STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Kann ich trotz Impfung andere infizieren? Was heißt das, dass ein Impfstoff "zu 95 Prozent wirksam" ist? Wie lange wirkt der Impfstoff? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

(Symbolfoto Corona-Impfung) Die Wirksamkeit der Impfstoffe wird nach strengen wissenschaftlichen Kriterien ermittelt.  (Foto: Imago, imago images/Alexander Limbach)
Die Wirksamkeit der Impfstoffe wird nach strengen wissenschaftlichen Kriterien ermittelt. Imago imago images/Alexander Limbach

Weshalb muss ich mich zweimal impfen lassen?

Die doppelte Impfung ist notwendig, um sicherzustellen, dass sich bei möglichst vielen Geimpften der bestmögliche Schutz gegen das Virus aufbaut. Die beiden Impfungen erfolgen im Abstand von drei Wochen (Biontech) bzw. vier Wochen (Moderna). Die erste Impfung mit einem der beiden Impfstoffe führt bereits dazu, dass die Hälfte der eigentlich zu erwartenden Covid-19-Erkrankungen vermieden werden kann. In der ersten Woche nach der zweiten Impfung steigt diese Rate noch weiter bis auf 95%. Der noch im Zulassungsverfahren befindliche Impfstoff von AstraZeneca zeigte in den Tests eine Wirksamkeit von ca. 70%.

Das amerikanische Unternehmen Johnson und Johnson versuchte bislang einen Impfstoff zu entwickeln, der nur einmal gespritzt werden muss. In der inzwischen angelaufenen Testreihe an 30.000 Personen wendet man aber nun doch ein Impfschema mit zwei Impfungen an. Die zweite Injektion erhält der zu Impfende allerdings erst nach acht Wochen. Für welches Impfschema, ein oder zwei Impfungen, Johnson und Johnson die Zulassung beantragen wird, müssen wir abwarten. Vielleicht kommt ja noch ein Impfstoff, von dem eine einzige Dosis zur Entfaltung des vollen Immun-Schutzschirms ausreicht.

Der Corona-Impfstoff wirkt besser, wenn er mit gewissem zeitlichen Abstand zweimal geimpft wird. (Foto: Imago, imago images/i Images)
Der Corona-Impfstoff wirkt besser, wenn er mit gewissem zeitlichen Abstand zweimal geimpft wird. Imago imago images/i Images

Wenn ich Corona hatte, nichts davon weiß und mich dann impfen lasse - ist das ein Problem? Oder wenn ich gerade erst infiziert wurde und noch gar nichts davon bemerke…

Diese Frage lässt sich klar beantworten: Falls jemand geimpft wird, der eine Covid-19-Erkrankung schon durchgemacht hat, ist die Impfung nicht schädlich. Im schlechtesten Fall gehört der Geimpfte zu den Wenigen, bei denen die Impfung nicht anschlägt – aber dann hat er oder sie ja trotzdem einen Immunschutz, weil die Erkrankung bereits überstanden wurde. Und im besten Fall kurbelt die Impfung das Immunsystem zusätzlich an und die Folge ist dann eben ein noch besserer, länger andauernder Immunschutz.

Eine Impfung bei jemanden, der gerade infiziert wurde, ohne davon zu wissen, kann bei der Abwehr des angreifenden Virus bereits ein wenig helfen, aber die Erkrankung nicht unbedingt verhindern. Denn der volle Schutz durch den Impfstoff baut sich bei allen Impfstoffen erst im Lauf von mehreren Wochen nach insgesamt zwei Impfungen auf.

Kann ich trotz Impfung noch ansteckend für andere sein? Muss ich nach der Impfung noch Mundschutz tragen?

Die Studien, die zu den bereits zugelassenen Impfstoffen von Biontech und Moderna vorliegen, zeigen klar, dass sie eine Erkrankung mit Covid-19 verhindern können. Das schließt aber nicht aus, dass ein Geimpfter das Virus trotz der Impfung in seinen Körper aufnimmt und damit für andere durchaus ansteckend sein kann. Man sagt dann, der Geimpfte sei lediglich „klinisch immun“.

