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Neue Studie zum Cannabis-Konsum Kiffer haben häufiger Psychosen

Von Ulrike Till

Schon lange gibt es Hinweise darauf, dass Cannabis vermutlich Psychosen auslösen kann – jetzt liefert eine große britische Studie dafür neue Belege: Wer täglich kifft, hat ein dreimal so hohes Risiko für Psychosen wie Menschen, die kein Cannabis konsumieren. Bei hochdosiertem Cannabis ist die Psychose-Gefahr sogar fünfmal so hoch.

Auf den ersten Blick scheinen die Ergebnisse eindeutig: Täglicher Cannabiskonsum gefährdet die geistige Gesundheit. Und je mehr von dem berauschenden Wirkstoff THC im Cannabis steckt, desto größer ist das Risiko: nämlich fünf mal höher als bei Menschen, die gar nicht kiffen. Das zeigen die Daten von 900 psychiatrischen Patienten in verschiedenen Ländern Europas.

Veränderter Hirnstoffwechsel durch Cannabis?

Zum Vergleich haben die Forscher Aussagen einer gesunden Kontrollgruppe mit mehr als 1000 Probanden herangezogen. Es gibt allerdings einen entscheidenden Haken: Löst häufiger Konsum von hochdosiertem Cannabis tatsächlich Psychosen aus?

Denkbar ist auch ein umgekehrter Zusammenhang: Menschen mit einer Veranlagung für Psychosen sind möglicherweise gerade wegen ihres veränderten Hirnstoffwechsels besonders anfällig für Suchtmittel wie Cannabis. Dafür gibt es Anhaltspunkte aus genetischen Studien. Die Frage nach Ursache und Wirkung lässt sich also auch mit den jüngsten Daten nicht endgültig beantworten.

5:55 min | Do, 7.4.2016 | 22:00 Uhr | odysso - Wissen im SWR | SWR Fernsehen

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So gefährlich ist Cannabis wirklich

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Cannabis gilt als relativ harmlose Droge - zumindest für Erwachsene, die hin und wieder ein Joint rauchen. Jugendlichen kann Kiffen dagegen ziemlich auf Gemüt und Gehirn schlagen.

Cannabis - der Gehalt an psychoaktivem THC steigt

Dennoch zeigt die aktuelle Studie in „Lancet Psychiatrie“, dass Cannabis alles andere als harmlos ist. Den Autoren macht vor allem der steigende THC-Gehalt in Teilen Europas Sorgen: In den Niederlanden stecken in manchen Cannabis-Sorten mehr als 60 Prozent THC, ab zehn Prozent gelten Hanfprodukte als hochdosiert.

Forscher warnen vor Legalisierung von Cannabis

Rund die Hälfte aller Psychosen in Amsterdam geht laut den britischen Forschern auf das Konto dieser extrem potenten Cannabissorten. In Deutschland stecken im Schnitt rund 14 Prozent THC in Hasch oder Hanfblüten – viel weniger als in Holland, aber deutlich mehr als früher. Mehrere deutsche Suchtforscher nehmen die aktuelle Studie zum Anlass, vor einer Legalisierung von Cannabis zu warnen. Besonders die Risiken intensiven Konsums für Teenager und junge Erwachsene seien noch viel zu wenig erforscht.

Jugendlicher reicht einer Gleichaltrigen einen Joint.

Der Konsum von Cannabis ist gerade in der jüngeren Generation sehr verbreitet.

Cannabidiol kann Psychosen entgegenwirken

Über Nutzen und Risiken von medizinischem Cannabis sagen die jüngsten Daten übrigens nichts aus; der Schwerpunkt lag auf Freizeitkiffern. Doch auch Cannabisblüten aus der Apotheke können je nach Sorte viel oder wenig THC enthalten. Einen zweiten zentralen Wirkstoff in Cannabisprodukten haben die britischen Forscher leider gar nicht miteinbezogen: Cannabidiol. Diese Substanz soll Psychosen entgegenwirken können. Es wäre also spannend zu untersuchen, ob sich damit hohe THC-Dosierungen möglicherweise neutralisieren lassen.