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Ein weiblicher Kleiner Holzbohrer, auch Ambrosiakäfer genannt

Alkohol-liebende Insekten Warum dieser Käfer gerne im Bier landet

Bier mit Fleischeinlage - das kommt schon mal vor: Irgendwelche kleine Insekten, die sich ins Weizen oder Pils verirren. Ein besonderer Kandidat: Der Ambrosiakäfer - auch er wird in den kommenden Wochen den ein oder anderen Bierkrug aufsuchen. Und jetzt haben Wissenschaftler aus Würzburg herausgefunden, warum er das tut.

Die besten Chancen, ihn ins Bierglas zu bekommen, hat man in Biergärten, in denen viele alte Bäume stehen. Auf den ersten Blick hält man ihn vielleicht für eine Fruchtfliege. Aber wenn er dann im Bier landet oder man ihn fängt, werden die Unterschiede deutlich.

Käfer hinterlässt Würstchen aus Bohrmehl

Er ist etwas größer, etwa zwei Millimeter und ist deutlich als Käfer zu erkennen, mit seinem dunklen länglichen Panzer. Dieser Käfer stammt ursprünglich aus Ostasien. Von dort wurde er vor etwa 80 Jahren in die USA eingeschleppt, inzwischen auch nach Europa. Er ist inzwischen weit verbreitet. Es ist eine Borkenkäferart. Das besondere ist: Er frisst Löcher in abgestorbene Bäume, bis zu drei Zentimeter tief, und legt dort seine Eier ab. Wenn man im Frühsommer durch den Wald geht, kann man die sehen, aus den Bohrlöchern in den Bäumen ragen dann typische zentimeterlange Würstchen aus Bohrmehl.

Ambrosiakäfer auf Bier

Ambrosiakäfer fühlen sich von Bier magisch angezogen

Und warum landet er dann im Bier?

Das ist kein Zufall – das ist eigentlich das zentrale Ergebnis des Teams um den Würzburger Forscher Peter Biedermann: "Der Ambrosiakäfer hält das Bierglas für einen Baum". Klingt jetzt ein bisschen dämlich, lässt sich aber leicht erklären: Der Käfer sucht ja für seine Larven abgestorbene Bäume, in die er eine kleine Höhle bohren kann. Absterbende Bäume wiederum dünsten Alkohol aus, um sich vor Schädlingen zu schützen. Daran orientiert sich der Käfer: Er riecht denkt Alkohol und denkt, das ist ein absterbender Baum, auch wenn es manchmal eben nur ein Bier ist.

Ambrosiakäfer züchtet Pilze

Der Alkohol hat aber auch einen Vorteil: Denn in dem Loch, das der Käfer in den Baum bohrt, züchtet er einen besonderen Pilz heran, den Ambrosiapilz. Die Sporen von dem Pilz trägt der Käfer ins Loch hinein, dann wächst dort ein regelrechter Pilzrasen. Von dem ernähren sich später die Larven des Käfers. Dieser Pilz gedeiht tatsächlich am besten im Dunst von Alkohol. Und weil andere Organismen den Alkohol nicht so vertragen, wächst der Pilz dort praktisch außer Konkurrenz.

Ambrosiakäfer hinterlassen in Baumstämmen ihre charakteristischen Spuren

Ambrosiakäfer hinterlassen in Baumstämmen ihre charakteristischen Spuren


Deshalb orientiert sich also der Käfer Richtung Alkohol und landet dann auch mal im Pils (dem mit s). Das ist aber kein Grund zum Ekeln: Einfach rausfischen, das Bier bleibt genießbar. Das jedenfalls versichert Insektenforscher Peter Biedermann. Er erforscht an der Uni Würzburg intensiv Symbiosen zwischen Insekten und Pilzen. „Spannend an der Sache ist, dass früher als Bier/Alkohol noch häufig ins Holzfässern transportiert und gelagert wurde, diese Fässer häufig von Ambrosiakäfern angebohrt wurden. Diese Beobachtungen findet man oft in älterer Literatur zu den Tieren.“

Ob und wie groß der Schaden durch die Käfer damals war, lässt sich heute nicht mehr beurteilen.

Wachstumsversuche mit verschiedenen Pilzarten, die aus den Pilzgärten des Kleinen Holzbohrers isoliert wurden

Wachstumsversuche mit verschiedenen Pilzarten, die aus den Pilzgärten des Kleinen Holzbohrers isoliert wurden