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Rücksturz zur Erde Astro-Alex erfolgreich gelandet

Ein Kommentar von Thomas Hillebrandt

Alexander Gerst ist nun aus seiner ISS-Wohngemeinschaft wieder zur Erde zurückgekehrt. Mit dann über 360 Tagen im All hat er zumindest den deutschen Rekord im „Schwerelos um den Planeten fliegen“ gebrochen. Damit geht irgendwie auch eine Ära zu Ende.

Die Europäische Weltraum-Agentur ESA sollte Mama und Papa Gerst sehr dankbar dafür sein, dass sie ihren Sohn einst „Alexander“ nannten. „Klaus-Dieter“ oder „Eberhard“ wären nicht so gut gewesen- und auch „Raumfahrt-Rüdiger“ oder gar „Weltraum-Wolfgang“ klingt nicht wirklich cool. Ganz im Gegensatz zu „Astro-Alex“! Danke, Familie Gerst!

Chef im Weltraum

Nachdem wir alle mal „Papst“, mal „European Song Contest-Siegerin“ und irgendwie auch mal „Fußball-Weltmeister“ waren, waren wir, Dank Astro-Alex, auch alle mal „Weltraum“ . Und als Alexander Gerst Kommandant der Internationalen Raumstation wurde, waren wir alle auch ein bisschen „Chef im Weltraum“.

Er hat uns unseren Heimatplaneten durch seinen Blick von ganz weit oben nähergebracht, hat gefilmt, getalkt, getwittert, hat sich aus dem All zu fast allen Themen geäußert, die auf der Erde gerade angesagt waren – und ist dabei vielleicht ein ganz klein wenig in die gleiche Falle getappt, die Medien gerne für Fußballer, Sänger oder Schauspieler aufstellen.

Medienstar Astro-Alex

Nur weil jemand gut gegen Bälle treten, unfallfrei singen oder einigermaßen gut schauspielern kann, soll er oder sie sich zur Weltlage im Allgemeinen und Besonderen äußern – denn immerhin ist man ja ein berühmter Mensch und da werden Kamera und Mikrofon besonders gerne hingehalten.

Alexander Gerst schaut aus Raumschiff-Luke

Alexander Gerst war ein gefragter Interviewpartner: zu allen möglichen und unmöglichen Themen, die unseren Planeten betreffen.

Astro-Alex wurde zur deutschen Identifikationsfigur

Weil Alexander Gerst, alias Astro-Alex, nett anzuschauen ist, gut schwerelos schweben und noch besser reden kann, ist er zum Medienstar geworden. Er war weder der erste deutsche Astronaut, noch der erste Deutsche auf der Raumstation und die Mission, die nun für ihn zu Ende geht, war auch nicht sein erster Flug ins Weltall. Aber er wurde in Deutschland gefeiert wie kein anderer Astronaut vor ihm, im Fernsehen, im Radio, in Zeitungen, in allen Social-Media-Kanälen: Astro-Alex wurde zur deutschen Identifikationsfigur.

Astro-Alex wurde vor allem für bunte Storys vermarktet

So war viel über den promovierten Geophysiker auf den bunten Seiten der Zeitungen zu lesen oder in Boulevardsendungen zu sehen, anstatt auf den Wissenschaftsseiten oder in Wissenschaftssendungen.
Die Home-Stories aus der Raumstation sollten vor allem Spaß machen und sich weniger mit den Inhalten zu Themen aus Klimaschutz-, Medizin-, Energie- oder Materialforschung aufhalten. Doch darum ging es eigentlich bei der Mission „Horizons“, für die die Europäische Raumfahrt eine Menge Geld hingelegt hat.

Um Forschung im All ging es selten

Es ist wirklich schade, dass man so wenig über „EML“, Immuno-2“ oder „Myotones“ erfahren hat. Über Forschungsprojekte zur Entwicklung neuer Metall-Werkstoffe, zur Verhinderung der stressbedingten Schwächungen unseres Immunsystems oder zur Suche nach neuen Therapien bei Muskelschwund.

Der deutsche ESA-Astronaut Alexander Gerst arbeitet mit der MSG-Box  im Destiny Modul.

Alexander Gerst arbeitet mit der MSG-Box. Mit der "Microgravity Science Glovebox" können Wissenschaftler im All Experimente in einer kontrollierten und vollständig isolierten Umgebung durchführen.

Denn daran - und an noch viel mehr - haben Alexander Gerst und die übrige ISS-Crew bei ihrem Weltraum-Aufenthalt gearbeitet und geforscht - und das alles kann durchaus unser aller Leben positiv beeinflussen.

Zwischen all den Meldungen wie „Astro-Alex isst Maultaschen“, „Astro-Alex hat ein Stück Berliner Mauer mitgenommen“ oder „Astro-Alex spielt Fußball auf der ISS“ ist irgendwie untergegangen, das Alexander Gerst nicht wegen seiner unbestreitbaren Qualitäten als Entertainer , sondern aufgrund seiner Qualifikationen als Wissenschaftler unter rund 8.400 Astronauten-Bewerbern ausgewählt und mit einem extrem harten Training für seine Weltraum-Mission vorbereitet wurde – und bei der geht es nun einmal vor allem um Forschung, um den Kampf gegen Krebs oder Osteoporose, um die Entwicklung neuer Werkstoffe oder die Suche nach Strategien gegen den Klimawandel.

Trotzdem war Astro-Alex ein Glücksfall für die Wissenschaft

Aber, nun gut. Dank Astro-Alex ist der Weltraum und seine unendlichen Weiten immerhin für viele Menschen ein Thema geworden, die damit sonst wenig anfangen können und dass er den wirklich atemberaubenden Blick auf unsere Erde mit uns allen geteilt hat, ist ihm nicht hoch genug anzurechnen.

Letztendlich ist er ein Glücksfall für die Wissenschaft und hat für uns alle die wahren Verhältnisse im Universum deutlich gemacht: Wir Menschen leben auf einem kleinen, faszinierenden und einzigartigen blauen Planeten. Und den müssen wir schützen, denn wir haben nur einen davon.
In diesem Sinne also: Willkommen zurück, Alexander Gerst. Willkommen zurück, Astro-Alex.

Video: Zu funktioniert die Rückkehr mit der Sojus-Kapsel

0:48 min

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Rückkehr von Alexander Gerst - Drei wenig bekannte Sojus-Fakten

SWR Wissen

Alexander Gerst hat während seiner Horizons-Mission über 50 Experimente auf der ISS durchgeführt. Das Video zeigt, wie die Landung mit der Sojus-Kapsel in der kasachischen Steppe ablaufen soll.