Bruce Willis beendet seine Karriere. Er leidet unter Aphasie. (Foto: IMAGO, imago images/Prod.DB)

Folge eines Schlaganfalls?

Aphasie: Bruce Willis hat Probleme beim Sprechen

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Stefan Troendle
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Ralf Kölbel

Hollywood-Legende Bruce Willis beendet seine Schauspiel-Karriere wegen einer Sprachstörung, einer sogenannten Aphasie. Wie entsteht eine solche Aphasie und kann man dagegen etwas tun?

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Als Aphasie bezeichnet man eine Sprachstörung oder auch einen kompletten Sprachverlust, der durch eine Schädigung des Gehirns ausgelöst wird, vor allem durch eine Schädigung der linken Großhirnseite oder der Hirnrinde. Dabei sind die Betroffenen aber völlig klar, das heißt, es handelt sich nicht um eine Denkstörung und damit auch nicht um eine geistige Behinderung.

Aphasien werden meist durch Schlaganfälle ausgelöst

Die meisten Aphasien, etwa 80 Prozent, werden durch Schlaganfälle ausgelöst. Nach Auskunft des Selbsthilfeverbandes Aphasie e.V. erleiden bei Schlaganfällen etwa 40 Prozent aller Patientinnen und Patienten eine Aphasie. Im Fall von Bruce Willis hat die Familie die Krankheitsursache nicht mitgeteilt, aber bekanntgegeben, dass der Schauspiel-Star gesundheitliche Probleme hatte.

Aphasie wird in den meisten Fällen durch einen Schlaganfall ausgelöst. (Foto: IMAGO,  imago images/Ikon Images)
Aphasie wird in den meisten Fällen durch einen Schlaganfall ausgelöst. Bei einem Schlaganfall ist die Durchblutung im Gehirn gestört. Es kann auch zu Hirnblutungen kommen. imago images/Ikon Images

Aphasien können auch durch Unfälle oder Hirntumore ausgelöst werden

Da Willis bis vor kurzem noch vor der Kamera stand, also fit war, könnte es sich bei der Krankheitsursache um einen plötzlichen Schlaganfall handeln. Weitere mögliche Auslöser für Aphasien sind Schädel-Hirn-Verletzungen zum Beispiel nach Unfällen, Hirntumore, seltener auch Demenzerkrankungen wie zum Beispiel Alzheimer – hier treten Aphasien aber zumeist in schleichender Form auf.

Aphasie ist eine Störung der Sprache

Aphasien betreffen alles was mit der Sprache zu tun hat: Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben – das aber in unterschiedlichen Ausprägungen. Einige Betroffene finden die richtigen Wörter nicht mehr, andere verwechseln deren Bedeutung oder können das, was sie hören – ähnlich wie bei einer unbekannten Fremdsprache – nicht mehr verstehen. Zudem gibt es oft weitere Probleme, die Konzentration, Gedächtnis, Bewegung, Rechnen oder das Gefühlsleben betreffen.

Bei eine Aphasie finden Betroffene oft nicht mehr die richtigen Worte.  (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Karl-Josef Hildenbrand dpa/lby)
Bei eine Aphasie finden Betroffene oft nicht mehr die richtigen Worte. Foto: Karl-Josef Hildenbrand dpa/lby

Rund 100.000 Betroffene in Deutschland

In Deutschland gibt es laut Schätzung der Interessenvereinigung Bundesverband Aphasie mehr als 100.000 Betroffene, das heißt etwa ein bis zwei Tausendstel aller Deutschen sind an Aphasie erkrankt. In den USA soll die Zahl der Patienten prozentual gesehen sogar dreimal so hoch sein.

Sprachtherapien können teilweise helfen

Da gesunde Hirnareale manchmal die Aufgaben von gestörten Bereichen übernehmen können, kann man mit Sprachtherapien einiges erreichen. Wichtig ist möglichst früh mit Übungen zu beginnen, insbesondere nach Hirnverletzungen oder Schlaganfällen. Bei knapp der Hälfte der Patienten bilden sich die Symptome zurück, auch wenn Aphasien grundsätzlich nicht heilbar sind.

