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Kann ich trotz Impfung andere infizieren? Was heißt es, dass ein Impfstoff "zu 95 Prozent wirksam" ist? Wie lange wirkt der Impfstoff? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

(Symbolfoto Corona-Impfung) Die Wirksamkeit der Impfstoffe wird nach strengen wissenschaftlichen Kriterien ermittelt.  (Foto: Imago, imago images/Alexander Limbach)
Die Wirksamkeit der Impfstoffe wird nach strengen wissenschaftlichen Kriterien ermittelt. Imago imago images/Alexander Limbach

Weshalb muss ich mich zweimal impfen lassen?

Die doppelte Impfung ist notwendig, um sicherzustellen, dass sich bei möglichst vielen Geimpften der bestmögliche Schutz gegen das Virus aufbaut. Die zweite Impfung erfolgt nach drei Wochen (Biontech/Pfizer) bzw. vier Wochen (Moderna) oder im Fall von Astrazeneca nach neun bis zwölf Wochen.

Die erste Impfung mit einem der Impfstoffe von Biontech oder Moderna führt bereits dazu, dass die Hälfte der eigentlich zu erwartenden Covid-19-Erkrankungen vermieden werden kann. In der ersten Woche nach der zweiten Impfung steigt diese Rate noch weiter bis auf 95 Prozent.

Das Mittel von Astrazeneca zeigte in den Tests eine Wirksamkeit von circa 60 Prozent. Allerdings handelt es sich dabei um einen konservativen Wert. Abhängig von Dosierung und Zeitpunkt der zweiten Impfung könnte der Wert deutlich höher liegen. Erste Daten dazu liegen bereits vor, müssen aber noch von anderen Wissenschaftler:innen überprüft werden. Schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle verhindert auch der Impfstoff von Astrazeneca ähnlich gut, wie die mRNA-Impfstoffe.

Das belgische Unternehmen Janssen, das zum amerikanischen Unternehmen Johnson und Johnson gehört, hat einen Impfstoff entwickelt, der nur einmal gespritzt werden muss. Der Impfstoff ist auch in der EU zugelassen, allerdings wurden die ersten Lieferungen verschoben, bis geklärt ist, ob der Impfstoff – wie auch der Vektorimpfstoff von Astrazeneca – gefährliche Sinusthrombosen im Gehirn auslösen kann.

Die meisten bisher verfügbaren Corona-Impfstoffe wirken besser, wenn sie mit gewissem zeitlichen Abstand zweimal verabreicht werden. (Foto: Imago, imago images/i Images)
Die meisten bisher verfügbaren Corona-Impfstoffe wirken besser, wenn sie mit gewissem zeitlichen Abstand zweimal verabreicht werden. Imago imago images/i Images

Wenn ich Corona hatte, nichts davon weiß und mich dann impfen lasse – ist das ein Problem? Oder wenn ich gerade erst infiziert wurde und noch gar nichts davon bemerke…

Diese Frage lässt sich klar beantworten: Falls jemand geimpft wird, der eine Covid-19-Erkrankung schon durchgemacht hat, ist die Impfung nicht schädlich. Im schlimmsten Fall könnten etwas stärkere Impfreaktionen, wie Grippe-ähnliche Symptome, auftreten. Im besten Fall wird die Immunität noch verstärkt.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt aber Menschen, die bereits laborbestätigt mit dem Coronavirus infiziert waren, zunächst für sechs bis acht Monate nicht zu impfen. Das liege nach Ansicht der Stiko aber nicht daran, dass das gefährlich sein könnte, sondern daran dass nach wie vor ein Impfstoffmangel herrscht und Genesene schon über eine Immunität verfügen.

Eine Impfung bei jemanden, der gerade infiziert wurde, ohne davon zu wissen, kann bei der Abwehr des angreifenden Virus bereits ein wenig helfen, aber die Erkrankung nicht unbedingt verhindern. Denn der volle Schutz durch den Impfstoff baut sich bei allen Impfstoffen erst im Lauf von mehreren Wochen nach insgesamt zwei Impfungen auf.

Kann ich trotz Impfung noch ansteckend für andere sein? Muss ich nach der Impfung noch einen Mundschutz tragen?

Die Studien, die zu den bereits zugelassenen Impfstoffen von Biontech und Moderna vorliegen, zeigen klar, dass sie eine Erkrankung mit Covid-19 verhindern können. Das schließt aber nicht aus, dass ein Geimpfter das Virus trotz der Impfung in seinen Körper aufnimmt und damit für andere durchaus ansteckend sein kann. Man sagt dann, der Geimpfte sei lediglich „klinisch immun“.