„Sterile Immunität“ bedeutet dagegen, dass das Immunsystem alle Coronaviren im Körper vollständig eliminiert. Die geimpfte Person trägt das Virus dann nicht in sich und kann es folglich auch nicht weitergeben. Diese sterile Immunität ist aber bislang weder für den Biontech- noch für den Moderna-Impfstoff nachgewiesen. Deshalb sollten auch Geimpfte weiterhin einen Mundschutz tragen. Derzeit wird untersucht, wie groß das Risiko ist, dass auch Geimpfte das Virus noch aufnehmen und weitergeben können. Sollte es häufig zu Ansteckungen durch Geimpfte kommen , wird es schwerer, eine Herdenimmunität zu erreichen, bei der das Virus nicht mehr flächendeckend in der Bevölkerung zirkulieren kann.

Medizin Können Geimpfte das Coronavirus weiterverbreiten?

Die neuen Impfstoffe gelten als Hoffnungsschimmer, um die Corona-Pandemie möglichst schnell zu beenden. Doch was ist, wenn man trotz Impfung noch andere anstecken kann?  mehr...

Was bedeuten die Prozentangaben zur Wirksamkeit?

Die Zahlenangaben zur Wirksamkeit kommen so zustande: Die Teilnehmer an den Impftests werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe erhält den Impfstoff tatsächlich gespritzt, die andere jedoch nur ein Placebo, also eine unwirksame Lösung. Das alles geschieht doppelblind, soll heißen: Weder die Teilnehmer noch die Entwickler des Impfstoffs bekommen mitgeteilt, wer zur Placebo- und wer zur Impfstoffgruppe gehört.

Dann beginnt das Warten auf das Auftreten erster Krankheitsfälle unter den Teilnehmern. Sobald eine gewisse Anzahl an Erkrankungen aufgetreten ist, wird gezählt, wie viele der Erkrankten aus der Placebo-Gruppe stammen und wie viele davon in der Gruppe der Geimpften zu finden waren. Wenn dann 100 Erkrankten in der Placebogruppe nur 5 Covid-19-Fälle in der Impfgruppe gegenüberstehen, hat der Impfstoff 95 Menschen in der Impfgruppe vor der Krankheit geschützt. Sein Wirkungsgrad beträgt damit 95%.

Audio herunterladen (7,7 MB | MP3)

Wirkt der Impfstoff auch gegen mutierte Coronaviren?

Das Corona-Virus verändert sich ständig. Die Impfstoffentwickler von Biontech haben ihren Impfstoff während der Erprobungsphase an verschiedenen Mutanten erprobt. Er war in allen Fällen gleichermaßen wirksam. Mitte Dezember wurde erstmals auch über neue Varianten des Coronavirus in England und Südafrika berichtet, die aufgrund von Mutationen deutlich ansteckender sein sollen. Diese beiden mutierten Viren zeigen Veränderungen am sogenannten Spike-Protein. Dieses Protein ist der stachlige Aufsatz auf der Virushülle, mit dessen Hilfe das Virus in menschliche Zellen eindringen kann. Das Spike-Protein besteht aus 1270 Aminosäuren, die man als Bausteine dieses Proteins bezeichnen kann. Bei dem in England gefundenen Virus sind 9 dieser Bausteine verändert. Vom Unternehnmen Biontech gibt es die Information, dass sein Impfstoff auf alle 1270 ursprünglichen Bausteine des Virus angepasst und auch dann noch eine passende Immunantwort auslösen sollte, wenn lediglich neun davon verändert wurden. So schätzt jedenfalls Ugur Sahin, der Gründer von Biontech, die Wirksamkeit seines Impfstoffs ein.

Wie schnell lässt sich der Impfstoff an eine neue Virusvariante anpassen?