Es gibt verschiedene Therapien, die bei einer Aphasie zumindest gewisse Verbesserungen bringen können. Heilbar ist die Erkrankung bislang nicht.  (Foto: IMAGO, imago images/photothek)
Es gibt verschiedene Therapien, die bei einer Aphasie zumindest gewisse Verbesserungen bringen können. Heilbar ist die Erkrankung bislang nicht. imago images/photothek

Aphasie stellt Betroffene vor große Herausforderungen

Viele Patienten verzweifeln oder werden depressiv, wenn sie nicht mehr sprechen können, weil der Verlust der Sprache ein schwerer Schlag ist, der auch viele andere Probleme nach sich zieht – den Verlust des Berufs beispielsweise; denn nicht nur für Schauspieler bedeutet Aphasie das Karriere-Aus.

Der Selbsthilfeverband bezeichnet Aphasie als Familienkrankheit, weil die Erkrankung auch Angehörige vor viele neue Herausforderungen stellt. Der wichtigste Tipp für sie ist Geduld und ein vorsichtiger Umgang mit den Patienten, um die nicht weiter zu belasten.

Bruce Willis - Stationen seiner Karriere als Schauspieler

Bruce Willis beendet seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen (Foto: dpa Bildfunk, picture-alliance / Manfred Segerer)
Nach über 40 Jahren beendet Bruce Willis aus gesundheitlichen Gründen seine Schauspielkarriere: Der in Idar-Oberstein geborene Schauspieler kann auf eine vielfältige Karriere zurückblicken – mit einigen überraschenden Stationen. picture-alliance / Manfred Segerer Bild in Detailansicht öffnen
Als 1988 mit „Stirb Langsam“ ein knallharter Actionfilm mit Weihnachtsstimmung die Kinos eroberte, verhalf die Rolle des Polizisten John McClane Bruce Willis zum Kultstatus – bis heute ist die rasante Filmreihe das Paradestück des Schauspielers, der zu ihrem Aushängeschild wurde. imago images/Mary Evans Bild in Detailansicht öffnen
Yippie-yeah-yay, Schweinebacke: Nur mit Glück wurde Bruce Willis zu John McClane. Eigentlich sollte Arnold Schwarzenegger die Hauptrolle spielen. Der lehnte allerdings ab, genau wie Sylvester Stallone, Burt Reynolds, Harrison Ford, Mel Gibson und sogar Richard Gere. picture-alliance / dpa | dpa-Film Vista Buena Bild in Detailansicht öffnen
Eigensinnige Charaktere, die auch in ernsten Situationen immer Humor beweisen, wurden schon früh zu Willis' Markenzeichen: Seinen eigentlichen Durchbruch feierte er mit einer Serie. In „Das Model und der Schnüffler“ spielte er einen kindischen Detektiv, der sich oft auf seinen Instikt verlässt imago images/Mary Evans Bild in Detailansicht öffnen
Doch die emotionalen Charaktere sind in Willis' Repertoire eher spärlich gesät. Im Tarantino-Klassiker „Pulp Fiction“ spielt er den betrügerischen und skrupellosen Boxer Butch. imago images/Ronald Grant Bild in Detailansicht öffnen
Seinen ersten Ausflug ins Science-Fiction-Genre machte Willis im dystopischen Thriller „Twelve Monkeys“, in dem eine Pandemie die Welt lahmlegt. Eine Serien-Adaption des Stoffes wurde erst vor Kurzem zum Streaming-Erfolg. United Archives/ TBM Bild in Detailansicht öffnen
„Ich kann tote Menschen sehen“: In „The Sixth Sense“ von M Night Shyamalan aus dem Jahr 1999 verkörperten Bruce Willis und Haley Joel Osment einen der packendsten Plottwists der Filmgeschichte. Mit 32 Filmpreisen ausgezeichnet und für 37 weitere nominiert ist der Film bis heute einer von Willis' erfolgreichsten. imago images/Mary Evans Bild in Detailansicht öffnen
