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Ein Auspuff eines Autos und Reifenspuren auf dem Boden

Die Abgasversuche der Autolobby Die Affenversuche sind der eigentliche Skandal

Kommentar von Gábor Paál

Die Autolobby wollte beweisen, dass Dieselabgase und Stickoxide doch nicht so gefährlich sind. Dazu hat sie auch Versuche an Menschen durchführen lassen. Doch der eigentliche Skandal liegt woanders.

Vermutlich hätte sich niemand über die "Menschenversuche" aufgeregt, wenn es nicht zuvor die Nachricht von den Affen-Versuchen gegeben hätte. Aber nun gab es diese mediale Steigerung: Es gab nicht nur Affen-, sondern auch Menschenversuche. Und das auch sogar in Deutschland. Das suggeriert, die Menschenversuche seien noch skandalöser. Doch so ist es nicht.

"Menschenversuch" vs. "Affenversuch"

"Menschenversuche", schon das Wort weckt düstere Assoziationen, als ginge es um Versuchs-Sklaven. Tatsächlich handelte es sich um freiwillige Probanden. Sie wurden anders als die Affen nicht mit Dieselabgasen eingeräuchert, sondern lediglich einer etwas erhöhten Konzentration von Stickoxiden ausgesetzt. Etwas erhöht heißt, die Stickoxid-Konzentration war maximal dreimal so hoch wie der offizielle Grenzwert am Arbeitsplatz. Das schlimmste, was den Probanden hätte passieren können ist, dass sie ein paar Stunden lang gereizte Atemwege haben. Für dieses überschaubare Risiko haben sie Geld bekommen haben. Das ist nichts Unübliches in der medizinischen Forschung.

Wissenschaftlich fragwürdig

Es gibt viele Studierende, die sich so ihren Unterhalt aufbessern. Ethisch gibt es an diesen Versuchen nichts auszusetzen - wissenschaftlich schon: Denn das Ergebnis war: Die 25 Personen hatten trotz der stickoxidgeschwängerten Luft hinterher keine Beschwerden. Das sagt aber nichts, das räumt auch der Versuchsleiter selbst ein. Die Versuchspersonen waren jung und gesund, das Ergebnis lässt sich also nicht auf ältere oder gesundheitlich angeschlagene Personen übertragen.

Die Affenversuche sind der eigentliche Skandal

Der eigentliche Skandal bleiben deshalb die Affenversuche. Die wurden – so kann man es den Schilderungen entnehmen – in eine kleine Kammer gesperrt und dann mit Auspuffabgasen eingenebelt. Damit sie sich entspannen, durften sie Comic-Filme gucken ... nun ja. Ziel des Versuchs war es erklärtermaßen, die Weltgesundheitsorganisation zu widerlegen, die Dieselabgase als sicher krebserregend einstuft. Ob diese kurzfristigen Inhalations-Versuche dazu geeignet waren, ist fragwürdig. Dieser Versuch wäre vermutlich in Europa nicht genehmigt worden. Die Regeln für Versuche an Affen sind hier noch strenger als die bei anderen Tierarten. Die Versuche müssen medizinisch wirklich wichtig sein und die Forscher müssen zeigen, dass es keine Alternativen gibt, zum Beispiel auch mit anderen Tieren. Schon diese Voraussetzungen waren wohl kaum erfüllt.

Makakenaffenbaby

Geklontes Affenbaby aus China - ein sogenannter Javaneraffe. Die gleiche Affenart wurde auch für die Abgastests herangezogen.

Gleiche Affen wie bei Klon-Experiment

Zudem waren die Experimente so diletantisch, dass die Studie abgebrochen wurde, es wurden keine Ergebnisse veröffentlicht. Angeblich wusste der Versuchsleiter nicht einmal, dass die Abgase von manipulierten Fahrzeugen stammten. Diese 10 Affen haben völlig umsonst gelitten – ethisch ist das nicht vertretbar. Es handelte sich übrigens um Javaneraffen – die gleiche Primatenart, die kürzlich in China zum ersten Mal geklont wurde. Mit dem erklärten Ziel, genetisch identische Versuchstiere in Serie herzustellen, um die Experimente aussagekräftiger zu machen und am Ende weniger Versuchstiere zu benötigen. Doch solche Versuche wie in den USA wecken eher die Befürchtung, dass Affenversuche noch immer viel zu leichtfertig durchgeführt werden.