Sobald die Notwendigkeit erkannt wird, den Impfstoff nachzubessern, weil die Andockstelle am Virus durch Mutationen zu sehr von ihrer ursprünglichen Form abweicht, kann innerhalb von sechs Wochen ein neuer, nachgebesserter Impfstoff entwickelt werden. Die Zulassung des veränderten Impfstoffs könnte nach Auskunft des Pauk-Ehrlich-Instituts dann innerhalb kurzer Zeit erfolgen, da sich grundlegende Daten nicht ändern würden. Die Produktion umstellen benötigt ebenfalls etwas Zeit. Kurz gesagt: In der Praxis dürfte die Anpassung des Impfstoffes ungefähr ein Vierteljahr Zeit benötigen.

Wie hoch sind Wirkungsgrade von Impfstoffen normalerweise?

Im Fall der ersten zur Zulassung angemeldeten bzw.bereits zugelassenen Impfstoffe gegen Covid-19 wurde von Wirksamkeiten über 90% berichtet. Zum Vergleich: Bei Masern, Mumps und Röteln werden ebenfalls Werte über 90% erreicht, bei Masern sogar 98 bis 99%. Diese Impfstoffe sind damit sehr wirksam.

Bei der Grippeimpfung dagegen schwankt die Wirksamkeit von Jahr zu Jahr und kann auch mal bei nur 20% liegen. Aber: Bei der Grippe geht es nicht darum, das Influenzavirus aus der Bevölkerung zu verdrängen – dafür verändert es sich viel zu schnell. Es taucht jedes Jahr in neuer Gestalt auf. Um den Grippeimpfstoff jedes Jahr rechtzeitig zur Verfügung stellen zu können, muss man die Veränderung des Influenza-Virus im Voraus abschätzen und das gelingt nicht immer gleich gut. Daher der niedrige Wirkungsgrad der Grippeimpfung. Die Grippeimpfung hat daher lediglich das Ziel, so viel Menschen wie nur möglich durch einen Impfstoff zu schützen. Einen Herdenschutz zu erreichen, beim dem eine hohe Wirksamkeit des Impfstoffs im Zusammenspiel mit einer hohen Durchimpfung der Bevölkerung auch für den Schutz der Ungeimpften sorgt, ist bei der Grippe nicht möglich.

Wie lange hält die Wirkung der Impfung an?


Das ist noch unklar. Diese Frage lässt sich erst beantworten, wenn noch etwas Zeit vergangen ist. Die ersten Teilnehmer der großen Teststudien in der abschließenden Phase 3 der Impfstoffentwicklung wurden im Sommer geimpft, also erst vor wenigen Monaten. Das Unternehmen Biontech beispielsweise wird seine Testgruppen nun weitere zwei Jahre beobachten. Andere Impfstoffentwickler werden das ähnlich halten. Man hofft, dass der Schutz mindestens diese zwei Jahre anhält, wenn es gut geht auch deutlich länger.

Stuttgart, Mainz, Berlin

COVID-19: Impfungen im Südwesten Corona-Impfen: Aktuelle Zahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

In Deutschland haben die Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Als erstes werden vor allem ältere Menschen und Pflegepersonal geimpft. Hier finden Sie alle Impfzahlen.  mehr...

Kann es also sein, dass es bei mir gar nicht anschlägt?

Ja, es kann sein, dass es nicht klappt mit der Immunisierung durch die Impfung. Die Wirksamkeit der Impfstoffe ist aber sehr hoch, so dass nur bei wenigen Prozent der Geimpften die Wirkung ausbleiben wird. Doch es geht bei der Impfung ja nicht nur darum, sich selbst zu schützen. Wenn sich sehr viele Menschen impfen lassen, dann tritt der Effekt der Herdenimmunität ein. Der Erreger findet zu selten neue, noch nicht geimpfte Personen, um sich unkontrollierbar weiter ausbreiten zu können. Zu einzelnen, regional begrenzten Corona-Ausbrüchen kann es dann aber immer noch kommen.

Um einen Herdenschutz schnell zu erreichen ist es wichtig, dass sich in kurzer Zeit viele Personen mit einem hochwirksamen Impfstoff impfen lassen. Ein Impfstoff, der bei mehr als 90% der Geimpften anschlägt, eignet sich dafür sehr gut. Die Herdenimmunität in der Gemeinschaft schützt den Einzelnen, bei dem die Impfung vielleicht nicht angeschlagen hat, ähnlich gut wie eine erfolgreiche Impfung. Das Paul-Ehrlich-Institut schätzt, dass in Deutschland 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sein müssen, um Herdenimmunität gegen das Sars-Cov2-Virus zu erreichen. Erforscht werden muss aber noch, inwieweit auch Geimpfte weiterhin in der Lage sind, das Virus weiterzugeben. Sollte das in großem Maßstab der Fall sein, wäre die Herdenimmunität, wenn überhaupt, erst bei einer höheren Impfrate in der Bevölkerung zu erreichen.

Für eine sogenannte Herdenimmunität müssen sich genügend Menschen gegen das neue Coronavirus impfen lassen. (Symbolbild) (Foto: Imago, imago images/MiS)
Für eine sogenannte Herdenimmunität müssen sich genügend Menschen gegen das neue Coronavirus impfen lassen. Imago imago images/MiS

Welche Nebenwirkungen kann eine Impfung haben?

An der Einstichstelle kann es zur Rötung, Schwellung und auch leichten Schmerzen kommen. Auch Müdigkeit, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen in den ersten drei Tagen nach der Impfung zählen zu den Nebenwirkungen, die nach Impfungen grundsätzlich auftreten können. Denn beim Ankurbeln des Immunsystems macht der Körper keinen Unterschied zwischen einem echten Infekt und dem durch Impfung nur „vorgetäuschtem“ Infekt. Deshalb entsprechen manche Nebenwirkungen den Symptomen eines leichten Infekts.

Eine schwere Nebenwirkung von Impfungen kann ein anaphylaktischer Schock sein. Das ist eine massive allergische Reaktion des gesamten Körpers, die lebensbedrohlich verlaufen kann und die direkt in den Minuten nach der Impfung einsetzt. Deshalb bleiben Geimpfte nach der Impfung auch noch für einige Minuten unter Beobachtung durch medizinisches Personal, das im Notfall ein Gegenmittel spritzen kann. Beim Einsatz des Biontech-Impfstoffs in Großbritannien und in den USA wurde in den ersten Tagen bei ca. 200.000 Impfungen in vier Fällen von solchen Anaphylaxien berichtet. Drei der vier Personen hatten bereits bei anderen Gelegenheiten solche Schocks erlitten. Menschen, die zu schweren allergischen Reaktionen neigen, sollten sich deshalb vor der Impfung im Impfzentrum beraten lassen.

Sehr seltene Nebenwirkungen werden sich in den Statistiken erst zeigen können, wenn mehrere Millionen Menschen geimpft wurden. Auch Spätfolgen der Impfung müssen sich, wenn es sie denn gibt, erst noch zeigen. Denn die Probanden der wichtigen dritten und letzten Testphase des Biontech- und des Moderna-Impfstoffs wurden bisher erst wenige Monate nachbeobachtet.

Wie bei anderen Impfungen, können bei der Corona-Impfung Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden.  (Foto: Imago, imago images/ULMER Pressebildagentur)
Wie bei anderen Impfungen, können bei der Corona-Impfung Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden. Imago imago images/ULMER Pressebildagentur

Reagiere ich durch die Corona-Impfung stärker auf andere Virusinfektionen?

Theoretisch ist es möglich, dass sich durch eine Impfung sogenannte unerwünschte infektionsverstärkende Antikörper bilden. Das Paul-Ehrlich-Institut gibt an, das sei ein „theoretisches Risiko“ und erforscht deshalb die Corona-Impfstoffkandidaten genau unter dieser Fragestellung. Auch die Impfstoffentwickler selbst müssen dazu Untersuchungen durchführen. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass durch die Impfung eine Infektion mit einem anderen Virus verstärkt wird – weder im Tierversuch, noch bei geimpften Personen, so das Paul-Ehrlich-Institut. Bislang wurden auch bei anderen mRNA-Impfstoffkandidaten für andere Infektionskrankheiten keine solchen infektionsverstärkenden Antikörper beobachtet.

