Impfstofffläschchen (Foto: IMAGO, IMAGO / xUtexGrabowsky/photothek.netx)

Medizin

Corona-Impfung für Kleinkinder: Das empfiehlt die STIKO

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Nina Kunze
Leila Boucheligua
Lena Schmidt

Die STIKO empfiehlt Corona-Impfungen nun auch für Kinder von sechs Monaten bis vier Jahren in einer speziell definierten Risikogruppe. Eine allgemeine Impfempfehlung für Säuglinge und Kleinkinder will sie derzeit nicht aussprechen.

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Bereits Mitte Oktober 2022 hatte die EU-Arzneimittelbehörde EMA empfohlen, die Corona-Impfstoffe auch für Babys und Kleinkinder im Alter von sechs Monaten bis einschließlich vier Jahre zuzulassen.

Die Ständige Impfkommission STIKO folgt nun dem Rat der EMA und empfiehlt nun erstmals Corona-Impfungen für diese Altersgruppe. Allerdings gilt die Impf-Empfehlung der STIKO nur für Kinder aus Risikogruppen.

Für diese Kleinkinder wird eine Corona-Impfung empfohlen

Wie auch bei älteren Kindern und Erwachsenen spielen bei der Bewertung des Risikos einer schweren Covid-19-Erkrankung einige Vorerkrankungen eine entscheidende Rolle. Etwa zehn Prozent aller Kleinkinder zählen nach Aussage des STIKO-Mitglieds und Kinderarztes Martin Terhardt zu einer Risikogruppe. Während Asthma und Diabetes in dieser Altersgruppe eher weniger ins Gewicht fallen, seien Kinder mit Krankheiten, welche die Nerven oder Muskeln betreffen, besonders gefährdet, sagt der Kinderarzt.

Ärztin bringt bei einem Kind ein Pflaster nach der Impfung an. (Foto: IMAGO, IMAGO / Westend61)
Die STIKO empfiehlt Corona-Impfungen nun auch für Babys und Kinder von sechs Monaten bis einschließlich vier Jahren – wenn sie zur Risikogruppe gehören. IMAGO / Westend61

Das aktuelle Epidemiologische Bulletin des Robert Koch-Instituts enthält
eine Auflistung aller relevanten Grunderkrankungen von Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs Monaten bis 17 Jahren, die ein erhöhtes Risiko für schwere Covid-19-Verläufe haben. Die Impf-Empfehlung richtet sich zudem auch an Frühchen. Also Kinder, die früher als geplant auf die Welt gekommen sind.

Diese Covid-19-Impfstoffe werden empfohlen

Nicht alle der verfügbaren Covid-19-Impfstoffe sind für Kleinkinder zugelassen. Die Empfehlung der STIKO-Expertinnen und -Experten orientiert sich an der Empfehlung der EMA. Empfohlen wird eine Grundimmunisierung mit einem mRNA-Impfstoff. Vorzugsweise soll mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer – Comirnaty – geimpft werden, alternativ mit dem Impfstoff Spikevax von Moderna. Die STIKO setzt wegen Lieferproblemen bei Spikevax vorrangig auf Comirnaty.

Impstoff-Kandidaten für Kleinkinder sind nicht an Omikron angepasst

Beide Impfstoff-Kandidaten sind noch nicht an neue Varianten angepasst, sie basieren auf dem Wildtyp des Virus. Die STIKO sieht diesbezüglich kein Problem, da eine wesentlich bessere Schutzwirkung durch angepasste Impfstoffe bislang nicht belegt sei.

Der Impfstoff von BioNTech/Pfizer soll den Kindern in einer geringeren Dosis verabreicht werden als Erwachsenen. Sie erhalten nur ein Zehntel der Dosis, werden dafür jedoch dreimal geimpft. Wie das Science Media Center in einer Mitteilung angibt, sollen die ersten beiden Dosen in einem Abstand von drei Wochen verabreicht werden, mindestens acht Wochen nach der zweiten Dosis schließlich die dritte Dosis.

Impfstoff-Empfehlung könnte je nach Datenlage weiter angepasst werden

Die Empfehlung der STIKO könnte angepasst werden, wenn künftig mehr Daten aus Impfstudien verfügbar sind. Auch weitere Präparate von anderen Herstellern könnten dann in Frage kommen. Bislang richtet sich die STIKO-Empfehlung nur an Kleinkinder mit Vorerkrankungen. Für Kinder ohne Vorerkrankung besteht laut STIKO kaum die Gefahr eines schweren COVID-19-Verlaufs.

Das Immunsystem von Kleinkindern sei allerdings noch deutlich weniger ausgeprägt als das von Erwachsenen, erklärt der Kinderarzt Terhardt. Es könnte so ablaufen, wie es beispielsweise bei der Impf-Empfehlung für 12- bis 17-Jährige der Fall war: Zunächst gilt die Empfehlung für gefährdete Kinder, später dann für alle.

Gerade kleinere Kinder haben bei einer Corona-Infektion oft milde oder keine Symptome. Eine Ansteckung bleibt daher oft unbemerkt. (Foto: IMAGO, imago)
Gerade kleinere Kinder haben bei einer Corona-Infektion oft milde oder keine Symptome. Eine Ansteckung bleibt daher oft unbemerkt. imago

Unter diesen Voraussetzungen können Kinder ohne STIKO-Empfehlung geimpft werden

Wer sein Kind gegen Corona impfen lassen möchte, kann das in Absprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt tun. Grundsätzlich gibt es für Kinder von sechs Monaten bis unter fünf Jahren kein generelles Corona-Impf-Verbot.

Die zunächst eingeschränkte Impf-Empfehlung der STIKO bedeutet nicht, dass der Impfstoff für Kinder ohne Risikoerkrankung als schädlich eingestuft wird. Es handelt sich immer um eine individuelle Abwägung von Nutzen und Risiko durch die Eltern. Dr. Robin Kobbe, Facharzt für Kinder und Jugendmedizin, betont gegenüber tagesschau24, dass man das Risiko einer schweren Erkrankung, auch wenn es bereits sehr gering sei, durch eine Impfung zusätzlich senken könne.

Auch den Kinderärztinnen und -ärzten helfe die Empfehlung, erläutert der Facharzt. Zwar gilt die Impfung von Kleinkindern schon seit der EU-Zulassung Mitte Oktober nicht mehr als Off-Label Gebrauch – das wäre die Verwendung eines nicht zugelassenen Impfstoffs. Dennoch empfinden einige Ärztinnen und Ärzte eine Impfung erst dann nicht mehr als einen Off-Label-Gebrauch, wenn es eine Empfehlung der STIKO gibt.

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