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In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz öffnen die Schwimmbäder. Nicht alle – und unter Auflagen. Doch wie sieht es im Wasser und auf der Liegewiese mit dem Infektionsrisiko aus?

Sommer ist Freibadzeit. Auch in Baden-Württemberg geht es wieder los. Am kommenden Dienstag starten die Schwimmkurse, fünf Tage später der Breitensport. In Rheinland-Pfalz durften Freibäder schon seit dem 27. Mai wieder öffnen, Hallenbäder ab dem 10. Juni. Dabei gibt es aber einiges zu beachten: 

Auch in Schwimmbädern müssen Anti-Corona-Maßnahmen eingehalten werden. Aber: Gibt es hier überhaupt ein erhöhtes Infektionsrisiko für Covid-19? Und wenn ja, wo? 

Keine erhöhte Gefahr im Schwimmbecken

Georg-Christian Zinn, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, winkt ab. Das neuartige Coronavirus könne übers Schwimmbadwasser nicht übertragen werden – zum Beispiel wegen des Chlors im Wasser.

Georg-Christian Zinn, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, hält die Möglichkeit einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus im Wasser für äußerst gering. (Foto: SWR)
Georg-Christian Zinn, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin, hält die Möglichkeit einer Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus im Wasser für äußerst gering.

Das ist ein sehr bewährtes und auch ganz genau reglementiertes Desinfektionsverfahren, was ja genau dazu dient, dass man keine Infektionsrisiken hat – ob das Bakterien oder Viren sind. Und der zweite Punkt ist: Wir haben in einem Schwimmbad einen immensen Verdünnungseffekt.

Also selbst wenn da jemand Viren im Speichel hat und den Speichel in das Wasser abgibt, dann verdünnt sich das so sehr, dass ich selbst wenn ich einen Schluck Wasser trinke, extrem wenig Viren aufnehme. Das heißt, das Infektionsrisiko ist sehr, sehr gering.

Georg-Christian Zinn, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin

Dieser Meinung ist auch der Arzt und SWR Journalist Lothar Zimmermann. Die Gefahr, sich im Wasser anzustecken, sei "praktisch null", so Zimmermann.

Worauf muss ich achten? 

Genaue gesetzliche Regelungen für die Wiedereröffnung gibt es in Baden-Württemberg zwar noch nicht. Aber die Schwimmbadbetreiber sind schon vorab kreativ geworden und haben sich vorbereitet. So wie Oliver Sternagel von den Karlsruher Bädern. Die Maßnahmen sollen schon vor der Anreise beginnen:

Oliver Sternagel zeigt, wie in den Karlsruher Bädern im 50 Meter-Becken nur jeder zweite Startblock aufgemacht wird. (Foto: SWR)
Oliver Sternagel zeigt, wie in den Karlsruher Bädern im 50 Meter-Becken nur jeder zweite Startblock aufgemacht wird. Im Idealfall sollen alle im Kreis schwimmen und die Abstände entsprechend einhalten. 

Auf jeden Fall erstmal in einem unserer Zeitfenster ein Ticket buchen, online, dann hierher kommen, Abstand wahren, 1,50 m, Online-Ticket an der Kasse zeigen und dann das Bad betreten und auch da: Immer wieder Abstand und Hygiene. 

 Oliver Sternagel, Geschäftsführer Karlsruher Bäder 

Schwimmbäder müssen strenge Corona Regeln einhalten

Ein größeres Infektionsrisiko kann es zum Beispiel beim Anstehen an der Kasse geben. Aber auch im Umkleidebereich und natürlich auf den Liegewiesen. Deshalb gelten die Kontaktbeschränkungen und der Mindestabstand von 1,5 Metern auch in Freibädern. Diese Regeln sollen sowohl im Wasser als auch im Bereich des Eingangs, in den Umkleiden und auf den Liegen eingehalten werden. Schwimmbäder werden daher dazu angehalten, die Besucherzahl zu begrenzen.

Innenduschen und Umkleidekabinen sind gesperrt

So gibt es zum Beispiel im Karlsruher Sonnenbad nur noch „Einbahnstraßen“. In den Toilettenbereich darf immer nur eine Person. Die Duschen und Umkleidebereiche sind gesperrt. Umziehen müssen sich die Gäste auf der Wiese und auch duschen geht nur noch draußen. 

