Raumfahrt Macht ein Weltraumbahnhof in Deutschland Sinn?

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Die deutsche Industrie wünscht sich einen Weltraumbahnhof an der deutschen Küste. Macht das überhaupt Sinn?

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Deutschland liegt nicht am Äquator

Es gibt einen guten Grund dafür, dass es bislang keine Weltraumbahnhöfe in Deutschland gibt. Deutschland liegt nicht wirklich nahe am Äquator. Dort, am Äquator, lassen sich Raketen viel energiesparsamer starten als von unseren nördlichen Breitengraden aus.

Deshalb liegt der amerikanische Startplatz in Cape Canaveral/ Florida, am südlichsten Zipfel USA. Der früher sowjetische und jetzt russische Weltraumbahnhof wurde im kasachischen Baikonur gebaut und Europa startet die Ariane-Raketen von Kourou aus. Das liegt direkt am Äquator in der Kolonie Französisch-Guyana. Mit dieser physikalisch sehr günstigen Äquatornähe könnten Startplätze in Mecklenburg-Vorpommern oder Niedersachsen nicht mithalten.

Test eines NASA-Orion-Startabbruch-Systems in Cape Canaveral, Florida, USA. (Foto: Imago, imago images / ZUMA Press)
Test eines NASA-Orion-Startabbruch-Systems in Cape Canaveral, Florida, USA. Imago imago images / ZUMA Press

Mitfluggelegenheiten gibt es genug

Taugt ein deutscher Weltraumbahnhof dann vielleicht für kleinere Raketen? Kleinere Raketen lassen sich immerhin auch von Flugzeugen ins All starten. Das US-amerikanische Unternehmen Northrop Grumman bietet solche fliegenden Starts schon seit Jahren an, weitere Anbieter haben solche Systeme in Entwicklung. Diese Kleinraketen können dann aber auch nur einzelne Satelliten in niedrige Umlaufbahnen transportieren. Ob dieses Geschäftsmodell trägt ist ungewiss, weil es derzeit für kleine Satelliten auch immer wieder günstige Mitfluggelegenheiten auf großen Raketen gibt, die nicht ausgelastet sind.

Northrop Grumman Pegasus XL-Rakete mit dem Ionospheric Connection Explorer der NASA (Foto: Imago, imago images/ZUMA Press/ Ben Smegelsky NASA)
Am Weltraumbahnhof in Cape Canaveral (USA) wird eine Northrop Grumman Pegasus XL-Rakete mit dem Ionospheric Connection Explorer der NASA für den Start vorbereitet. Imago imago images/ZUMA Press/ Ben Smegelsky NASA

Notlandung in Deutschland schwierig

Bleibt als möglicher Sinn und Zweck für Weltraumbahnhöfe in Deutschland noch der Weltraumtourismus: Da geht es aber nicht darum, Menschen in eine Umlaufbahn um die Erde zu schießen, sondern sie für wenige Minuten in 100 Kilometer Höhe an den Rand des Alls zu bringen und dann in ihrer Kapsel wieder am Startplatz oder in dessen Nähe landen zu lassen.

Die US-Unternehmen Virgin Galactic und Blue Origin haben solche Konzepte schon weit entwickelt. Virgin Galactic hat auch schon mal mit dem Bau eines Startplatzes in Schottland geliebäugelt. Und Schottland hat einen wichtigen Vorteil gegenüber Mecklenburg-Vorpommern oder Niedersachsen. Geht ein Raketenstart schief, dann erstreckt sich vor der schottischen Küste viel Meeresfläche, auf der ein Flugkörper ungeplant niedergehen kann – ohne große Gefahr für Unbeteiligte. Im dicht besiedelten Deutschland wäre das schwierig.

Vorbereitungen zum Weltraumflug der Sojus MS-15 (Foto: Imago, imago images/ITAR-TASS)
Vorbereitungen zum Weltraumflug der Sojus MS-15 zur Internationalen Raumstation ISS: Ein Sojus-FG-Raketen- Booster wird zum Startplatz auf dem Kosmodrom Baikonur transportiert. Imago imago images/ITAR-TASS
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