„Sterile Immunität“ bedeutet dagegen, dass das Immunsystem alle Coronaviren im Körper vollständig eliminiert. Die geimpfte Person trägt das Virus dann nicht in sich und kann es folglich auch nicht weitergeben.

Für den Impfstoff von Biontech habe laut Medienberichten eine noch unveröffentlichte israelische Studie kürzlich gezeigt, dass das Mittel auch die Weitergabe von SARS-CoV-2 deutlich verringern kann. Demnach kann der Impfstoff eine Übertragung des Virus zu 89,4 Prozent verhindern – asymptomatische Fälle miteinbezogen.

Für die anderen Impfstoffe ist eine sterile Immunität aber noch gar nicht nachgewiesen. Deshalb sollten auch Geimpfte weiterhin einen Mundschutz tragen. Sollte es noch häufig zu Ansteckungen durch Geimpfte kommen , wird es schwerer, eine Herdenimmunität zu erreichen, bei der das Virus nicht mehr flächendeckend in der Bevölkerung zirkulieren kann.

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Was bedeuten die Prozentangaben zur Wirksamkeit?

Die Zahlenangaben zur Wirksamkeit kommen so zustande: Die Teilnehmer an den Impftests werden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe erhält den Impfstoff tatsächlich gespritzt, die andere jedoch nur ein Placebo, also eine unwirksame Lösung. Das alles geschieht doppelblind, soll heißen: Weder die Teilnehmer noch die Studienleiter wissen, wer zur Placebo- und wer zur Impfstoffgruppe gehört.

Dann beginnt das Warten auf das Auftreten erster Krankheitsfälle unter den Teilnehmern. Sobald eine gewisse Anzahl an Erkrankungen aufgetreten ist, wird "entblindet" – das heißt es wird gezählt, wie viele der Erkrankten aus der Placebo-Gruppe stammen und wie viele davon in der Gruppe der Geimpften zu finden waren. Wenn dann 100 Erkrankte in der Placebogruppe nur 5 Covid-19-Fälle in der Impfgruppe gegenüberstehen, hat der Impfstoff offensichtlich 95 Menschen in der Impfgruppe vor der Krankheit geschützt. Sein Wirkungsgrad beträgt damit 95%.

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Wirkt der Impfstoff auch gegen mutierte Coronaviren?

Das Coronavirus verändert sich ständig. Die Impfstoffentwickler von Biontech haben ihren Impfstoff während der Erprobungsphase an verschiedenen Mutanten erprobt. Er war in allen Fällen gleichermaßen wirksam.

Mitte Dezember wurde erstmals auch über neue Varianten des Coronavirus in England und Südafrika berichtet, die aufgrund von Mutationen deutlich ansteckender sein sollen. Diese beiden mutierten Viren zeigen Veränderungen am sogenannten Spike-Protein. Dieses Protein ist der stachlige Aufsatz auf der Virushülle, mit dessen Hilfe das Virus in menschliche Zellen eindringen kann.

Die Wirksamkeit des Biontech-Impfstoffs ist gegen die Variante B.1.1.7, die zuerst in England beobachtet wurde, wohl nahezu unverändert. Das wurde anhand von Blutproben von 16 Proband:innen getestet. Zur Mutante B.1.351, die in Südafrika entdeckt wurde, liegen noch keine Daten von Menschen vor. Laut Biontech-Chef Uğur Şahin weisen erste Labordaten aber darauf hin, dass der Impfschutz gegen diese Variante abgeschwächt ist.

Laut einer Pressemitteilung von Moderna scheint deren Impfstoff ebenfalls sehr gut gegen B.1.1.7 zu wirken. Gegen B.1.351 fällt der Schutz laut Labortests wohl deutlich geringer aus. Laut der Firma sei der Impfschutz aber dennoch ausreichend.

Das Mittel von AstraZeneca soll ebenfalls gut gegen B.1.1.7 wirken. Was B.1.351 angeht, sieht es zwar so aus, als ob milde Krankheitsverläufe kaum verhindert werden können. Allerdings war die Studie klein und Erkenntnisse zu schweren Verläufen gibt es noch gar nicht. Laut Experten gibt es keinen Grund zur Annahme, dass die nicht mehr verhindert werden können. Da bedarf es noch weiterer Forschung.

