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Ein Bild, das die Welt verändert hat Apollo 8 und das Jahrhundertfoto "Earthrise"

Die Erde: eine blau-weiße Kugel im dunklen All. Dieses Bild, vor 50 Jahren entstanden, hat den Blick auf unseren Planeten verändert. Aufgenommen wurde das Foto beim Flug von Apollo 8 Richtung Mond. Hier die ganze Geschichte.

Apollo 8 startete am 21. Dezember 1968. Das Bild selbst entstand drei Tage später an Heilig Abend. Es zeigt die blau-weiß leuchtende Erdkugel im nachtschwarzen All über der grauen, mit Kratern übersäten Oberfläche des Mondes und gilt als das einflussreichste Bild des vergangenen Jahrhunderts - und das meistkopierte Foto der Geschichte.

Viele sind heute überzeugt: Das Foto hat die Umweltbewegung maßgeblich inspiriert und das "globale Bewusstsein" gefördert. Es ist der Moment, in dem die Menschen die "aufgehende Erde" zum ersten Mal mit eigenen Augen sehen - und sich ihrer Zerbrechlichkeit bewusst werden. Dabei war es längst nicht das erste Foto vom Mond in Richtung Erde, aber es ist das mit der größten Wirkung.

Graue Wüste auf dem Mond

Wüst und leer, ohne Leben und alles Grau in Grau. So sieht der Mond für den aus, der ihm ganz nahekommt – und so aus der Nähe haben ihn als erste Menschen die Astronauten von Apollo 8 gesehen. Sie waren auch die ersten, die zurückschauen konnten, auf unseren Heimatplaneten. Und dabei haben sie ein Foto gemacht, das den Blick auf die Erde für immer verändert hat.

Ulrich Köhler, Planetenforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt: Dieses Foto hat bestimmt nicht nur bei den Technokraten und Astronauten und Ingenieuren und Wissenschaftlern der NASA etwas bewegt, sondern vor allem natürlich bei den Menschen selber, die gesehen haben, dass die Erde ein kleines Sandkorn in der Unendlichkeit des Universums ist. Es ist eine der Fotoikonen der Menschheit und das wird immer so bleiben.

Ulrich Köhler, Planetenforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Ulrich Köhler, Planetenforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt sieht das Earthrise-Foto als ein wichtiges Bild für die Winzigkeit und Zerbrechlichkeit unseres Planeten.

Schwerelos ins All

Am Samstag dem 21. Dezember 1968 war die Saturn-V-Rakete mit dem Raumschiff Apollo 8 bereit zum Start. An Bord drei Astronauten: Kommandant Frank Bormann, Pilot William Anders und James Lovell als Navigator. Die Anspannung im Kontrollzentrum war groß, denn das Risiko war enorm.

Die NASA stand, so Ulrich Köhler vom DLR , damals 1961, unter großem Druck. Der damalige Präsident Kennedy hatte der NASA auferlegt, bis zum Ende des Jahrzehnts Menschen zum Mond zu bringen. Und vor Ende 1968 sollten noch zwei Testmissionen vor dem ersten Versuch der Mondlandung durchgeführt werden. Ursprünglich wollte die NASA diese Mission gar nicht unbedingt an Weihnachten durchführen. Wenn etwas schief gegangen wäre, wäre das gerade in der Weihnachtszeit in der Öffentlichkeit schlecht angekommen.

Start der Saturn-V-Rakete mit dem Raumschiff Apollo 8 am 21. Dezember 1968

Start der Saturn-V-Rakete mit dem Raumschiff Apollo 8 am 21. Dezember 1968

Fotoshooting im All

Um 7.51 Uhr Ortszeit bauten die Saturn-V-Triebwerke Schub auf und die gewaltige Rakete hob vom Kennedy Space Center in Florida ab.

Mit Apollo 8 sollten zum ersten Mal Menschen das Schwerefeld der Erde verlassen und sich auf den Weg zu einem anderen Himmelskörper machen, fast 400.000 Kilometer entfernt. Dabei kann vieles schief gehen – doch der Flug verlief reibungslos.

Knapp 3 Tage nach dem Start schwenkte Apollo 8 in die Mondumlaufbahn ein. Die erste von insgesamt 10 Umkreisungen begann und die Astronauten starteten ihre wichtigste Mission: Fotos machen.