An der Seite der rothaarigen Leelo (Milla Jovovich) wurde Bruce Willis im diesmal von Jean Paul Gaultier entworfenen Unterhemd in „Das fünfte Element“ im Jahr 1997 zum Sci-Fi-Star. Mit Einspielergebnissen von über 260 Millionen US-Dollar ist der Luc Besson-Film bis heute einer der kommerziell erfolgreichsten europäischen Filme aller Zeiten. imago images/Ronald Grant Bild in Detailansicht öffnen
Nur ein Jahr später erhielt er für die Rolle des Astronauten Harry Stamper im Weltraum-Drama „Armageddon“ die Goldene Himbeere als schlechtester Hauptdarsteller. Der Film blieb hinter den Erwartungen zurück, erfolgreich dagegen war vor allem der Titelsong „I don't want to miss a thing“ von Aerosmith. imago images/Mary Evans Bild in Detailansicht öffnen
Abseits von Action und Sci-Fi erfand sich Bruce Willis als Schauspieler immer wieder neu und bleibt dennoch dem Typus des starken Mannes treu: Im Kriegsfilm „Das Tribunal“ aus 2002 spielt er einen Colonel, der ganz nach dem Prinzip „harte Schale, weicher Kern“ sein Leben opfert. picture-alliance / dpa Bild in Detailansicht öffnen
Aber spielt Bruce Willis wirklich immer die harten Typen? Nein! In der Comedyserie „Friends“ spielt er für drei Folgen den überfürsorglichen Vater von Ross' (David Schwimmer) viel jüngerer Freundin. imago images/Everett Collection Bild in Detailansicht öffnen
Generell kommt der Humor bei Willis' Rollen selten zu kurz. In der Filmsatire „Fegefeuer der Eitelkeiten“ wird die Metropole New York City aufs Korn genommen. Doch trotz der namhaften Besetzung hagelt es 1990 Nominierungen für Goldene Himbeeren. United Archives/Publicity Still/Entertainment Media Archive Bild in Detailansicht öffnen
Inzwischen kaum noch bekannt, aber auch als Musiker feiert Bruce Willis Erfolge: Mit dem Blues-Album„The Return of Bruno“ erreichte er 1987 sogar Platinstatus. imago images/Everett Collection Bild in Detailansicht öffnen
Gemeinsam mit Action-Legenden wie Sylvester Stallone oder Arnold Schwarzenegger krönte Willis seine Karriere 2010 mit den beiden Tribut-Filmen „The Expendables“. Selbstironisch nahm er darin seine alten Rollen auf die Schippe. imago images/Everett Collection Bild in Detailansicht öffnen
Knapp 100 Filme umfasst die filmische Karriere von Bruce Willis – in über 40 Karrierejahren kann man vor allem anhand der Sci-Fi-Filme wie „Surrogates“ aus dem Jahr 2009 den Fortschritt der Technik in Willis' Filmographie beobachten. imago images/Everett Collection Bild in Detailansicht öffnen
Seit 2019 wirkte Bruce Willis an 18 Filmprojekten mit: Vorrangig als Schauspieler, aber auch als Produzent. Dennoch blieben die meisten Filme weit hinter alten Erfolgen zurück, wie „Cosmic Sin“ aus dem Jahr 2021. imago images/Prod.DB Bild in Detailansicht öffnen
Nun beendet Bruce Willis eine Schauspielkarriere, die in ihrem Umfang ihresgleichen sucht. Ein großer Mann verlässt die Hollywood-Bühne – wir wünschen alles Gute. picture alliance / Everett Collection | ©Lions Gate/Courtesy Everett Collection Bild in Detailansicht öffnen
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