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Über Kosmetikprodukte und auch Nahrungsmittel gelangt einiges an Aluminium in unserem Körper, das zeigt auch eine neue Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung. Einschätzungen des Toxikologe Dr. Thomas Tietz, der an der Studie mitgewirkt hat:

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt vor gesundheitlichen Risiken durch die Aufnahme von Aluminium. Eine Studie des Instituts hat ergeben, dass Menschen aller Altersgruppen möglicherweise zu viel Aluminium aufnehmen.
Enthalten ist das Leichtmetall unter anderem in Tee, Kaffee und Schokolade, aber auch in Lippenstiften, Deos und Sonnencremes, sowie in Aluschalen für Take away-Essen und Alu-Folie. Der giftige Stoff kann entweder mit dem Essen oder über die Haut aufgenommen werden. Er reichert sich im Körper an und kann Schäden am Gehirn, an Organen oder der Motorik verursachen.

Die Wissenschaftler raten beispielsweise davon ab, saure oder salzige Lebensmittel in Alufolie oder -schalen zu lagern. Zudem empfiehlt das BfR, Lebensmittel und Kosmetika abwechslungsreich auszuwählen, um einseitige Belastungen zu vermeiden.

Beim Grillen mit Alufolie oder in Aluschalen kann über die Nahrung Aluminium in den Körper gelangen. (Foto: Colourbox, Colourbox)
Beim Grillen mit Alufolie oder in Aluschalen kann über die Nahrung Aluminium in den Körper gelangen. Colourbox

Gibt es eine Obergrenze für eine gesundheitlich verträgliche Aluminiummenge im Körper?

Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA hat 2008 eine Menge von einem Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Woche abgeleitet, also für einen durchschnittlichen Erwachsenen ungefähr 60 bis 70 Milligramm pro Woche an Aluminiumaufnahme.

Wie schnell hat man das erreicht? Also was muss man da beispielsweise an Joghurtdeckeln ablecken?

Joghurtdeckel sind beschichtet. Da müssen Sie also keine Sorge haben, dass Aluminium in Ihren Joghurt übergeht oder Sie beim Ablecken Aluminium aufnehmen. Das sieht bei unbeschichteten Menüschalen oder Grillschalen oder Ähnlichem schon anders aus, wenn Sie da saure, salzige Lebensmittel reintun und das dann vielleicht auch noch erhitzen. Dann gehen schon relevante Mengen an Aluminium über.

Wir haben in unserer Studie versucht eine Gesamtschau zu machen. Was nehmen wir über Lebensmittel auf? Was über Kosmetika? Und was kommt über solche Lebensmittelkontaktmaterialien und anderes zusammen? Die gute Nachricht: Wir nehmen weniger Aluminium über Lebensmittel auf als in früheren Studien erfasst.

Damit rücken die anderen Gruppen mehr in den Fokus. So kann man zum Beispiel über Kosmetik insbesondere über aluminiumhaltige Antitranspirantien eine ganze Menge aufnehmen. Gerade Heranwachsende und Erwachsene können, wenn Sie aluminiumhaltige Deos oder abrasive Zahnpasta verwenden und womöglich ihr Pausenbrot in Aluminium einwickeln, dieses eine Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Woche schon signifikant überschritten sein.

Aluminium steckt auch in Kosmetika oder vor allem in Zahnpasta, die eine bleichende Funktion haben soll. (Foto: Colourbox, Colourbox)
Aluminium steckt auch in Kosmetika oder vor allem in Zahnpasta, die eine bleichende Funktion haben soll. Colourbox

Wie erklären Sie sich, dass die Aluminiumbelastung in Lebensmitteln zurückgegangen ist?

Seit 2012 wurden Lebensmittelzusatzstoffe, die aluminiumhaltig sind, europaweit stark reguliert. Die Industrie achtet nun mehr darauf, aluminiumärmere Rohstoffe zu verwenden oder bei der Verarbeitung wenig Aluminium in Kontakt zu Lebensmitteln zu bringen.

Was kann passieren, wenn man langfristig zu viel Alu aufnimmt?