Die Crew hatte mehrere Kameras an Bord, um aus einer Höhe von 100 bis 300 Kilometern mögliche Landeplätze für die mit Apollo 11 geplante Mondlandung zu fotografieren. So entstanden hunderte von Aufnahmen.

An Bord der Apollo 8 waren drei Astronauten: Kommandant Frank Bormann, Pilot William Anders und James Lovell als Navigator.

An Bord der Apollo 8 waren drei Astronauten: Kommandant Frank Bormann, Pilot William Anders und James Lovell als Navigator.

Apollo 8 als Medienspektakel

Apollo 8 war aber auch ein Medienereignis. 6 Mal gibt es Live-Fernsehübertragungen aus dem Weltraum. Für den 24. Dezember haben sich die Astronauten etwas Besonderes ausgedacht. Als Weihnachtsbotschaft an die Erde lesen sie aus der biblischen Schöpfungsgeschichte vor: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer …

2:56 min

Mehr Info

1968

Weihnachtsbotschaft von Apollo 8

SWR2 Archivradio

Apollo 8 war nicht irgendein Weltraumflug. Er war in vielerlei Hinsicht besonders. Es war der erste bemannte Flug zum Mond. Bis dahin hatte sich noch kein bemanntes Raumschiff weiter als 1.500 Kilometer von der Erde entfernt. Die drei Astronauten betraten zwar nicht den Mond – diesen Schritt sollte erst Neil Armstrong ein halbes Jahr später gehen – aber sie umkreisten ihn zehn Mal und testeten die Landefähre. Und Heiligabend 1968 knipsten die Astronauten ein Foto, das die Welt verändern sollte: Im Vordergrund der kahle graue Mond, im Hintergrund die aufgehende blauweiße Erde – die erste Weltraumperspektive auf unseren Planeten. Und zu diesem Erdaufgang verlas Bill Anders seine berühmte Weihnachtsbotschaft.

Ulrich Köhler vom DLR: Der Flug zum Mond hat alle zu etwas anderen Menschen auch gemacht. Diese Ehrfurcht, wenn man die Erde zum ersten Mal als Kugel im Weltall sieht und nicht einfach nur den Horizont aus der Erdumlaufbahn, das macht was mit einem Menschen. Und deswegen waren die sehr ehrfürchtig und haben dieses kleine Detail, dieses Vorlesens aus der Bibel miteingefügt. Und es war natürlich auch ein guter Anlass. Heiligabend war da und es hatte einen riesigen Erfolg auf der Erde.

Während der 4. Mondumkreisung sahen die Astronauten zum ersten Mal den Aufgang der Erde. Die NASA hatte mit dem originalen Funkverkehr das Ereignis rekonstruiert. So konnte man miterleben, wie die Crew das Foto der Erde über dem Mondhorizont fast verpasst hätte.

Apollo 8 - Kapsel - das erste Weihnachtsfest im All

Apollo 8-Kapsel - das erste Weihnachtsfest im All



Die Astronauten machten über 100 Fotos von der Erde, darunter den wohl berühmtesten Schnappschuss aus dem All. Es ist das erste von Menschen aufgenommene Foto der Erde aus dem All. Davor gab es tatsächlich schon ein Foto, das von einer robotischen Sonde zur Vorbereitung der Apollo-Landungen aufgenommen wurde. Dieses Foto zeigt im Grunde genau das Gleiche, nur in schwarz-weiß. Nur hatte die NASA es versäumt, darüber zu erzählen.

Die kleine Erde ist alles, was wir haben

Der Planetenforscher Ulrich Köhler sieht das Besondere des Apollo 8 Earthrise-Fotos darin, dass es nicht nur von Menschen aufgenommen wurde, sondern dass die Astronauten von dem Zeitpunkt dieser Aufnahme per Funk der Erde davon erzählt haben: Was für ein herausragend schöner Augenblick, was für ein Moment das ist, hinter dem Mondhorizont vorzukommen und die Erde auf einmal wiederzusehen. Das war der entscheidende Moment, der dieses Bild so einzigartig gemacht hat.

Zum ersten Mal sieht die Menschheit ihren Planeten an einem fremden Horizont aufgehen: blau und strahlend – und zerbrechlich im unendlichen Schwarz des Weltalls. Dieses Foto ist eine deutliche Mahnung: Diese kleine Erde ist alles, was wir haben.

Das erste Foto von der Rückseite des Mondes zur Erde - in unbearbeiteter Fassung

Das erste Foto von der Rückseite des Mondes zur Erde - in unbearbeiteter Fassung