoche unter dem Motto “Hier wird Geimpft”. In dieser Woche können alle interessierten Anbietern in Zusammenarbeit mit einem Arzt oder einer Ärztin, einer Apotheke oder einem Impfzentrum ein leicht zugängliches Impfangebot schaffen. So sollen für Nicht-Geimpfte einfache Gelegenheiten geschaffen werden, sich ihren Schutz abzuholen und die zuletzt stagnierende Impfquote nochmal anzuheben.

Impfaktionen (wie hier bei einem Eishockeyclub in Nürnberg) sollen Unentschlossene zur Corona-Impfung animieren.  (Foto: Imago, imago images/Zink)
Impfaktionen (wie hier bei einem Eishockeyclub in Nürnberg) sollen Unentschlossene zur Corona-Impfung animieren. Imago imago images/Zink

Überall-Impfaktion, keine Informationskampagne

“Besser spät als nie”, dachte ich, als ich von der Aktionswoche #HierWirdGeimpft erfahren habe. Endlich eine richtige Informationskampagne zum Impfen! Zwar mit Großbuchstaben im Hashtag, aber was solls. Dann ist mir aufgefallen, dass es gar keine Informationskampagne ist, sondern einfach eine Überall-Impfaktion.

Beim Einkaufen, Bummeln oder nach dem Training, sich ohne Termin schnell impfen lassen – das ist das Versprechen. Das einzige Versprechen. Solche Aktionen gab es schon zuhauf und sicher haben sie auch etwas gebracht: Ich erinnere mich an Bilder eines Astra-Zeneca-Impftags in der Freiburger Messe. Schon morgens war der Platz vor der Messehalle völlig überlaufen, die 1.400 Dosen waren innerhalb kürzester Zeit weg.

Eine Disko-Impf-Party auf dem Heilbronner Marktplatz soll besonders junge Leute doch noch zur Impfung animieren. (Foto: Imago, imago images/Einsatz-Report24)
Eine Disko-Impf-Party auf dem Heilbronner Marktplatz soll besonders junge Leute doch noch zur Impfung animieren. Imago imago images/Einsatz-Report24

Impfbusse auf dem Marktplatz bringen wohl wenig

Aber das war im Mai, als man sich als Impfwilliger noch Stunden mit der Terminsuche rumschlagen musste. Mittlerweile dauert es nur noch Minuten, bis der Termin gebucht ist.

Klar, bestimmt gibt es trotzdem noch Menschen, die dafür zu faul sind, aber Umfragen zufolge ist die Mehrheit der Ungeimpften mindestens skeptisch der Impfung gegenüber oder lehnt sie sogar ganz ab. Und diese Menschen lassen sich nicht, wenn der Impfbus auf dem Marktplatz lustig hupt, schnell impfen. Diese Menschen müssen überzeugt werden – mit einer Informationskampagne.

Ob sich durch Plakataktionen viele Menschen zur Corona-Impfung bewegen lassen, ist fraglich.  (Foto: Imago, imago images/HärtelPRESS)
Ob sich durch Plakataktionen viele Menschen zur Corona-Impfung bewegen lassen, ist fraglich. Imago imago images/HärtelPRESS

Misstrauen in die Impfstoffe in bestimmten Bevölkerungsgruppen

Und damit meine ich auch nicht das Plakat an der Bushaltestelle auf dem Otto-Normal-Bürger den Ärmel hochkrempeln oder das Impfbuch suchen – so wird keine Information vermittelt. Wir müssen die Gruppen ausmachen, die sich nicht impfen lassen und fragen warum nicht und dann schauen, wie wir diese Menschen erreichen. So vertrauen zum Beispiel viele Migranten der Wirksamkeit nicht oder glauben sogar, dass der Impfstoff gemacht wurde, um sie zu beseitigen.

Information soll Vertrauen in die Impfstoffe verbessern

In Zusammenarbeit mit Migrantenvereinen, interkulturellen Organisationen und Religionsgemeinschaften müssen diese Irrglauben aus der Welt geschaffen werden. Frauen mit Kinderwunsch haben häufig Angst um ihre Fruchtbarkeit. In Frauenarztpraxen müssen daher Informationsmaterialien ausliegen oder, noch besser, Menschen diese Information im Gespräch vermitteln.

Auch mit Informationsveranstaltungen dürfte man zukünftige Mütter gut erreichen: Eltern gehören wahrscheinlich zu der Gruppe mit dem größten Wissensdurst, was das Beste für ihre Kinder angeht – Autoren und Verleger von Elternratgebern haben das schon lange erkannt.

Viele Impfaktionen richten sich vor allem auch an jüngere Erwachsene. Impfaktion Heilbronn (Foto: Imago, imago images/Einsatz-Report24)
Viele Impfaktionen richten sich vor allem auch an jüngere Erwachsene. Imago imago images/Einsatz-Report24

Angst vor Unfruchtbarkeit weit verbreitet

Der Unfruchtbarkeits-Mythos ist aus meiner Sicht übrigens die perfideste Falschmeldung, die in der Corona-Zeit in die Welt gesetzt wurde: Für viele Frauen mit Kinderwunsch reicht schon das kleinste “Aber was, wenn es stimmt”, um jedes wissenschaftliche Argument zu entkräften. Deswegen braucht diese Gruppe sicher mehr Überzeugungsarbeit als andere – und, wie gesagt, mit dem hupenden Impfbus wird wahrscheinlich überhaupt nichts erreicht.

Die meisten Menschen in Deutschland sind bereits geimpft. Wir sehen, dass diese Menschen sehr gut vor dem Coronavirus geschützt sind, dass diese Menschen den Impfstoff in aller Regel gut vertragen und dass diese Menschen durch die Impfung immer mehr Normalität zurückgewinnen können. So gilt auch beim Impfen: Besser spät als nie.

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