Coronavirus tritt in Zelle ein. (Foto: Imago, imago images/Science Photo Library)

Corona-Pandemie

Anti-Wurmmittel erfolgreich im Laborversuch gegen Covid-19

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Die Medikamentensuche gegen Covid-19 läuft. Es wird versucht, an unterschiedlichen Entwicklungsstufen des Virus im Körper anzusetzen – Anti-Wurmmittel scheinen vielversprechend zu sein.

Audio herunterladen (2,4 MB | MP3)

Sars-CoV-2 hemmt die Autophagie

Ein Forschungsteam der Berliner Charité und der Universitätsklinik Bonn hat untersucht, wie der Sars-Cov-2 Erreger vorgeht, um den Stoffwechsel der Zellen umzuprogrammieren und sich dort zu vermehren. Sie fanden heraus, dass das Virus Sars-CoV-2 auch deshalb so erfolgreich ist, weil es in den befallenen Zellen einen internen Recycling-Mechanismus drosselt – die sogenannte Autophagie. Es verhindert so, dass es selbst entsorgt wird.

Wirkstoffe, die das Zell-Recycling ankurbeln

Daher untersuchten die Forschenden im zweiten Schritt Wirkstoffe, die das Zell-Recycling ankurbeln können – und so die Vermehrung der Erreger hemmen. Mehrere dieser bereits bekannten Wirkstoffe wurden dann in Zellkulturversuchen darauf untersucht, ob sie die Vermehrung von Sars-CoV-2 hemmen können.

Coronavirus zerstört infizierte Zelle. (Foto: Imago, imago images/Science Photo Library)
Wirkstoffe werden untersucht, die das Zell-Recycling ankurbeln können – und so die Vermehrung der Erreger in den Zellen hemmen. Imago imago images/Science Photo Library

Im Fachmagazin Nature Communications berichten die Wissenschaftlerinnen, dass sie tatsächlich vier Wirkstoffe gefunden haben, die die Vermehrung in den Zellen ausbremsen könnten. Das sind die Stoffe Spermin und Spermidin, welche in Lebensmitteln wie Weizenkeimen, Soja oder Pilzen vorkommen, beziehungsweise vom Körper selbst produziert werden. Außerdem ein experimentelles Krebsmedikament und das Bandwurmmittel Niclosamid.

Spermidin und Spermin

Spermidin und Spermin haben erfolgreich die Produktion weiterer infektiöser Virenpartikel blockiert – und zwar in hohem Maße. In den Zellen fanden sich zwischen 80 und 90 Prozent weniger Viren. Allerdings waren die Substanzen erst ab einer recht hohen Konzentration wirksam, die nicht für eine medikamentöse Einnahme geeignet ist. Ebenfalls zu 90 Prozent wirksam zeigte sich das experimentelle Krebsmedikament MK-2206, welches aktuell gegen verschiedene Tumore in klinischen Studien untersucht wird.

Spermin (Foto: Imago, imago images/Science Photo Library)
Spermidin und Spermin haben die Produktion weiterer infektiöser Virenpartikel blockiert Allerdings waren die Substanzen erst ab einer recht hohen Konzentration wirksam. Imago imago images/Science Photo Library

Anti-Bandwurmmittel Niclosamid

Am allerbesten jedoch schnitt das Anti-Bandwurmmittel Niclosamid ab. Im Labor konnte es die Produktion von Coronaviren um 99 Prozent senken. Eigentlich ein Lottogewinn, denn Niclosamid ist seit Jahren zugelassen und gut verträglich. Schon in einer früheren Studie zeigte sich das Bandwurm-Mittel effektiv gegen das Mers-Coronavirus.

In Berlin wird Niklosamid zur Zeit im Rahmen einer klinischen Studie auch an Covid-19-Patienten getestet, bei denen eine Erkrankung erst kurz zuvor festgestellt worden ist. Und es wird mit dem Medikament Camostat kombiniert. Camostat ist für die Behandlung von Entzündungen der Bauchspeicheldrüse in Japan zugelassen und soll ebenfalls die Vermehrung von Sars-CoV-2 bremsen.

Anti-Wurmmittel Ivermectin

Auch die Universität Oxford testet eigenen Angaben zufolge in einer breit angelegten Studie die Wirksamkeit eines Anti-Wurmmittels als mögliche Behandlungsmethode bei Covid-19. Es handelt sich um das Medikament Ivermectin, das in der Humanmedizin als Anti-Wurmmittel und gegen Parasiten wie zum Beispiel Krätze zugelassen ist.

Ivermectin (Foto: Imago, imago images/ZUMA Wire)
Das Anti-Wurmmittel Ivermectin kann, wenn das Mittel früh gegeben wird, die Viruslast und die Dauer der Symptome bei einigen Covid-19 Patienten reduziert. Imago imago images/ZUMA Wire

Die Universität Oxford erklärt, eine Pilotstudie habe gezeigt, dass wenn man das Mittel früh gibt, sich die Viruslast und die Dauer der Symptome bei einigen Patienten reduziert. Bisher haben die Weltgesundheitsorganisation wie auch europäische und US-amerikanische Aufsichtsbehörden vom Einsatz des Wurmmittels Ivermectin bei Covid-19-Patienten abgeraten. Trotzdem wird Ivermectin bereits in einigen Ländern, darunter Indien, zur Behandlung der Krankheit eingesetzt.

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG