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Experten gehen derzeit davon aus, dass sich etwa 60 Prozent der Bevölkerung mit dem neuartigen Corona-Virus infizieren werden. Viele werden es kaum bemerken. Erst danach wird die Kurve der Neuinfektionen abflachen. Einschätzungen des SWR Wissenschaftsredakteurs Dr. Patrick Hünerfeld:

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Virologen gehen davon aus, dass theoretisch jeder Infizierte wieder zwei bis drei Menschen mit dem neuartigen Corona-Virus ansteckt. Deshalb steigt die Zahl der Infizierten am Anfang ganz steil an. Wer sich noch an Mathe in der Schule erinnert, das ist exponentielles Wachstum. Am Anfang geht die Kurve steil nach oben. Das ist das, was wir jetzt erleben. Wir können also quasi jeden Tag sagen: Oh, es sind schon wieder doppelt so viele wie vorgestern.

Wenn man das einfach mathematisch durchrechnet- so wie das die Virologen und die Infektiologen tun, dann ist es irgendwann so, dass ich das neuartige Corona-Virus nur noch an Leute übertrage, die sowieso schon angesteckt waren. Dann pendelt sich das ein und dann wird die Kurve wieder flacher.

Exponentielle Kurve - so könnte der Anstieg bei den Corona-Infektionen verlaufen.  (Foto: Imago, imago images / Panthermedia)
Exponentielle Kurve - so könnte der Anstieg bei den Corona-Infektionen verlaufen. Imago imago images / Panthermedia

Der Wendepunkt liegt bei etwa 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung, die das Virus haben. Ich gehe davon aus, dass das genau die Entwicklung ist, die wir haben werden. Wir werden erst einen steilen Anstieg haben. Irgendwann werden die Maßnahmen greifen und dann wird die Infektionsrate abflachen, so wie wir das in China jetzt auch schon sehen.

Sind 60 oder 70 Prozent Corona-Infizierte realistisch?

Ich bin selber kein Virologe, aber ich denke schon, dass das alles in allem realistisch ist. Die entscheidende Frage ist ja auch, in welcher Zeit passiert das. Also wenn das jetzt zum Beispiel in zwei Jahren passiert, dann ist das relativ entspannt. Der Berliner Virologe Christian Drosten hat gesagt, das kann bis zu zwei Jahre dauern. Vermutlich werden wir in dieser Zeit dann auch einen Impfstoff haben. Und wir werden vermutlich Medikamente haben, die besser wirken als das, was wir bisher nutzen.

Eine der neu eingerichteten Corona-Ambulanzen. (Foto: Imago, imago images / Lichtgut)
Eine der neu eingerichteten Corona-Ambulanzen. Imago imago images / Lichtgut

Viele sagen, Deutschland sei für diesen Ernstfall nicht gerüstet. Stimmt das so?

Also ich habe das Gefühl, dass wir etwas überreagieren. Zumindest wenn ich mir diese Hamsterkäufe angucke. Mal ehrlich, es kommt auch keine Hungersnot auf uns zu. Und wer vorsorglich in Quarantäne kommt, wird auch nicht verhungern, sondern sich am ehesten 14 Tage zuhause langweilen.

Hier werden Masken und Schutzkleidung wirklich gebraucht. Am Katharinenhospital vom Klinikum Stuttgart ist eine separate Corona-Ambulanz mit Diagnostikstelle eingerichtet worden. (Foto: Imago, imago images / 7aktuell)
Hier werden Masken und Schutzkleidung wirklich gebraucht. Am Katharinenhospital vom Klinikum Stuttgart ist eine separate Corona-Ambulanz mit Diagnostikstelle eingerichtet worden. Imago imago images / 7aktuell

Schutzkleidung und Masken für die Kliniken und Ärzte sind tatsächlich knapp. Deshalb muss schnell nachproduziert werden. Das ist nicht ganz einfach, denn die meisten Produktionsstätten liegen in China und auch Vorprodukte kommen teilweise aus China. Aber da sind auch jetzt schon Firmen dran. Ein Matratzenhersteller zum Beispiel, der hat jetzt umgestellt auf OP Masken. Er produziert jetzt für Kliniken.

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