Wie schnell lässt sich der Impfstoff an eine neue Virusvariante anpassen?

Noch helfen die Impfstoffe zumindest teilweise gegen aufkommende Varianten. Sobald die Notwendigkeit erkannt wird, den Impfstoff nachzubessern, könne laut Expert:innen für mRNA-Mittel (wie von Biontech und Moderna) innerhalb von sechs Wochen ein neuer, nachgebesserter Impfstoff entwickelt werden.

Hinzu kommt aber noch die Umstellung der Produktion sowie die Zulassung. Die könnte bei einem veränderten Impfstoff nach Auskunft des Paul-Ehrlich-Instituts innerhalb kürzerer Zeit erfolgen, da sich grundlegende Daten nicht ändern würden. Wie lange der Zulassungsprozess genau dauert und welche konkreten Anforderungen an einen umgestellten Impfstoff gestellt werden, wird derzeit diskutiert.

Bei Vektor-Impfstoffen wie etwa dem von AstraZeneca könnte der Prozess länger dauern. Die Firma kündigte jüngst eine neue Impfstoff-Generation für den Herbst an, die besser vor Varianten schützen soll.

Wie hoch sind Wirkungsgrade von Impfstoffen normalerweise?

Im Fall der ersten beiden in der EU zugelassenen Impfstoffe gegen Covid-19 wurde von Wirksamkeiten über 90% berichtet. Zum Vergleich: Bei Masern, Mumps und Röteln werden ebenfalls Werte über 90% erreicht, bei Masern sogar 98 bis 99%. Diese Impfstoffe sind damit sehr wirksam.

Bei der Grippeimpfung dagegen schwankt die Wirksamkeit von Jahr zu Jahr und kann auch mal bei nur 20% liegen. Aber: Bei der Grippe geht es nicht darum, das Influenzavirus aus der Bevölkerung zu verdrängen – dafür verändert es sich viel zu schnell. Es taucht jedes Jahr in neuer Gestalt auf. Um den Grippeimpfstoff jedes Jahr rechtzeitig zur Verfügung stellen zu können, muss man die Veränderung des Influenza-Virus im Voraus abschätzen und das gelingt nicht immer gleich gut. Daher der niedrige Wirkungsgrad der Grippeimpfung.

Die Grippeimpfung hat daher lediglich das Ziel, so viel Menschen wie nur möglich durch einen Impfstoff zu schützen. Einen Herdenschutz zu erreichen, bei dem eine hohe Wirksamkeit des Impfstoffs im Zusammenspiel mit einer hohen Durchimpfung der Bevölkerung auch für den Schutz der Ungeimpften sorgt, ist bei der Grippe nicht möglich. Ob oder wann das für Covid-19 möglich sein, muss sich erst noch zeigen.

Wie lange hält die Wirkung der Impfung an?

Das ist noch unklar. Diese Frage lässt sich erst beantworten, wenn noch etwas Zeit vergangen ist. Die ersten Teilnehmenden der großen Teststudien in der abschließenden Phase 3 der Impfstoffentwicklung wurden im Sommer geimpft, also erst vor weniger als einem Jahr. Das Unternehmen Biontech beispielsweise wird seine Testgruppen nun noch weitere knappe zwei Jahre beobachten. Andere Impfstoffentwickler werden das ähnlich halten. Man hofft, dass der Schutz mindestens diese zwei Jahre anhält, wenn es gut geht, aber auch deutlich länger.

Ersten Beobachtungen aus der noch andauernden Phase 3-Studie von Moderna zufolge, hält der Impfstoff des US-amerikanischen Pharmaunternehmens aber mindestens sechs Monate. Ähnliches berichtet auch Biontech von seinem Impfstoff.

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Kann es sein, dass es bei mir gar nicht anschlägt?

Ja, es kann sein, dass es nicht (ganz) klappt mit der Immunisierung durch die Impfung. Die Wirksamkeit der Impfstoffe ist aber sehr hoch, so dass nur bei wenigen Prozent der Geimpften die Wirkung ausbleiben wird. Zumindest vor schweren Verläufen schützen aber alle bisher zugelassenen Mittel sehr, sehr gut.

Bei der Impfung geht es aber auch nicht nur darum, sich selbst zu schützen. Wenn sich sehr viele Menschen impfen lassen, dann tritt der Effekt der Herdenimmunität ein. Der Erreger findet zu selten neue, noch nicht geimpfte Personen, um sich unkontrollierbar weiter ausbreiten zu können. Zu einzelnen, regional begrenzten Corona-Ausbrüchen kann es dann aber immer noch kommen.