Natürlich werden wir auch versuchen, unsere Rutschen und Attraktionen in Betrieb zu nehmen. Auch da: Sicherheitsabstand 2 Meter. Wenn das nicht klappt, werden wir auch sukzessive oder ruckzuck die Anlagen wieder außer Betrieb nehmen. 

Oliver Sternagel, Geschäftsführer Karlsruher Bäder 
Coronaviren und andere Erreger werden in gechlortem Wasser normalerweise abgetötet. Die Gefahr lauert eher bei zu geringem Abstand im Becken, beim Plantschen oder außerhalb des Beckens. (Foto: Imago, imago images/Westend61)
Coronaviren und andere Erreger werden in gechlortem Wasser normalerweise abgetötet. Die Gefahr lauert eher bei zu geringem Abstand im Becken, beim Plantschen oder außerhalb des Beckens. Imago imago images/Westend61

Ansteckungsgefahr für Covid-19 im Spielbecken?

Möglicherweise lauert eine der größten Ansteckungsgefahren im wilden Plantschen und Herumbalgen der Kinder, sagt auch Georg-Christian Zinn: 

Wo wir tatsächlich – zumindest theoretisch – ein Infektionsrisiko mit Aerosolen sehen, ist – und das haben wir alle als Teenies oder als Kinder gemacht – wenn gebalgt wird. Wie man das so sagt. Ich nehme Wasser in den Mund und spritz das meinem Gegenüber rüber oder so. Da könnte es zumindest theoretisch ein Infektionsrisiko geben. 

Dr. med. Georg-Christian Zinn, Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin  

Deshalb gelten die Abstandsregeln auch im Wasser. In den Karlsruher Bädern wird in den 50 Meter-Becken nur jeder zweite Startblock aufgemacht. Im Idealfall sollen so alle im Kreis schwimmen und die Abstände entsprechend einhalten. 

Ein Schild soll den Badegästen zeigen, wie es richtig geht. Am besten klappt es, wenn alle im Kreis schwimmen und die Abstände entsprechend einhalten.  (Foto: SWR)
Ein Schild soll den Badegästen zeigen, wie es richtig geht. Am besten klappt es, wenn alle im Kreis schwimmen und die Abstände entsprechend einhalten. 

Ansteckungsrisiko ist auch in Hallenbädern nicht erhöht

Das Ansteckungsrisiko ist auch in Hallenbädern nicht größer als in anderen Räumen, solange die Hygieneregeln eingehalten werden. Einen Unterschied zum Freibad gibt es aber schon. Hallenbäder geschlossene Räume. Das bedeutet, wenn dort ein Infizierter hustet, können die Aerosole relativ lange herumschweben. Im Freibad wird das durch die Frischluft und den Wind rasch verdünnt.

Auch Baggerseen können wieder öffnen

In natürlichen Gewässern gibt es zwar kein Chlor, das das Virus abtötet. Aber die Virusmenge wird umso stärker verdünnt. Solange sich nicht zu viele Menschen tummeln, ist die Infektionsgefahr also auch hier gering. Und selbst in naturnahen Schwimmbecken gibt es laut Experten kein höheres Risiko als an Land. 

in natürlichen Gewässern wie Baggerseen gibt es zwar kein Chlor, das das Virus abtötet. Aber die Virusmenge wird umso stärker verdünnt. Die Ansteckungsgefahr über das Wasser ist sehr gering.  (Foto: SWR)
in natürlichen Gewässern wie Baggerseen gibt es zwar kein Chlor, das das Virus abtötet. Aber die Virusmenge wird umso stärker verdünnt. Die Ansteckungsgefahr über das Wasser ist sehr gering.

Jede Kommune entscheidet selbst, ob sie einen See zum Baden freigibt

Aber auch für das Baden in Flüssen oder Seen gelten die jeweils länderspezifischen Vorschriften, die in der jeweiligen Kommune vielleicht noch einmal anders gehandhabt werden. Im Zweifelsfall also lieber bei den zuständigen Behörden vor Ort erkundigen.

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