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Die Forscher haben die beiden Klonaffen medienwirksam Zhong Zhong und Hua Hua genannt - Zhonghua heißt so viel wie „chinesische Nation“.

Eineiige Makaken-Zwillinge aus dem Labor Chinesische Forscher klonen erstmals Affen

Wissenschaftlich ist es ein Durchbruch, ethisch höchst umstritten: Mehr als zwanzig Jahre nach dem Klonschaf Dolly haben Forscher nun auch eine nicht-humane Primatenart geklont. Das Ergebnis sind zwei genetisch identische Makaken. Solche Klonaffen sollen künftig Tierversuche aussagekräftiger machen. SWR-Medizin-Redakteurin Ulrike Till hat Zweifel.

Die Fotos zeigen zwei noch junge Langschwanzmakaken – auch Javaneraffen genannt. Die Forscher haben sie medienwirksam Zhong Zhong und Hua Hua genannt - Zhonghua heiße so viel wie „chinesische Nation“. Die beiden Affen sind genetisch identisch.

Zwar war schon 1999 ein Labor-Affe auf die Welt gekommen, der dieselben genetischen Informationen besaß wie ein Artgenosse. Das Klontier war jedoch aus der einfachen Teilung der befruchteten Eizelle im Labor hervorgegangen – kurz: es wurden damals künstliche Zwillinge gezeugt. Das jetzt angewandte Verfahren würde es dagegen erlauben, eines Tages Klone in Serie zu erschaffen. Die Forscher haben die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Cell“ publiziert.

Das walisische Bergschaf Dolly war das erste geklonte Säugetier

Das walisische Bergschaf Dolly war das erste geklonte Säugetier

Gleiche Methode wie bei „Dolly“

Es ist die gleiche Methode, mit der vor 22 Jahren schon das Klonschaf Dolly erzeugt wurde: Die Forscher entnahmen weiblichen Tieren Eizellen und entfernten daraus das Erbgut. Anschließend übertrugen sie in diese Eizellen das komplette Erbgut eines Spendertieres und setzten die Eizelle dann einer Leihmutter ein, die den Klon austrug.

Die Wissenschaftler um Qiang Sun mussten das Verfahren nur etwas verfeinern, denn mit der „Dolly-Methode“ ließen sich zwar auch schon Kühe, Schweine und Hunde klonen – bisher jedoch keine Affen. Es gelang erst durch einen zusätzlichen Zwischenschritt. Konkret wurde die „Verpackung“ der DNA vor dem Einsetzen noch einmal modifiziert.

Die Forscher entnahmen weiblichen Tieren Eizellen und entfernten daraus das Erbgut.

Die Forscher entnahmen weiblichen Tieren Eizellen und entfernten daraus das Erbgut.

Hoher Einsatz

Der Aufwand war allerdings enorm, und die Erfolgsquote unterm Strich niedrig. Denn insgesamt haben die chinesischen Wissenschaftler mehr als dreihundert Embryonen hergestellt. In die Eizellen haben sie dabei sowohl Erbgut aus rund hundert fötalen als auch aus zweihundert adulten Zellen eingesetzt. Das Klonen mit den adulten Zellen hat dabei nicht funktioniert.

42 Leihmuttertiere wurden schließlich benötigt. Am Ende kam es gerade mal zu sechs Schwangerschaften, die zu vier Geburten führten – von denen wiederum nur zwei Affen überlebten. Befürchtungen, dass nach den Affen bald Menschen geklont werden könnten, erscheinen vor dem Hintergrund dieser vielen Fehlversuche utopisch.

Primaten Klonen (Fortsetzung)

Anschließend übertrugen die Forscher in diese Eizellen das komplette Erbgut eines Spendertieres und setzten die Eizelle einer Leihmutter ein, die den Klon austrug.

Ziel: Affen für Tierversuche

Das erklärte Ziel der Forscher ist es vielmehr, Tierexperimente an Affen aussagekräftiger zu machen – und so die Zahl der Versuchsaffen sogar zu reduzieren. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua betont den wissenschaftlichen Nutzen: Die Hoffnung auf Durchbrüche in der Medizin-Forschung steige nun. Mitverantwortet hat das Klon-Experiment Pu Mu Ming von der chinesischen Akademie der Wissenschaften. Im Staatsfernsehen sagte er: 

„Viele Medikamenten-Tests, die wir mit Mäusen machen, lassen sich nicht einfach auf Menschen übertragen. Beim Menschen können andere Nebenwirkungen auftreten, weil der Organismus von Mäusen sich eben zu sehr unterscheidet vom menschlichen. Primaten hingegen sind näher dran am Menschen. Mit Affen lässt sich zum Beispiel das menschliche Nervensystem besser erforschen. Deswegen ist das Ganze wichtig.“

Standardisierte Tierversuche mit geklonten Tieren

„Javaneraffen sind die am häufigsten in Tierversuchen eingesetzte Affenart und kommen insbesondere bei der Sicherheits- und Wirksamkeitsprüfung von neu entwickelten Medikamenten zum Einsatz“, erklärt der Direktor des Deutschen Primatenzentrums, Prof. Stefan Treue. Makaken werden immer wieder in Tierversuchen eingesetzt, da sie dem Menschen schon ähnlicher sind als andere Säugetiere – die ethischen Hürden sind jedoch niedriger als bei Menschenaffen.

