STAND
AUTOR/IN

Wenn´s rechts unten im Bauch weh tut, an was denken Sie als erstes? Richtig, der Blinddarm! Es muss zum Glück nicht immer gleich eine Operation sein. In vielen Fällen können vor allem Kinder mit einer Blinddarmentzündung zunächst mit Antibiotika behandelt werden. Jochen Steiner im Gespräch mit Prof. Bernd Tillig, Chefarzt an der Vivantes- Kinderchirurgie am Klinikum Neukölln in Berlin.

Früher hat man schon beim kleinsten Anzeichen einer Blinddarmentzündung - auch im Kindesalter - operiert. Ist das heute anders?

Das hängt, so Bernd Tillig, immer davon ab, wie die Beschwerden sind, und was man bei der Ultraschalluntersuchung herausbekommt. Heute wird tendenziell eher versucht, die Entzündung des Wurmfortsatzes, umgangssprachlich Blinddarm, mit Antibiotika zu behandeln, um so auch die möglichen Komplikationen eines chirurgischen Eingriffs zu verhindern.

Welche Komplikationen kann es bei einer Blinddarm-Operation geben?

Man müsse sich, so Tillig, immer vor Augen führen, dass man bei einer akuten Blinddarminfektion einen kranken Patienten bzw. ein krankes Kind operiere. Das ist gerade bei OPs eine schlechtere Ausgangsposition. Die Entzündung kann sich beispielsweise weiter im Körper ausbreiten, oder die Wunde kann sich entzünden.

Lässt sich eine Blinddarm-OP mit Antibiotika dauerhaft vermeiden?

Es gibt eine Studie aus Schweden, bei der Kinder mit Blinddarmentzündung nur mit Antibiotika behandelt wurden. Die Behandlung mit Antibiotika war hier in der Regel erfolgreich und es gab auch nur eine geringe Rückfallquote. Neuere Studien weisen darauf hin, dass sich mit Antibiotika zumindest einfachere Blinddarmentzündungen mit einer Wahrscheinlichkeit von zwei Dritteln sicher behandeln lassen. Ein Drittel der Patienten muss man aber doch operieren, weil die antibiotische Behandlung nicht ausreicht.

Was ist also die beste Methode zur Behandlung einer Blinddarmentzündung?

Es ist, so die Einschätzung von Bernd Tillig, immer von Vorteil, wenn man letztlich einen schon "gesunden" Patienten operiert, wenn die Entzündung selbst also schon vorab behandelt wurde. Damit lassen sich mögliche Komplikationen während einer Operation minimieren. Wenn eine Blinddarmentzündung nach der erfolgreichen antibiotischen Behandlung nach einer gewissen Zeit wieder auftritt, spreche einiges dafür, dann doch zu operieren.

Internationale Studien zeigen, dass bei rund vierzig Prozent der Patienten die Blinddarmentzündung nach ein paar Monaten wieder auftritt. Daher wäre nach Einschätzung von Tillig die sogenannte Intervall-Appendektomie, also die zeitversetzte Blinddarmentfernung nach einer Antibiotika-Therapie, die sicherste Methode. Allerdings gibt es noch keine Studie, die die Wirksamkeit dieser Methode mit letzter Konsequenz beweist.



Man muss, so Bernd Tillig, immer sehen, was für die Patienten das Günstigste ist. Die Antibiotikabehandlung sei sehr sinnvoll bei der Behandlung einer Blinddarmentzündung. Das gilt aber nur dann, wenn man Blinddarmentzündung mit Sicherheit nachgewiesen ist - per Ultraschall und mit klinischen Tests.
Mehrere Blinddarmentzündungen hintereinander mit Antibiotika zu behandeln sei schon deshalb nicht sinnvoll, weil sich dabei Resistenzen bilden können. Bei den modernen, minimalivasiven Verfahren würden Ärzte im Normallfall dann dazu raten, den Blinddarm zu entfernen.

Sollte man bei immer wieder wiederkehrenden Blinddarmentzündungen möglichst frühzeitig operieren?

Internationale Studien zeigen, dass bei rund vierzig Prozent der Patienten die Blinddarmentzündung nach ein paar Monaten wieder auftritt. Daher wäre nach Einschätzung von Tillig die sogenannte Intervall-Appendektomie, also die zeitversetzte Blinddarmentfernung nach einer Antibiotika-Therapie, die sicherste Methode. Allerdings gibt es noch keine Studie, die die Wirksamkeit dieser Methode mit letzter Konsequenz beweist.

Man muss, so Bernd Tillig, immer sehen, was für die Patienten das Günstigste ist. Die Antibiotikabehandlung sei sehr sinnvoll bei der Behandlung einer Blinddarmentzündung , aber auch nur dann, wenn man die Blinddarmentzündung mit Sicherheit nachgewiesen hat - per Ultraschall und mit klinischen Tests.
Eine Blinddarmentzündung mehrmals nacheinander mit Antibiotika zu behandeln sei, so Tillig, schon deshalb nicht sinnvoll, weil sich dabei Resistenzen bilden können. Bei den modernen, minimalivasiven Verfahren würden Ärzte im Normallfall dann dazu raten, den Blinddarm zu entfernen.

STAND
AUTOR/IN