Wie sehr wird der Körper von der Impfung beeinträchtigt? Bedeutet "mRNA-Impfstoff", dass wir gentechnisch veränderten Impfstoff gespritzt bekommen und unsere DNA verändert wird?

Nein, unser Erbgut wird vom Impfstoff nicht verändert. Der mRNA-Impfstoff funktioniert so: mRNA steht für „messenger RNA“ und dieser Begriff beschreibt genau die Aufgabe, die mRNA-Moleküle in Körperzellen haben. Sie sind die Nachrichtenboten im Zellinnern. Die mRNA schwimmt in der Zellflüssigkeit zu jenen Zellbestandteilen, die dafür zuständig sind, Eiweiße zu produzieren und teilt diesen mit, welche Proteine sie genau herstellen sollen.

mRNA-Impfstoffe sind künstlich hergestellte Botschaften, welche die Zelle dazu bringen, jene Teile des Virus zu produzieren, mit denen das Immunsystem schon mal beginnen kann, sich auf die Abwehr des Virus einzustellen. Wenn dann ein komplettes Virus auftaucht, ist das Immunsystem durch das Training an den zuvor hergestellten Virusteilen schon auf Zack und verhindert den Ausbruch der Covid-19-Erkrankung. Oder sorgt zumindest für einen deutlich leichteren Verlauf als bei Ungeimpften.

Die mRNA-Moleküle bleiben auch nicht auf Dauer in der Zelle, sondern bauen sich innerhalb weniger Tage wieder ab. Genau so, wie es auch vom Körper selbst hergestellte RNA tut. Unser Erbgut, die DNA, ist dagegen sehr stabil.

Medizin Wie riskant ist die Corona-Impfung für schwerkranke Hochbetagte?

Die Meldung von 23 Todesfällen in Norwegen bei schwerkranken, sehr alten Menschen nach Corona-Impfung sorgt für Aufregung. Zu Recht? Eine Einschätzung von Ulrike Till.  mehr...

Sollen auch Kinder gegen das neue Coronavirus geimpft werden?

Kinder zu impfen ist erstmal nicht geplant, weil der Impfstoff in erster Linie die schützen soll, die am schwersten an Covid-19 erkranken können. Das sind vor allem ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen. Kinder und Jugendliche gehören ganz pauschal nicht zur Risikogruppe. Denn sie leiden in der Regel nicht besonders stark unter Covid-19 und viele von ihnen bemerken gar nicht, dass sie angesteckt wurden.

Dazu kommt, dass Impfstofftests an Kindern noch viel strengeren Regeln unterliegen als solche an Erwachsenen. Unter anderem, weil das Immunsystem von Kindern und Jugendlichen noch nicht ausgereift ist. Das heißt, es wird immer zunächst an Erwachsenen getestet und erst zum Schluss an Kindern. Der Impfstoff wird daher auch zuerst für Erwachsene zugelassen. Es laufen jetzt aber Studien von Biontech und Moderna mit Kindern ab zwölf Jahren an.

Für Kinder, die zur Hoch-Risikogruppe gehören - wie zum Beispiel mehrfach behinderte Kinder und Kinder mit wirklich schweren chronischen Erkrankungen - könnte es Ausnahmen geben. Unter strenger Risikoabwägung ist es möglich, dass Ärzte bei diesen besonders gefährdeten Kindern einen Off-Label-Use - also eine Impfung ohne Zulassung für Kinder – vornehmen.

Wege aus der Pandemie Darum werden Kinder zunächst nicht gegen Corona geimpft

Ein Corona-Impfstoff scheint in greifbarer Nähe. Doch die Impfung gegen Covid -19 wird es zunächst vermutlich nur für Erwachsene geben. Kinder zu impfen ist erstmal nicht geplant.  mehr...

Kann mit den jetzt zur Verfügung stehenden Impfstoffen überhaupt ein Herdenschutzeffekt ausgelöst werden?