Im Tierversuch hat man gesehen, dass bei entsprechenden Dosen über einen langen Zeitraum die Niere geschädigt werden kann. Auch die Knochen können geschädigt werden. Und bei jungen Ratten hat man beobachtet, dass es bei der Ausbildung der motorischen Fähigkeiten und bei der Ausbildung auch kognitiver Fähigkeiten, also dem Lernverhalten beispielsweise zur Verringerung der Fähigkeiten der Ratten kam, wenn sie höhere Mengen Aluminium aufgenommen haben.

Aus Unfällen mit Aluminium verunreinigtem Dialyse-Wasser aus den 70 er Jahren, wo Dialysepatienten hohe Mengen an Aluminium aufgenommen haben, weiß man, dass auch beim Menschen diese sehr, sehr hohen Mengen an Aluminium zu einer Schädigung des Gehirns, der Nerven führen kann. Allerdings überschritten die Dosen bei weitem, was man normalerweise aufnehmen kann.

Aluminium bleibt über viele Jahre im Körper (Foto: Colourbox, Colourbox)
Aluminium bleibt über viele Jahre im Körper. Möglicherweise könnte eine deutlich erhöhte Konzentration des Leichtmetalls im Körper zu demanzähnlichen Symptomen führen. Colourbox

Wie kann jeder die Aluminium-Aufnahme möglichst gering halten?

Tatsächlich können Sie einen Großteil der Aufnahme selber steuern. Zum Beispiel durch die Wahl ihres Antitranspirans. Da gibt es einfache Deos ohne Aluminium. In der Küche können sie darauf achten, Aluminiumfolien eben nicht im Kontakt mit sauren und salzigen Lebensmitteln zu verwenden. Und an Stelle von Alu-Grillschalen könnten sie wiederverwendbare Edelstahl- oder Keramikschalen nutzen.

Aluminium steckt in vielen Kosmetika (Foto: Colourbox, Colourbox)
Experten empfehlen, möglichst aluminiumfreie Deorants zu verwenden. Colourbox

Muss in den Inhaltsstoffen Aluminium angegeben werden?

Es muss gekennzeichnet sein, wenn da Aluminium drin ist. So ist zum Beispiel in den abrasiven Zahnpasten manchmal auch Aluminium drin. In diesen Zahnpasten sind kleine Kügelchen verarbeitet, die die Zähne abschmirgeln und so aufhellen sollen. Die Kügelchen bestehen zum Teil aus Aluminium-Verbindungen. Das muss dann auf der Verpackung draufstehen. Da sollte man sich gut überlegen, so eine Zahnpasta über einen längeren Zeitraum zu benutzen.

Gibt es Risikogruppen, die besonders aufpassen müssen?

Risikogruppen sind vor allem junge Menschen. Das liegt daran, das Aluminium sehr lange im Körper gespeichert wird. Es kann also bis zu Jahre oder sogar Jahrzehnte dauern, bis die Menge, die man im Körper an Aluminium hat, wieder ausgespült ist.

Außerdem muss man bedenken, dass Aluminium durch die Plazenta geht. Das bedeutet, eine Aluminiumbelastung kann auf einen Embryo übertragen werden. Deswegen sollte man gerade in jungen Jahren sehr genau abwägen, welche zusätzlichen Aluminiumaufnahme man möchte oder auf welche man vielleicht verzichten kann.

Schwangere sollten die Aufnahme von Aluminium über die Nahrung oder Kosmetika nach Möglichkeit vermeiden. (Foto: Colourbox, Colourbox)
Schwangere sollten die Aufnahme von Aluminium über die Nahrung oder Kosmetika nach Möglichkeit vermeiden. Colourbox

Über die Langzeitfolgen der Belastung mit Aluminium ist wenig bekannt

Forschungsbedarf gibt es beispielsweise immer noch bei der Frage nach Krebs. Es wird seit längerer Zeit diskutiert, ob Aluminium - insbesondere aus diesen Antitranspiranzien auf die Haut aufgetragen, zu Brustkrebs führt. Momentan hat man Hinweise, dass die Brustkrebszellen tatsächlich einen höheren Gehalt an Aluminium aufweisen. Allerdings gilt das auch für andere Metalle. Und es ist unklar, ob das jetzt Ursache oder Wirkung ist, also ob das Aluminium den Krebs auslöst oder ob der Krebs einfach alles einsammelt, was er kriegen kann und speichert. Da fehlen noch weitere Forschungen zu diesem Thema, damit man das abschließend bewerten kann.

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