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Vulkane auf Sizilien und in Indonesien Auch der Ätna könnte einen Tsunami auslösen

In Indonesien sorgte eine abrutschende Bergflanke am Vulkan Anak Krakatau für einen Tsunami. Das halten Vulkanologen auch am Ätna langfristig für möglich. Sorgen bereitet ihnen derzeit aber vor allem die Region um Neapel.

Wie gefährlich können die aktuellen Ausbrüche noch werden?

Die Gefahr, die vom Ätna aktuell ausgeht, ist wohl eher gering im Vergleich zu den Ereignissen am Anak Krakatau in Indonesien. Dort sind bereits mehr als 400 Menschen infolge der Überflutungen gestorben. Die indonesische Regierung hat die Warnstufe jetzt noch erhöht und die Gefahrenzone auf 5 Kilometer verdoppelt. Das heißt: Niemand darf näher an die Insel heran.

Die Gefahr dieses Vulkans besteht ja vor allem in den Tsunamis, die er auslösen kann. Der Vulkankrater ist bei den Eruptionen am Wochenende eingestürzt. Dadurch ist eine große Flanke des Bergs in Meer gerutscht und hat den ersten Tsunami ausgelöst. Das belegen auch Satellitendaten, die Vulkaninsel ist schon deutlich geschrumpft. Und da könne auch nochmal was hinterherkommen, sagen die Behörden. Das Problem ist, sie können wegen des schlechten Wetters den Vulkan zur Zeit auch schlecht beobachten.

Der indonesische Vulkan Anak Krakatau rund drei Monate vor dem großen Ausbruch

Der indonesische Vulkan Anak Krakatau rund drei Monate vor dem großen Ausbruch

In Indonesien haben wir gerade erlebt: Wenn so eine Vulkan-Flanke abrutscht ins Meer, dann können gigantische Wellen entstehen – ist so etwas beim Ätna auch denkbar?

Ja, das wird ernsthaft diskutiert. Nicht wegen des aktuellen Ausbruchs – da droht derzeit keine Tsunamigefahr, aber grundsätzlich ist auch der Ätna in Bewegung, er rutscht jedes Jahr ein paar Zentimeter Richtung Meer. Wenn es so gemächlich bleibt, entsteht dadurch auch kein Tsunami. Aber Wissenschaftler vom Geomar in Kiel haben im Oktober eine Studie veröffentlicht und kommen zum Ergebnis, dass sich der Vulkan zwischendurch auch mal schneller bewegt. Und es gebe zumindest ein gewisses Risiko, dass auch mal größere Bergflanken ins Meer stürzen.

Dann hätten wir tatsächlich vermutlich einen Tsunami im östlichen Mittelmeer, möglicherweise bis nach Griechenland oder sogar die Türkei. Es gibt Hinweise, dass genau das schon mal vor gut 8.000 Jahren passiert ist. Insofern ist das eine reale Möglichkeit – im Moment deutet aber nichts darauf hin, dass das in absehbarer Zeit passiert.

Schäden nach dem Tsunami in Lampung, Indonesien im Dezember 2018

Schäden nach dem Tsunami in Lampung, Indonesien im Dezember 2018

Bei Neapel ist ein weiterer Vulkan, der Vesuv. Und direkt daneben schließen sich die sogenannten Phlegräischen Felder an. Geologen beobachten schon seit Jahren, dass sich dort die Erde hebt und senkt. Wie gefährlich kann das denn noch werden?

Die Gefahr gilt als sehr real. Sowohl ein Ausbruch des Vesuv, als auch der Phlegräischen Felder auf der anderen Seite von Neapel. Da steht zwar kein hoher Berg, aber da brodelt es gewaltig, denn unter denen lauert ein sogenannter Supervulkan. Das bedeutet, dort befindet eine besonders große Magmakammer. Kleinere Ausbrüche gibt immer wieder, die sind meist harmlos. Aber vor 39.000 Jahren gab es eine richtige heftige Explosion, und nachdem sich die Magmakammer entleert hat, ist der Boden darüber eingestürzt. Und wenn das wieder passiert, dann könnten große Teile von Neapel zerstört werden, dann haben wir Aschewolken über Europa und – da diese Phlegräischen Felder sich nah an der Küste befinden - sicherlich auch einen heftigen Tsunami.

Es kann sein, dass der nächste Ausbruch erst in ein paar tausend Jahren erfolgt, aber die italienischen Geologen wollen nicht darauf wetten. Sie beobachten zum einen, dass sich der Boden in den letzten Jahren immer wieder stärker hebt und senkt. Zum anderen sehen sie an der Chemie von Gesteinsbrocken, die bei kleineren Ausbrüchen zuletzt rausgeschleudert wurden, dass der Druck unter der Erde offenbar zunimmt. Was das genau zu bedeuten hat, ist schwer zu sagen.

Erdbeben in Sizilien

Trümmer liegen vor einem beschädigten Gebäude in Fleri, Sizilien. Ein Erdbeben, das durch den italienischen Vulkan Ätna ausgelöst wurde, hat am 26.12. 2018 Ostsizilien erschüttert.

Wie gut sind die Italiener denn vorbereitet auf solche Katastrophen-Szenarien?

Gerade weil das als eines der gefährlichsten Vulkangebiete der Welt gilt, wird das natürlich ständig überwacht. Es gibt Notfall- und Evakuierungspläne. Wenn man an der italienischen Küste ist oder auch auf Stromboli, da gibt es überall Hinweise, wohin man sich im Fall eines Tsunamis begeben soll. Nur all diese Maßnahmen können, auch wenn die Warnungen rechtzeitig erfolgen, am Ende viele Menschenleben retten, aber natürlich nicht die Häuser und die Stadt Neapel.