Um einen Herdenschutz schnell zu erreichen ist es wichtig, dass sich in kurzer Zeit viele Personen mit einem möglichst hochwirksamen Impfstoff impfen lassen. Die Herdenimmunität in der Gemeinschaft schützt den Einzelnen, bei dem die Impfung vielleicht nicht angeschlagen hat, ähnlich gut wie eine erfolgreiche Impfung.

Das Paul-Ehrlich-Institut schätzt, dass in Deutschland mindestens 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sein müssen, um Herdenimmunität gegen das Sars-Cov2-Virus zu erreichen. Erforscht werden muss aber noch, inwieweit auch Geimpfte weiterhin in der Lage sind, das Virus weiterzugeben. Sollte das in großem Maßstab der Fall sein, wäre die Herdenimmunität, wenn überhaupt, erst bei einer höheren Impfrate in der Bevölkerung zu erreichen.

Für eine sogenannte Herdenimmunität müssen sich genügend Menschen gegen das neue Coronavirus impfen lassen. (Symbolbild) (Foto: Imago, imago images/MiS)
Für eine sogenannte Herdenimmunität müssen sich genügend Menschen gegen das neue Coronavirus impfen lassen. Imago imago images/MiS

Welche Nebenwirkungen kann eine Impfung haben?

An der Einstichstelle kann es zur Rötung, Schwellung und auch leichten Schmerzen kommen. Auch Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit sowie Schüttelfrost und gelegentlich Fieber zählen zu den Nebenwirkungen, die in den ersten drei Tagen nach der Impfung auftreten können. Denn beim Ankurbeln des Immunsystems macht der Körper keinen Unterschied zwischen einem echten Infekt und dem durch Impfung nur „vorgetäuschtem“. Deshalb entsprechen manche Nebenwirkungen den Symptomen eines leichten Infekts.

Eine schwere Nebenwirkung von Impfungen kann ein anaphylaktischer Schock sein. Das ist eine massive allergische Reaktion des gesamten Körpers, die lebensbedrohlich verlaufen kann und die direkt in den Minuten nach der Impfung einsetzt. Deshalb bleiben Geimpfte nach der Impfung auch noch für einige Minuten unter Beobachtung durch medizinisches Personal, das im Notfall ein Gegenmittel spritzen kann. Beim Einsatz des Biontech-Impfstoffs in Großbritannien und in den USA wurde in den ersten Tagen bei ca. 200.000 Impfungen in vier Fällen von solchen Anaphylaxien berichtet. Drei der vier Personen hatten bereits bei anderen Gelegenheiten solche Schocks erlitten. Menschen, die zu schweren allergischen Reaktionen neigen, sollten sich deshalb vor der Impfung im Impfzentrum beraten lassen.

Bei dem Impfstoff von Astrazeneca scheinen Thrombosen, speziell Sinusthrombosen im Gehirn, eine sehr seltene Nebenwirkung zu sein. Sehr seltene Nebenwirkungen treten bei weniger als einer von 100.000 behandelten Personen auf. Sollte sich ein von Andreas Greinacher der Uni Greifswald vorgeschlagener Mechanismus zur Entstehung dieser Thrombosen bestätigen, dann wären diese mit einer bereits bekannten Therapie behandelbar.

Auch bei dem Vektorimpfstoff von Johnson & Johnson könnte es in sehr seltenen Fällen zu solchen Sinusthrombosen kommen. Das wird derzeit in den USA untersucht. Bis das geklärt ist wird der Impfstoff in den USA nicht weiter eingesetzt.

Andere sehr seltene Nebenwirkungen werden sich in den Statistiken erst zeigen können, wenn mehrere Millionen Menschen geimpft wurden. Auch Spätfolgen der Impfung müssen sich, wenn es sie denn gibt, erst noch zeigen. Allerdings werden Impfstoff im Körper recht schnell wieder abgebaut. Daher sind späte unerwünschte Nebenwirkungen, die erst nach Monaten oder gar Jahren auftreten, nicht zu erwarten.

Wie bei anderen Impfungen, können bei der Corona-Impfung Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden.  (Foto: Imago, imago images/ULMER Pressebildagentur)
Wie bei anderen Impfungen, können bei der Corona-Impfung Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden. Imago imago images/ULMER Pressebildagentur

Reagiere ich durch die Corona-Impfung stärker auf andere Virusinfektionen?