Mit genetisch identischen Affen könnten sich Versuchsbedingungen standardisieren lassen, man würde weniger Versuchstiere benötigen, um zu aussagekräftigen Ergebnissen zu kommen.

"Das Argument mit den Tierversuchen zieht nicht!"

Diesem möglichen Vorteil stehen jedoch gravierende Nachteile gegenüber, sagt SWR-Medizin-Redakteurin Ulrike Till: "Um auch nur einen einzigen gesunden Affenklon zu erzeugen, müssen den chinesischen Daten zufolge im Schnitt mindestens zehn Affenweibchen die belastende Prozedur einer künstlichen Befruchtung über sich ergehen lassen – inklusive möglicher Komplikationen bei der Schwangerschaft. Von missgebildeten Klonbabies und deren Leid ganz zu schweigen. Ich finde die Vorstellung von Klonaffen zu Forschungszwecken ausgesprochen unheimlich – und ethisch nicht zu rechtfertigen."

Reaktionen aus Deutschland

Deutsche Wissenschaftler bewerten den Versuch zwar als technischen Durchbruch, bewerten ihn aber auch kritisch – aus verschiedenen Gründen. Für Stefan Treue ist noch nicht klar, ob die geklonten Affen wirklich dauerhaft gesund bleiben. „Die zwei geklonten Affen sind noch sehr jung. Die Erfahrungen seit Dolly zeigen, dass das Klonen bei einigen Tierarten nicht ohne Folgeschäden bleibt.“ Das Schaf Dolly ist seinerzeit frühzeitig gealtert und jung gestorben. Andere Klontiere wurden übermäßig groß oder hatten Fehlbildungen.

In Europa ist die Forschung an Affen strenger geregelt als in China. Forschungen an Affen sind nur zulässig, wenn sich die Erkenntnisse nicht mit anderen Tierarten gewinnen lassen. Experimente an Affen finden deshalb meist in Zusammenhang mit Immun- oder Hirnerkrankungen statt – weil das Immunsystem und die Gehirne anderer Versuchstiere für viele Fragen sich von denen des Menschen zu stark unterscheiden.

Demo gegen Tierversuche in TÜbingen

In Deutschland ist die Forschung an Affen bis heute sehr umstritten. In Tübingen wurde die Forschung mit Primaten als Versuchstieren nach zahlreichen Protesten eingestellt.

Internationale Wissenschaftler sind bei der Bewertung des Klonversuchs noch zurückhaltend und mahnen: Zum einen müsse man die chinesischen Studienergebnisse erst mal im Detail ansehen und nachvollziehen, zum anderen werden ethische Fragen aufgeworfen. Schließlich scheint nun auch das Klonen von Menschen plötzlich möglich.

Ethische Fragen

Der Theologe Prof. Peter Dabrock – er ist auch Vorsitzender des Deutschen Ethikrates – sieht das Klon-Experiment kritisch. Die Namensgebung der Affen spiele mit dem Nationalstolz. „Man wird – gerade wenn man die Versuche im Kontext weiterer chinesischer Aktivitäten zu Keimbahninterventionen betrachtet – den Verdacht nicht los, dass in China eine umfängliche Strategie gefahren wird, die genetischen Grundlagen menschlichen Lebens zu bearbeiten.

Dabrock fürchtet, dass die Versuche fundamentalen Tierversuchsgegnern in die Hände spielen. „Selbst wenn man Tierversuche an manchen Primaten, beispielsweise in der AIDS-Forschung, am Ende für unumgänglich hält, stellen sich massive ethische Rückfragen: Mussten diese Versuche tatsächlich schon an Javaneraffen durchgeführt werden? War die Methodenpräzisierung bei Nagern oder anderen Tieren schon so weit gediehen, dass auf Primaten zurückgegriffen werden musste?“

Ähnliche Befürchtungen hat auch Prof. Stefan Schlatt, Direktor des Centrums für Reproduktionsmedizin am Universitätsklinikum Münster. Er fürchtet, „dass eine kritische Diskussion über eine Anwendung beim Menschen sicherlich eher befeuert als beruhigt werde.“ Dabei zeige die Studie im Kern, dass bei Primaten die vollständige Reprogrammierung des Erbguts deutlich schwieriger ist als bei anderen Tierarten. Das sieht auch Pu Mu Ming so, der leitende Forscher von der chinesischen Akademie der Wissenschaften: „Jetzt gibt es beim Klonen von Primaten keine Hürden mehr. Und theoretisch gilt: Wenn wir Affen klonen können, können wir auch Menschen klonen. Dafür sehen wir allerdings keine Notwendigkeit. Auch ethische Fragen verbieten uns das.“

Der Klonaffe Hua Hua

Der Klonaffe Hua Hua