Die Gewinner:innen des 25. deutschen Zukunftspreises lächeln in die Kamera. (Foto: Deutscher Zukunftspreis 2021)

Deutscher Zukunftspreis 2021

Biontech-Forschende gewinnen Zukunftspreis für mRNA-Impfstoff

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AUTOR/IN
Nina Kunze
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Ralf Kölbel

Als die Biontech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci vor 20 Jahren anfingen, an mRNA-basierten Impfstoffen zu forschen, hatten sie noch keine Pandemie im Sinn. Jetzt gewannen sie zusammen mit Christoph Huber und Katalin Karikó für ihre Entwicklung eines mRNA-Impfstoffs gegen das Coronavirus den Deutschen Zukunftspreis 2021!

Wie kann man Krebs besser behandeln? Diese Frage verband schon früh Christoph Huber, Ugur Sahin und Özlem Türeci. Die drei Gründer des Unternehmens BionTech haben als Team den Deutschen Zukunftspreis gewonnen – gemeinsam mit der Forscherin Katalin Kariko, die 2013 zum Unternehmen hinzustieß.

Am Abend des 17.11.2021 zeichnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Forschenden mit dem 25. Deutschen Zukunftspreis aus, dem Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation.

Zusammenarbeit begann in Mainz

Huber wurde schon früh in seinem Medizinstudium mit Krebs konfrontiert, als ein Freund an akuter Leukämie verstarb. Neben der Arbeit mit Patienten widmete er sich der Forschung, wie man Krebs bekämpfen könnte. Als Gutachter lernte er dabei Ugur Sahin und Özlem Türeci kennen, die ebenfalls an Krebs forschten.

Das Biontech-Gründerteam (Foto: Pressestelle, Deutscher Zukunftspreis Ansgar Prudenz)
Die Gründungsmitglieder von Biontech: (v.l.n.r.) Ugur Sahin, Özlem Türeci und Christoph Huber. Pressestelle Deutscher Zukunftspreis Ansgar Prudenz

Sahin und Türeci haben beide türkische Wurzeln, beide haben Medizin studiert, Sahin in Köln und Türeci im saarländischen Homburg. Dort lernten sie sich kennen und heirateten später. Huber war schwer beeindruckt von der Leistung des jungen Forscherpaars. Dabei seien eine wechselseitige Affinität und Interesse gereift, so Huber, und er konnte die beiden nach Mainz rekrutieren.

Die Universitätsmedizin in Mainz (Foto: IMAGO, IMAGO / CHROMORANGE)
Die Universitätsmedizin der Mainzer Johannes Gutenberg-Universität. Hier etablierte Christoph Huber den Sonderforschungsbereich Tumorabwehr, in dem später auch Ugur Sahin und Özlem Türeci tätig waren. IMAGO / CHROMORANGE

20 Jahre Forschung an mRNA-basierten Impfstoffen

Dort begannen Sahin und Türeci schon vor 20 Jahren an mRNA-basierten Impfstoffen zu forschen – eine Pandemie hatten sie da noch nicht im Sinn. Stattdessen wollten sie ihr Wissen über Krebs klinisch anwenden. Die Idee: das menschliche Immunsystem mit einer Impfung darauf zu trainieren, Krebszellen zu erkennen.

Dafür benötigten sie Zeit und eine ausreichende Finanzierung. Gemeinsam mit Christoph Huber gründeten sie 2001 zunächst das Unternehmen Ganymed, 2008 folgte Biontech. Sie profitierten vor allem von der Finanzierung durch die Strüngmann-Brüder, die als Gründer des Generikaherstellers Hexal das nötige Kapital zur Verfügung hatten und an die Vision von Biontech glaubten.

Der Hauptsitz der Firma Biontech in Mainz. (Foto: IMAGO, IMAGO / Fotostand)
Der Hauptsitz der Firma Biontech in Mainz. IMAGO / Fotostand

Die Biochemikerin Katalin Kariko suchte Wege, die mRNA in den menschlichen Körper zu bringen

Nach und nach verbesserten sie die mRNA, um sie als Impfstoff anwenden zu können. Denn mRNA kommt zwar natürlicherweise im Körper vor – erkennt der Körper jedoch mRNA, die nicht seine eigene ist, kommt es zu einer Abwehrreaktion. Außerdem baut sie sich schnell ab, weshalb mRNA-Forscher von ihren Kolleginnen und Kollegen früher oft belächelt wurden. So auch die Biochemikerin Katalin Kariko, die in den USA an der mRNA-Technologie forschte.