Theoretisch ist es möglich, dass sich durch eine Impfung sogenannte unerwünschte infektionsverstärkende Antikörper bilden. Das Paul-Ehrlich-Institut gibt an, das sei ein „theoretisches Risiko“ und erforscht deshalb die Corona-Impfstoffkandidaten genau unter dieser Fragestellung. Auch die Impfstoffentwickler selbst müssen dazu Untersuchungen durchführen. Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass durch die Impfung eine Infektion mit einem anderen Virus verstärkt wird – weder im Tierversuch, noch bei geimpften Personen, so das Paul-Ehrlich-Institut. Bislang wurden auch bei anderen mRNA-Impfstoffkandidaten für andere Infektionskrankheiten keine solchen infektionsverstärkenden Antikörper beobachtet.

Wie sehr wird der Körper von der Impfung beeinträchtigt? Bedeutet ein "mRNA-Impfstoff", dass wir gentechnisch veränderten Impfstoff gespritzt bekommen und unsere DNA verändert wird?

Nein, unser Erbgut wird vom Impfstoff nicht verändert. Der mRNA-Impfstoff funktioniert so: mRNA steht für „messenger RNA“ und dieser Begriff beschreibt genau die Aufgabe, die mRNA-Moleküle in Körperzellen haben. Sie sind die Nachrichtenboten im Zellinnern. Die mRNA schwimmt in der Zellflüssigkeit zu jenen Zellbestandteilen, die dafür zuständig sind, Eiweiße zu produzieren und teilt diesen mit, welche Proteine sie genau herstellen sollen.

mRNA-Impfstoffe sind also künstlich hergestellte Botschaften, welche die Zelle dazu bringen, jene Teile des Virus zu produzieren, mit denen sich das Immunsystem auf die spätere Abwehr des echten Virus einstellen kann. Wenn dann ein komplettes Coronavirus auftaucht, ist das Immunsystem durch das Training an den zuvor hergestellten Virusteilen schon auf Zack und verhindert den Ausbruch der Covid-19-Erkrankung. Oder sorgt zumindest für einen deutlich leichteren Verlauf als bei Ungeimpften.

Die mRNA-Moleküle dringen außerdem nicht in den Zellkern vor und sie bleiben auch nicht auf Dauer in der Zelle, sondern bauen sich innerhalb weniger Tage wieder ab. Genau so, wie es auch vom Körper selbst hergestellte RNA tut.

Beim Impfstoff von AstraZeneca wird dagegen ein Teil der Coronavirus-DNA verimpft. Damit diese zu mRNA umgeschrieben werden kann, muss sie in unsere Zellkerne gelangen. Aber auch hier halten es Expert:innen für sehr unwahrscheinlich, dass die Coronavirus-DNA in unsere eigene integriert werden könnte.

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Sollen auch Kinder gegen das neue Coronavirus geimpft werden?

Impfstofftests an Kindern unterliegen noch viel strengeren Regeln als solche an Erwachsenen. Unter anderem, weil das Immunsystem von Kindern und Jugendlichen noch nicht ausgereift ist. Das heißt, es wird immer zunächst an Erwachsenen getestet und erst zum Schluss an Kindern. Der Impfstoff wurde daher auch zuerst für Erwachsene zugelassen. Es laufen mittlerweile aber Studien von Biontech und Moderna mit Kindern ab zwölf Jahren. Astrazeneca plant eine Studie mit Kindern ab sechs Jahren und auch Biontech will bald an Kindern unter zwölf Jahren testen.

Erste Ergebnisse von Biontech und Pfizer scheinen darauf hinzuweisen, dass der Impfstoff aus Mainz bei Jugendlichen zwischen zwölf und 15 Jahren sogar noch besser wirkt, als bei Erwachsenen. Allerdings werden die Studien an Kindern und Jugendlichen aus ethischen Gründen anders durchgeführt als an Erwachsenen. Deswegen sind die Daten nicht gut vergleichbar. Aus den Ergebnissen wird aber klar: Der Impfstoff ist auch bei Jugendlichen hochwirksam.

Für Kinder, die zur Hoch-Risikogruppe gehören – wie zum Beispiel mehrfach behinderte Kinder und Kinder mit wirklich schweren chronischen Erkrankungen – könnte es Ausnahmen geben. Unter strenger Risikoabwägung ist es möglich, dass Ärzte bei diesen besonders gefährdeten Kindern einen Off-Label-Use – also eine Impfung ohne Zulassung für Kinder – vornehmen.

