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Der Asteroid 1998 OR2 ist am 29. April 2020 an der Erde vorbeigeflogen - in 6.3 Millionen Kilometer Entfernung, also dem 16-fachen der Distanz zwischen Erde und Mond.

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Klingt ungefährlich, ist es auch, aber es handelt sich um den größten Brocken, der in den kommenden 200 Jahren immer wieder mal an der Erde vorbeiziehen wird.

Asteroid 1998 OR2 nur mit Teleskopen und Weltraumradar zu erkennen

Asteroid 1998 OR2 ist ungefähr vier Kilometer lang und zwei Kilometer breit. Seine Farbe ist klassisches Asteroidenschwarz. In der Dunkelheit des Alls sind Asteroide daher nur schwer zu entdecken. 1998 OR 2, seine Bezeichnung verrät es, ging den Astronomen im Jahr 1998 ins Netz. Wegen seiner Größe gehört er zu den potentiell gefährlichen Objekten im All – wobei er diesmal in weiter Entfernung an uns vorbeizieht. Mit bloßem Auge ist er nicht zu erkennen, mit Teleskopen und Weltraumradar jedoch schon.

Radarbild des Asteroiden 1998 OR 2, aufgenommen vom Radarteleskop der NASA in AreciboNew Mexico. (Foto: Arecibo Observatory NASA NSF)
Radarbild des Asteroiden 1998 OR 2, aufgenommen vom Radarteleskop der NASA in Arecibo/New Mexico. Arecibo Observatory NASA NSF

Erst im Jahr 2079 kommt Asteroid 1998 OR 2 der Erde näher

Auf den Radarbildern lässt sich die Oberflächenstruktur erahnen: Am einem seiner Enden hat sich auf 1998 OR 2 wohl eine recht wellige Asteroidenlandschaft gebildet. Die Wissenschaftler wollen sich das beim nahen Vorbeiflug genauer anschauen. Auch die Umlaufbahn von 1998 OR 2 soll genauer vermessen werden, um die nächsten Begegnungen mit der Erde besser berechnen zu können. Für einen Umlauf um die Sonne benötigt 1998 OR 2 drei Jahre und acht Monate. Erst im Jahr 2079 wird er der Erde aber noch näher kommen als heute – vier Mondentfernungen wird die Distanz dann betragen.

Asteroiden über fünf Kilometer Durchmesser für Menschheit existenzgefähdend

Die Einschlagswahrscheinlichkeit für einen Brocken von der Größe von 1998 OR 2 liegt bei einem Ereignis in einem Zeitraum von mehreren hunderttausend Jahren. Das Nördlinger Ries auf der Schwäbischen Alb ist der Überrest eines Impakts vor ca. 15 Millionen Jahren. Die Folgen eines solchen Einschlags sind weltweit zu spüren, das Klima verändert sich. Für die Menschheit existenzgefährdend sind aber erst Einschäge von Asteroiden in der Größenordnung über fünf Kilometer Durchmesser.

Grafische Darstellung der ESA-Sonde HERA (Foto: ESA)
Die HERA-Sonde der Europäischen Weltraumbehörde soll untersuchen, ob sich Asteroide aus ihrer Bahn lenken lassen. ESA

Kosmische Schubser für Asteroiden werden getestet

NASA und ESA bereiten derzeit ein gemeinsames Projekt vor, dessen Ziel es ist, ein Objekt im All ein wenig aus seiner Bahn zu lenken. Dies Technik könnte wichtig werden, wenn sich ein Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde befindet. Die NASA will im Rahmen ihrer DART-Mission den kleineren der beiden Asteroide, aus denen der Doppelasteroid Didymos besteht, im Jahr 2024 mit einer schweren Einschlagssonde beschießen. Die ESA-Sonde HERA erreicht Didymos dann drei Jahre später und prüft, ob der kosmische Schubser erfolgreich war.

Künstlerische Darstellung eines Asteroiden (Foto: NASA JPL Caltech)
Dunkle Brocken im All - künstlerische Darstellung eines Asteroiden NASA JPL Caltech
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