„Sie hatten Mitleid mit mir, dass ich mit RNA arbeitete. Bei den meisten Leuten baute sich die RNA dabei nämlich ab.“

Doch immer wieder gab es auch Menschen, die an ihre Vision von der mRNA glaubten.

Katalin Kariko arbeitete an der University of Pennsylvania an mRNA-basierten Therapien. (Foto: Pressestelle, Deutscher Zukunftspreis Ansgar Prudenz)
Die ungarische Biochemikerin Katalin Kariko arbeitete an der University of Pennsylvania an mRNA-basierten Therapien. Pressestelle Deutscher Zukunftspreis Ansgar Prudenz

Forschung aus Leidenschaft

„Es gab immer ein zwei Kollegen, die von der RNA begeistert waren. Die braucht man, denn wenn man ganz auf sich gestellt ist, ist das nicht gut.“

Im Jahr 2013 traf sie dann beruflich mit genau solchen Menschen zusammen: die Biontech-Gründer holten sie sogar kurzerhand in ihr Team. Die Wissenschaftler verband viel, nicht nur beruflich:

„Wir haben natürlich auch ähnliche Verhältnisse, wir kommen nicht aus Akademikerfamilien. Und irgendwann haben wir uns der Wissenschaft verschrieben, haben uns für mRNA begeistert und wollten das dann nicht nur als Grundlagenforschung machen, sondern auch in die Anwendung bringen. Und das ist ein gemeinsames Ziel und dann erkennt man natürlich auch dieselben Muster und dieselbe Leidenschaft, was natürlich verbindet.“

Nach rund zwei Jahrzehnten Grundlagenforschung mit mRNA war der Covid19-Impfstoff das erste marktreife Produkt des Mainzer Unternehmens. (Foto: Pressestelle, Deutscher Zukunftspreis/ Ansgar Pudenz)
Nach rund zwei Jahrzehnten Grundlagenforschung mit mRNA war der Covid19-Impfstoff das erste marktreife Produkt des Mainzer Unternehmens. Pressestelle Deutscher Zukunftspreis/ Ansgar Pudenz

Zukunftgerichtetes Denken

Die drei Forscherinnen und Forscher arbeiteten weiter an ihrer Vision. Schon bald wurde die erste mRNA-basierte Impfung gegen Hautkrebs im Menschen getestet. Im Oktober 2019 ging Biontech an die Börse.

Dann kam der Januar 2020. Das Coronavirus erschien noch weit entfernt. Doch gerade jetzt machte sich wieder die Fähigkeit des Biontech-Teams bemerkbar, zukunftsgerichtet zu denken. Vor allem Ugur Sahin war besorgt: wenn es zu einer Pandemie käme, bräuchte die Welt schnellstmöglich einen Impfstoff.

Schon die ersten Berichte über das neuartige Coronavirus in Wuhan beunruhigten Biontech-Mitgründer Ugur Sahin. (Foto: IMAGO, IMAGO / Science Photo Library)
Schon die ersten Berichte über das neuartige Coronavirus in Wuhan beunruhigten Biontech-Mitgründer Ugur Sahin. IMAGO / Science Photo Library

Biontech entwickelte weltweit ersten marktreifen Covid-19-Impfstoff

Özlem Türeci erinnert sich:

"Nun lebe ich lange genug mit Ugur, um zu wissen, dass er nicht voreilig alarmiert ist. Er hat auch gesehen, dass unsere mRNA-Technologie, die zu dem Zeitpunkt schon ausgereift war, dass wir mit der ein Immunantwort-Muster erwirken könnten, das gerade bei diesem Virus unter Umständen protektiv gegen die Erkrankung, vielleicht auch gegen die Infektion sein würde."

Nun ging es nun vor allem um Schnelligkeit. Hier setzte Biontech auf eine Zusammenarbeit mit dem Partner Pfizer. Und so war Biontech schließlich die erste Firma, die ihren Impfstoff zur Marktreife brachte.

Die Biontechgründer hatten die Zeichen der Zeit erkannt und sich rechtzeitig um die Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffes bemüht. (Foto: Pressestelle, Deutscher Zukunftspreis/ Ansgar Pudenz)
Die Biontechgründer hatten die Zeichen der Zeit erkannt und sich rechtzeitig um die Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffes bemüht. Pressestelle Deutscher Zukunftspreis/ Ansgar Pudenz
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