STAND
AUTOR/IN

Dieses Jahr haben in den Naturwissenschaften gleich zwei Frauen den Nobelpreis bekommen. Ist das Zufall oder gibt es eine Frauenquote für den Nobelpreis?

Die US-Amerikanerin Frances Arnold hat mit ihrer Forschung neue Wege beschritten. Sie nutzt Bakterien als „Grüne Chemiefabriken“, die zielgerichtet Enzyme produzieren. Gleichsam Evolution in Rekordzeit, für die Herstellung von Biokraftstoffen oder Medikamenten. Dafür bekommt sie den Nobelpreis 2018 für Chemie, als erst fünfte Frau.

Mit einem sogenannten „Femto-Sekunden-Laser“ ist es etwa bei Augen-Operationen möglich, präzise und kontrolliert zu schneiden, ohne umliegendes Gewebe zu schädigen. Die Methoden zur Erzeugung dieser hochintensiven Laser hat die Kanadierin Donna Strickland entwickelt. Sie ist erst die dritte Frau mit einem Nobelpreis in Physik.

Frauenquote für Nobelpreise?

Als Journalisten Anfang Oktober bei der Verkündung der Physik-Preisträger Fragen stellen, antwortet Ihnen Professor Olga Botner, Vorsitzende des Nobelpreis-Komitees für Physik. Sie forscht an der Universität Uppsala. Dort haben wir sie besucht und gefragt, wie sie es findet, dass 2018 in den Naturwissenschaften endlich wieder einmal Frauen geehrt wurden.

Wie finden Sie es, dass jetzt auch wieder Frauen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden?

Ich persönlich freue mich sehr, weil Frauen beim Nobelpreis meist nicht so präsent sind. Es gibt uns aber. Und es ist schön zu sehen, dass wir nun mal wieder beachtet werden. Ich denke, dass die Preise verdient sind. Aber ich möchte betonen, dass bei der Preis-Vergabe das Geschlecht keine Rolle spielt. Diese Frauen haben ihre Preise bekommen, weil sie Erfindungen oder Entdeckungen gemacht haben, die wirklich fantastisch waren und dafür haben sie den Nobelpreis verdient - und nicht, weil sie Frauen sind.

Das ist durchaus im Sinne von Alfred Nobel, der in seinem Testament festlegte, dass die Vergabe der Preise in den einzelnen Kategorien an die jeweils „würdigste Person“ erfolgen soll.

Frauen mit Nobelpreisen

Marie Curie war die erste Frau, die einen Nobelpreis bekam, und später sogar einen zweiten. Doch nach der Würdigung ihrer bahnbrechenden Leistungen, nahm die Präsenz von Frauen bei der Preisvergabe für Physik, Chemie oder Medizin deutlich ab.
Auch wenn es immer wieder Ausnahmen von dieser Regel gibt, sind Frauen in der Welt der Nobelpreise immer noch deutlich in der Minderheit.

Marie Curie (Foto: SWR, picture-alliance / dpa - IMAGNO/Votava)
Marie Curie ist nicht nur die erste Frau überhaupt, die einen Nobelpreis erhielt, sondern auch die einzige Wissenschaftlerin, die zweimal die renommierte Auszeichnung bekam. picture-alliance / dpa - IMAGNO/Votava

In den Nobelkomitees sitzen meist Männer

Unter den bis heute 605 Nobelpreisträgern in den Naturwissenschaften, gibt es bislang nur 20 Frauen.
Wohl ein Grund dafür: Um für einen Nobelpreis in Frage zu kommen, muss man nominiert werden. Nominieren können Mitglieder des jeweiligen Nobelkomitees und vorherige Preisträger in der jeweiligen Kategorie – und das sind eben zumeist Männer.

Olga Botner, Vorsitzende des Nobelpreis-Komitees für Physik (Foto: SWR, SWR -)
Olga Botner, Vorsitzende des Nobelpreis-Komitees für Physik, macht Forscherinnen Mut. SWR -

Olga Botner:Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass der Nobelpreis jedes Jahr auf den Nominierungen basiert, die wir für dieses Jahr erhalten haben. Und die Nominierungen spiegeln die Gesellschaft wider. Weil es heute mehr Frauen als früher in den Wissenschaften gibt, bekommen wir durchaus mehr Nominierungen von Frauen. Aber längst noch nicht so viele wie für Männer. Als ich in der Wissenschaft angefangen habe, denke ich, waren wir vielleicht 4 Prozent Frauen in der Fakultät und jetzt sind es etwa 20 Prozent Frauen. Das sind immer noch nicht 50 Prozent. Aber 20 Prozent sind besser als 4 Prozent. Der Anteil von Frauen wächst also und ich denke, das wird sich in Zukunft auch in der Zahl der Nobelpreise niederschlagen.

"Eine Frau kann alles, was ein Mann kann."

Nobelpreise spiegeln also auch die Entwicklung der Gesellschaft wider. – und Olga Botner ermutigt ihre Studenten ausdrücklich, nicht mehr in den Kategorien von Geschlechtern zu denken, wenn es um die Bewertung wissenschaftlicher Leistungen geht.
Zum Abschluss fragen wir sie, was sie jungen Wissenschaftlerinnen rät, die sagen: „Ich will irgendwann den Nobelpreis gewinnen.“
Wenn Sie wirklich für ein Thema brennen, folgen Sie ihrem Herzen. Tun Sie es. Hören Sie nicht auf Ratschläge von Leuten, die sagen: Eine Frau kann das nicht. Eine Frau kann alles, was ein Mann kann. Wenn Sie sich also für das Thema begeistern, folgen Sie ihrem Herzen, suchen Sie Unterstützung und nutzen Sie Ihre Chancen. Und wenn Sie Glück haben, gewinnen Sie am Ende den Nobelpreis.

Zwei Forscherinnen vom KIT hantieren in einem Labor. (Foto: SWR, SWR -)
SWR -
STAND
AUTOR/IN