Halloween

Warum uns Gruseln entspannt

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AUTOR/IN
Pascal Kiss
ONLINEFASSUNG
Ralf Kölbel

Jetzt an Halloween ist die Zeit der blutüberströmten Zombies, Vampire oder anderer furchteinflößender Gestalten. Hirnforscher haben herausgefunden: Wenn wir kurzzeitig Angst haben, entspannt das unser Gehirn und wirkt fast wie eine Meditation.

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Der Horrorfilm lässt uns zittern, in der Geisterbahn schlägt das Herz schneller. Wir haben Angst. Alles fühlt sich kurz real an, ist aber nicht. Diese Kombination aus Angst und Sicherheit macht das Gruseln für uns so angenehm. Der Körper ist in Alarmbereitschaft, obwohl wir gar nicht in Gefahr sind. Trotzdem spüren wir unseren Körper ganz anders. Wir nehmen uns und die Umwelt intensiver wahr.

Stress- und Glückshormone im Gehirn

Ein kurzer Moment und unser Gehirn ist im Fluchtmodus. Das Angstzentrum im Gehirn wird aktiviert und das Stresshormon Adrenalin bringt unseren Körper auf 180. Wir schwitzen und wir sind plötzlich hellwach.  Erst danach merkt das Gehirn, dass keine Gefahr besteht. Zur Belohnung wird das Glückshormon Endorphin im Körper ausgeschüttet. Das Glückshormon wirkt beruhigend - der Körper entspannt sich. Zusätzlich sorgt die Kombination von Stress- und Glückshormonen für einen zusätzlichen Kick.

Zombie-Familie (Foto: SWR)
Fotoshooting mit Gänsehautfaktor - Gruseln soll sogar gut für das Selbstwertgefühl sein.

Gruseln kann entspannen

Oft sind wir nach dem Gruseln sogar entspannter als davor: Das haben zumindest Neurowissenschaftler von der Universität in Pittsburgh herausgefunden: Sie haben bei Besuchern eines Horrorhauses in Pittsburgh die Gehirnaktivität gemessen: Die Hirnaktivität war bei den Probanden geringer als vor dem Gruseln – ein Zeichen für Entspannung. Das bestätigten auch die Probanden: Sie fühlten sich nach dem Gruseln besser - fast genauso erholt wie nach einer Meditation.

Menschen verkleiden sich und erschrecken sich gegenseitig. Sie gruseln sich, schreien und haben doch Spaß. Warum ist das so?

Gruseln ist gut fürs Selbstbewusstsein

Für die Wissenschaftler ist der Entspannungseffekt keine Überraschung: Sie glauben, dass Geisterbahnen oder Horrorfilme sogar kurz das Selbstwertgefühl steigern können. So erleben wir den Horrorfilm als kleines Abenteuer und als Herausforderung. Wir wollen uns selbst beweisen, dass wir die gruselige Situation durchstehen können. Wir suchen bewusst solche Situationen und nehmen Ängste bewusst in Kauf.

Durch das Gruseln testen wir aus, wo genau unsere Grenzen liegen. Das machen sogar schon Kleinkinder. Sie suchen nach Mutproben, um sich ihrer Angst zu stellen. Auch viele Erwachsene suchen ganz gezielt nach solchen Situationen. Sie fahren zum Beispiel Achterbahn, um ihren Körper ganz anders zu spüren.

Durch die Erleichterung nach dem Schreckmoment werden im Körper Glückshormone ausgeschüttet. (Foto: Colourbox)
Durch die Erleichterung nach dem Schreckmoment werden im Körper Glückshormone ausgeschüttet.

Jeder gruselt sich anders

Nicht alle Menschen gruseln gern. Auch was wir als gruselig empfinden, ist ganz unterschiedlich. Der eine empfindet bereits ein dunkler Keller als bedrohlich, ein anderer kommt nicht mal durch einen Horrorfilm ins Schwitzen. Doch für alle gilt: Gruselige Situationen haben vor allem Ihren Reiz, weil wir den Alltag vergessen können. Horrorfilme oder Geisterbahnen fesseln uns dabei so sehr, dass wir alles andere ausblenden.

Auch Kinder gruseln sich gerne bei Halloween (Foto: Colourbox)
Auch Kinder gruseln sich gerne bei Halloween
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