Herdenschutz meint ja, dass Menschen, die nicht geimpft werden können oder wollen, trotzdem indirekt dadurch geschützt sind, dass es bereits viele Geimpfte gibt. Bei einer hohen Durchimpfung der Bevölkerung kann sich nämlich ein Virus gar nicht mehr groß ausbreiten, weil seine Chancen schlecht stehen, den nächsten ungeimpften Überträger rechtzeitig zu finden, bevor es vom Immunsystem seines aktuellen Trägers zerstört wird.

Der jetzt zur Verfügung stehende erste Corona-Impfstoff verhindert aber leider zunächst mal nur, dass ein Geimpfter an Covid-19 erkrankt. Er kann sich aber trotzdem mit dem Virus infizieren und es auch weitergeben. Wenn aber die Weitergabe des Virus durch Geimpfte immer noch möglich ist, dann taugt der Impfstoff natürlich nicht ideal für den Aufbau der Herdenimmunität.

Das ist ein Problem, das die Impfstoffentwickler durchaus im Blick haben. Sie hoffen zunächst, dass Menschen, die trotz Impfung das Virus in sich tragen, nicht so infektiös sind wie Ungeimpfte. Die Impfstoffentwicklung wird aber weiter voranschreiten und es werden später möglicherweise Seren zur Verfügung stehen, die die Ausbreitung des Virus im Körper vollständig unterbinden und damit verhindern, dass Geimpfte noch zu Überträgern des Virus werden können.

Eine hohe Durchimpfung der Bevölkerung vorausgesetzt, ermöglichen solche Impfstoffe dann den bestmöglichen Herdenschutz für all jene, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können oder sich nicht impfen lassen wollen.

Wenn das Virus zwar ansteckender wird, aber keinen schwereren Krankeitsverlauf auslöst - weshalb ist das dann trotzdem ein Problem?

Das Coronavirus hat sich seit seinem ersten Auftauchen zwar unablässig verändert – aber nicht so sehr, dass man von einem neuen Virenstamm reden könnte, der dann ein anderes, noch gefährlicheres Krankheitsbild auslösen würde. Und das Virus hatte sich bislang kaum an den Stellen seines Bauplans verändert, an denen die Impfstoffe ansetzen werden.

Allerdings deutet vieles darauf hin, dass es mutierte Varianten gibt, die ansteckender sind als das ursprüngliche Virus. Diese Viren lösen zwar kein schwereres Krankheitsbild aus, können aber mehr Menschen gleichzeitig infizieren. Sie verursachen damit einen Anstieg der zeitgleich in den Krankenhäusern zu versorgenden schweren Covid-19-Fälle, was wiederum zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen kann,

Ansteckender zu sein bietet dem Virus außerdem den Vorteil, an noch mehr Menschen zeitgleich austesten zu können, mit welchen nächsten Mutationen es noch eine weitere Stufe ansteckender werden kann.

Ein Teufelskreis aus höherer Ansteckungsrate, dadurch höherem Mutationserfolg und dadurch wiederum höherer Ansteckungsrate usw. Ein Teufelskreis, der dazu führt, dass die Infektionszahlen und die Todesfallzahlen immer weiter ansteigen. Um diese verhängnisvolle Spirale zu unterbinden, gibt es, solange nicht große Teile der Bevölkerung geimpft sind, nur ein Mittel. Und das ist die Kontaktminimierung.

Weihnachtsshopping in Leipzig - Eine Herdenimmunität gegen das neue Coronavirus kann nur dann erreicht werden, wenn sich möglichst viele Menschen impfen lassen und diese dann auch nicht mehr andere anstecken können. (Foto: Imago, imago images/foto-leipzig.de)
Eine Herdenimmunität gegen das neue Coronavirus kann nur dann erreicht werden, wenn sich möglichst viele Menschen impfen lassen und diese dann auch nicht mehr andere anstecken können. Imago imago images/foto-leipzig.de

Wie schütze ich mich? Wie ist die Lage in meinem Heimatort? Coronavirus: Alles Wichtige für Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg

Coronavirus: Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr? Wie kann ich mich schützen? Hier finden Sie alles Wichtige für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG