Bitte warten...
Achterbahn im Keller

Neue Antriebssysteme für die Industrie Achterbahn in der Fabrik

Mit 70 km/h durch die Fabrik: So könnten Achterbahnen künftig Werkstücke transportieren. Ingenieure der Universität Stuttgart entwickeln dafür einen neuen Antrieb für Achterbahnen.

Seit letztem Jahr fährt in einem Allgäuer Freizeitpark eine neuartige Achterbahn umher. Sie besteht aus schwungvoll gewundenen Stahlrohren, auf denen ein Wagen sitzt. Auf dem Wagen wiederum können zwei Personen wie auf einem Motorrad Platz nehmen. Das alles ist aber nicht das Besondere an der Achterbahn.

Flexible Kette

Das Interessante an diesem Konzept ist eigentlich das Antriebssystem. Herzstück des Systems ist ein flexibles Ketten-Element. Und das sei in der Lage, diese ganzen Kurven, Verwindungen von der Fahrschiene mitzumachen, erklärt Markus Schröppel.

Auf einer sich bewegenden Produktionsstraße für Autos arbeiten Mitarbeiter / Im Vodergreund ein Mann mit Laptop

Heutige Werke werden mit vielen halbfertigen Teilen versorgt, jedoch können die nicht direkt ans Fließband geliefert werden.

Er hat das Konzept für die Achterbahn am Institut für Fördertechnik und Logistik der Universität Stuttgart entwickelt. Die flexible Kette, von der er spricht, sitzt fest auf den Stahlrohren der Achterbahn. Sie besteht aus Metallzähnen.

Zähne für Fahrspaß

In diese Zähne greift der Antrieb des Achterbahnwagens mit einem speziellen Zahnrad ein. So kann der Wagen beschleunigen und bremsen, was für Fahrspaß sorgen soll. Aber Markus Schröppel und seine Leute sind Logistiker. Selbstverständlich wollen sie noch viel mehr aus der Idee rausholen.

In einem Allgäuer Freizeitpark ist die neu entwickelte Antriebstechnik bereits in Betrieb

Im Allgäuer Skylinepark ist die neu entwickelte Antriebstechnik bereits in Betrieb. Jetzt soll die Technik auch für die Verwendung in Fabriken oder Skiliften weiter entwickelt werden.

Ihr Ziel ist, eine Transportmöglichkeit von 60 bis 70 Kilometer pro Stunde zu erzielen. Das wäre zum Beispiel in der Autoproduktion interessant, sagt Markus Schröppel. Heutige Werke werden mit vielen halbfertigen Teilen versorgt, jedoch können die nicht direkt ans Fließband geliefert werden.

Transport auf Achterbahn

Heute geschieht dieser Transport noch mit LKW oder speziellen Fahrzeugen auf dem Fabrikgelände. Man könnte es aber auch mit einem Transportsystem nach dem Vorbild der Achterbahn machen. Das wäre schnell und zuverlässig, und durch den Aufbau mit Kette und Zahnrad weiß man ohne zusätzliche Sensoren stets, wo sich welcher Transportwagen – und damit welches Bauteil – befindet.

Achterbahn im Keller - Für die neue Antriebstechnik gibt es viele potentielle Einsatzmöglichkeiten

Für die neue Antriebstechnik gibt es viele potentielle Einsatzmöglichkeiten - in der Freizeit und in der Industrie.

Interesse aus der Industrie gebe es bereits, sagt Markus Schröppel. Aber wie so oft bei der Ingenieurskunst ist erst mal Optimierungsarbeit gefragt. Der Logistiker steigt an seinem Institut in Stuttgart in einen Fahrstuhl und drückt den Knopf für das Untergeschoss. Dort angekommen öffnet sich die Tür und gibt den Blick auf die 50 Meter lange Forschungsachterbahn frei.

Dauertests für Varianten

Die Forschungsachterbahn windet sich um die Säulen der unterirdischen Halle. Hier haben die Experten das ursprüngliche Konzept entwickelt. Da ging es etwa darum, mit der Kette extreme Kurven zu formen.

Markus Schröppel fährt einen Computer hoch, es ist Zeit für eine Probefahrt. Der Wagen beschleunigt, fährt zunächst eine Kuppe hoch, oben eine Rechtskurve, dann wieder hinab, bremst, beschleunigt und legt sich geschmeidig in die Steilkurve.

Viele Anwendungen

Die überall angeschlossenen Messgeräte sind wichtig, um Daten über die Anlage zu sammeln. Bei diesen Dauertests untersuchen die Forscher etwa immer neue Varianten der Kette. Beim ursprünglichen Prototyp war die noch sehr kleinteilig.

Die neue Variante der Kette besteht aus größeren Gussteilen. Das macht die Produktion und die Montage günstiger. Auch die Schiene der Bahn wollen die Ingenieure vereinfachen. Als Anwendung des Ganzen schweben ihnen dann nicht nur Transportsysteme für Bauteile vor, sondern auch für Menschen, etwa in Skigebieten. Diese Anlagen würden dann aber wahrscheinlich einen weniger spektakulären Streckenverlauf haben als die Achterbahn im Keller.