Triebwerk der Zukunft Von Frankfurt nach Sydney - in 4,5 Stunden?

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Zwischen Frühstück und Mittagessen einmal um die halbe Welt? Ein neuartiger Flugzeugantrieb soll es möglich machen. Bekannte Firmen und die ESA beteiligen sich finanziell.

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6:00 Uhr
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SWR Aktuell

Nicht einmal die Concorde hätte das geschafft: Von Frankfurt nach Sydney in viereinhalb Stunden. Aber ein neuartiger Flugzeugantrieb könnte das in den Bereich des Möglichen rücken. In Großbritannien wird er entwickelt und bekannte Firmen wie Boeing und Rolls Royce beteiligen sich finanziell an der Entwicklung des neuen Triebwerkstyps. Sogar die Europäische Weltraumbehörde ESA hat schon in das Projekt investiert. Alles ernstzunehmende Adressen – da sollte also auch ein ernstzunehmendes Projekt dahinterstecken.

Bereits seit Jahren entwickelt die britische Firma Reaction Engines ein Triebwerk, das beim Start wie ein normales Flugzeugtriebwerk funktioniert, aber bei hohen Geschwindigkeiten auf einen Raketenmodus umschalten kann.

Reisen mit 5-facher Schallgeschwindigkeit

Ein damit ausgerüstetes Flugzeug startet also im normalen Modus bis es damit nicht weiter beschleunigen kann - das ist bei etwa der dreifachen Schallgeschwindigkeit der Fall. Um noch schneller zu werden, wird das Triebwerk dann auf Raketenbetrieb umgestellt und sollte dann über fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen. Das wäre schnell genug um in viereinhalb Stunden von London nach Sydney um den halben Erdball zu fliegen.

Mögliches Flugzeug mit Sabre-Triebwerk (Foto: Reaction Engines)
So könnte ein Flugzeug aussehen, dass Passagiere mit der fünffachen Schallgeschwindigkeit transportieren würde. Reaction Engines

Die technische Herausforderung dabei: Bei den sehr hohen Geschwindigkeiten wird die Luft, die in das Triebwerk einströmt, sehr heiß - der in ihr enthaltene Sauerstoff auch. Im Raketenmodus benötigt das Triebwerk aber keinen heißen, sondern eiskalten Sauerstoff. Die einströmende Luft muss deshalb in Sekundenbruchteilen von 1000 Grad Hitze auf minus 150 Grad heruntergekühlt werden.

Umweltfreundliche Abfallstoffe

Zusammen mit dem kalten Sauerstoff wird Wasserstoff verbrannt. Dabei entsteht als Abfallprodukt des Triebwerks Wasser und ein sehr geringer Anteil Stickoxide – also ein durchaus umweltfreundlicher Antrieb im Vergleich zu den Kerosinverbrennern.

Bodentests des Kühlsystems sind schon vor Jahren erfolgreich verlaufen. Dass sich die Fertigstellung des kompletten Triebwerks trotzdem immer weiter verzögert, hat damit zu tun, dass dem Projekt immer wieder mal Geld fehlt, weil sich noch kein Flugzeugbauer zum Bau eines neuen Überschalljets durchringen konnte. Das wirtschaftliche Desaster der Concorde-Flieger ist unvergessen.

Möglicher Einsatz im Weltall

Mit dem neuen Antrieb könnten aber auch Satelliten ins erdnahe Weltall transportiert werden und dafür ist die Anfrage zur Zeit sehr hoch. Wenn sich solche Frachtflüge etabliert haben, könnten vielleicht auch erdumspannende Passagierflüge drin sein - aber sicher nicht vor den 2030er Jahren.

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