Davon abgesehen gehören die meisten Kinder und Jugendliche aber zu keiner Risikogruppe. Sie leiden in der Regel nicht besonders stark unter Covid-19 und viele von ihnen bemerken gar nicht, dass sie angesteckt wurden.

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Kann mit den jetzt zur Verfügung stehenden Impfstoffen überhaupt ein Herdenschutzeffekt ausgelöst werden?

Herdenschutz meint ja, dass Menschen, die nicht geimpft werden können oder wollen, trotzdem indirekt dadurch geschützt sind, dass es bereits viele Geimpfte gibt. Bei einer hohen Immunisierung der Bevölkerung kann sich nämlich ein Virus gar nicht mehr groß ausbreiten, weil seine Chancen schlecht stehen, den nächsten ungeimpften Überträger rechtzeitig zu finden, bevor es vom Immunsystem seines aktuellen Trägers zerstört wird.

Für den Impfstoff von Biontech habe laut Medienberichten eine noch unveröffentlichte israelische Studie kürzlich gezeigt, dass das Mittel auch die Weitergabe von SARS-CoV-2 deutlich verringern kann. Demnach kann der Impfstoff eine Übertragung des Virus zu 89,4 Prozent verhindern – asymptomatische Fälle miteinbezogen. Das heißt: Mit diesem Impfstoff kann eine Herdenimmunität erreicht werden. Eine hohe Immunisierung der Bevölkerung vorausgesetzt, ermöglichen solche Impfstoffe dann den bestmöglichen Herdenschutz für all jene, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können oder sich nicht impfen lassen wollen.

Bei den anderen Impfstoffen ist diese Frage noch nicht geklärt. Wenn die Weitergabe des Virus durch Geimpfte immer noch möglich ist, dann taugt der Impfstoff natürlich nicht ideal für den Aufbau einer Herdenimmunität. Das ist ein Problem, das die Impfstoffentwickler durchaus im Blick haben. Sie hoffen aber, dass Menschen, die das Virus eventuell trotz Impfung in sich tragen, zumindest nicht so infektiös sind wie Ungeimpfte.

Ansteckendere Varianten, Impfstoffe, die weniger wirksam sind als erhofft und eine geringe Impfbereitschaft könnten aber auch dazu führen, dass ein Herdenschutz nie erreicht wird. Trotzdem werden die Neuinfektionszahlen durch die Impfungen deutlich zurückgehen. In Ländern mit hohen Impfquoten, wie Israel, den USA oder dem Vereinigten Königreich, ist das schon zu beobachten.

Wenn das Virus zwar ansteckender wird, aber keinen schwereren Krankeitsverlauf auslöst – weshalb ist das dann trotzdem ein Problem?

Eine Infektion mit der britische Coronavirus-Variante B.1.1.7 ist zwar nicht per se tödlicher als eine mit dem herkömmlichen Virus, aber die Mutante ist ansteckender. Das heißt: Diese Viren lösen zwar kein schwereres Krankheitsbild aus, können aber mehr Menschen gleichzeitig infizieren. Sie verursachen damit einen Anstieg der zeitgleich in den Krankenhäusern zu versorgenden schweren Covid-19-Fälle. Und das kann wiederum zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen.

Ansteckender zu sein bietet dem Virus außerdem den Vorteil, an noch mehr Menschen zeitgleich austesten zu können, mit welchen nächsten Mutationen es noch eine weitere Stufe ansteckender werden kann. Ein Teufelskreis aus höherer Ansteckungsrate, dadurch höherem Mutationserfolg und dadurch wiederum höherer Ansteckungsrate usw. Das führt dazu, dass die Infektionszahlen und die Todesfallzahlen immer weiter ansteigen. Somit ist die Virusvariante also letztlich doch tödlicher.

Um diese verhängnisvolle Spirale zu unterbinden, gibt es, solange nicht große Teile der Bevölkerung geimpft sind, nur ein Mittel: die Kontaktminimierung.

Weihnachtsshopping in Leipzig - Eine Herdenimmunität gegen das neue Coronavirus kann nur dann erreicht werden, wenn sich möglichst viele Menschen impfen lassen und diese dann auch nicht mehr andere anstecken können. (Foto: Imago, imago images/foto-leipzig.de)
Eine Herdenimmunität gegen das neue Coronavirus kann nur dann erreicht werden, wenn sich möglichst viele Menschen impfen lassen und diese dann auch nicht mehr andere anstecken können. Imago imago images/foto-leipzig.de

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