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Eine neue Studie aus den USA legt nahe, dass Acetylsalicylsäure, besser bekannt als Aspirin, den Verlauf einer Covid-19 Erkrankung positiv beeinflussen kann. Wie ist das zu bewerten?


Mit Acetylsalicylsäure behandelte Patient*innen haben, so das wichtigste Ergebnis der Studie, ein deutlich geringeres Risiko auf der Intensivstation zu landen, beatmet werden zu müssen oder zu sterben.

Ist Acetylsalicylsäure ein neues Wundermittel im Kampf gegen Corona? Wie aussagekräftig ist diese Studie?

Mit den Ergebnissen sollte man allerdings vorsichtig umgehen. Der Grund: Hier handelt es sich nicht um eine reguläre klinische Studie, sondern um eine Art Rückblick. Die Forscher*innen haben im Nachhinein auf den Krankheitsverlauf von knapp 500 Patient*innen geschaut, die sowieso schon Aspirin genommen haben – aus welchen Gründen auch immer.

Dabei haben sie festgestellt, dass diese einen wesentlich besseren Krankheitsverlauf hatten, als Patient*innen, die kein Aspirin nahmen. Für eine klinische Studie muss aber die Versuchsgruppe im Vorhinein besser ausgewählt sein. Am wichtigsten ist dabei, dass die Probanden vergleichbar sind.

Hat Acetylsalicylsäure bzw. Aspirin einen positiven Einfluss auf den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung? Eine Studie aus den USA legt das nahe. Von vorbeugenden Eigenmedikationen wird aber wegen schwerer Nebenwirkungen aus ärztlicher Sicht abgeraten. (Foto: Imago, imago images/Ralph Lueger)
Blutverdünner kommen bei der Behandlung von Covid-19 bereits zum Einsatz. Allerdings kommt hier meist Heparin und nicht Acetysalicylsäure zum Einsatz. Imago imago images/Ralph Lueger

Weitere Forschung nötig

Zum Beispiel sollten sie keine anderen Vorerkrankungen haben, was ja zumindest bei manchen der untersuchten Patienten offensichtlich der Fall war, denn sie nahmen ja gegen irgendwas Aspirin. Außerdem braucht es noch eine Kontrollgruppe, die ein Placebo bekommt, mit der man die Ergebnisse vergleichen kann. Die Autor*innen der Studie selbst fordern sogar, dass jemand genau so eine Studie durchführt, damit ihre Ergebnisse bestätigt werden können.

Unter bestimmten Umständen kann Aspirin durchaus helfen. Corona-Patient*innen, vor allem die, die im Krankenhaus landen, haben ein erhöhtes Thromboserisiko. Mit seiner blutverdünnenden Wirkung kann Aspirin da einen helfenden Effekt haben.

Acetylsalicylsäure, auch bekannt als Aspirin, ist kein Allheilmittel gegen Covid-19.  (Foto: Imago, imago images/Science Photo Library)
Acetylsalicylsäure, auch bekannt als Aspirin, ist kein Allheilmittel gegen Covid-19. Imago imago images/Science Photo Library

Bei der Behandlung von Covid-19 kommen stärkere Blutverdünner zum Einsatz

Das Thromboserisiko bei Corona-Patienten ist schon länger bekannt. Deswegen bekommen Patienten im Krankenhaus in Deutschland in der Regel einen Blutverdünner, aber meistens was stärkeres als Aspirin. Heparin, zum Beispiel.

Allerdings sollte niemand auf die Idee kommen, Aspirin vorbeugend oder sogar als Ersatz zu den AHA-Regeln zu nehmen. Und auch wer mit dem Virus infiziert ist, sollte nicht ohne ärztlichen Rat einfach Aspirin nehmen.

Acetylsalicylsäure, auch bekannt als Aspirin, sollte in keinem Fall ohne ärztlichen Rat für längere Zeit eingenommen werden. Es gibt schwere Nebenwirkungen. (Foto: Imago, imago images/Science Photo Library)
Acetylsalicylsäure, auch bekannt als Aspirin, sollte in keinem Fall ohne ärztlichen Rat für längere Zeit eingenommen werden. Es gibt schwere Nebenwirkungen. Imago imago images/Science Photo Library

Aspirin kann starke Nebenwirkungen haben

Da kein Medikament ohne Nebenwirkung ist, muss aber immer abgewogen werden, ob sich die Gabe lohnt – das ist dann eine individuelle Entscheidung. Auch Aspirin kann erhebliche Nebenwirkungen haben, weiß Matthias Ebert von der Uniklinik Mannheim:

„Aspirin ist ein Medikament, das die Bildung von speziellen Eiweißen im Magen und in der Schleimhaut des Darms hemmt. Diese Eiweiße brauchen wir, damit die Schleimhaut im Darm immer wieder regeneriert. Und wenn dieses Eiweiß gehemmt wird und die Schleimhaut nicht regeneriert, entstehen kleine Defekte.“

Matthias Ebert, Gastroenerologe, Uniklinik Mannheim

Im schlimmsten Fall können diese Schleimhautverletzungen zu schweren Blutungen führen. Schon lange ist bekannt, dass Patienten, die regelmäßig Aspirin nehmen, ein erhöhtes Risiko haben, Blutungen im Magen-Darm-Trakt zu erleiden.

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