Medizin Masernerkrankung schädigt Immunsystem langfristig

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Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit - rund einer von 1000 Patienten stirbt an den Folgen. Zwei neue Studien zeigen: Eine Infektion schwächt auf lange Sicht das Immunsystem.

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Wenn wir mit gefährlichen Erregern in Kontakt kommen, bildet unser Immunsystem Antikörper – so können wir die nächste Infektion erfolgreich abwehren. Genau dieser Mechanismus funktioniert nach einer Masern-Erkrankung nur noch eingeschränkt. Selbst wenn Kinder die Masern scheinbar gut überstanden haben, bleibt ihre Abwehr gegen andere Krankheiten über lange Zeit geschwächt.

Das ist das Ergebnis von gleich zwei aktuellen Studien, die jetzt in den Fachblättern „Science“ und „Science Immunology“ veröffentlicht wurden. Die Forscher aus England, Holland und den USA werten ihre Daten als weiteren Beleg dafür, wie wichtig eine Impfung gegen Masern ist.

Mädchen mit Masern (Foto: Imago, imago)
Eine Masernerkrankung schwächt das Immunsystem auf Jahre hin. Das macht auch anfälliger für andere, teils schwere Infektionskrankheiten. Imago imago

Nach Masern leidet Immunsystem unter "Gedächtnisschwund"

Auf ein längerfristige Schwächung des Immunsystems nach einer Masernerkrankung hatten bereits frühere Studien hingedeutet, die neuen Daten liefern jetzt den Beweis. Grundlage waren Untersuchungen an 77 ungeimpften Schülern in den Niederlanden. Die Wissenschaftler hatten den Kindern mit Zustimmung der Eltern vor und nach einer Masernepidemie Blut abgenommen. Nach der Masernwelle fanden sich bei infizierten Kindern elf bis 73 Prozent weniger schützende Antikörper gegen andere ansteckende Krankheiten. Diese „Immun-Amnesie“ kann bis zu fünf Jahre dauern.

Eine Masernerkrankung kann bei schwerem Verlauf auch das Gehirn schädigen. (Foto: Imago, imago)
Eine Masernerkrankung kann bei schwerem Verlauf auch das Gehirn schädigen. Imago imago

Antikörper auch gegen andere Krankheiten werden bei Masern zerstört

Bei Kindern, die gegen Masern geimpft waren, blieb das Immunsystem dagegen intakt. Die Forscher berichten, dass die Abwehrkräfte mancher ungeimpfter Kinder nach ihrer Masernerkrankung so schwach waren wie bei Babys. Je stärker die Masern, desto größer die negativen Folgen fürs Immunsystem.

Bei Versuchen mit Affen (Makaken) waren nach fünf Monaten im Schnitt 60 Prozent von wichtigen Antikörpern gegen andere Erkrankungen verschwunden. Und bei Frettchen zeigte sich, dass sogar eine vorher wirksame Grippe-Impfung keinen Schutz mehr bot, wenn die Frettchen mit Masern infiziert wurden.

Die neuen Studien sprechen dafür, Knder gehen Masern zu impfen. (Foto: Imago,  imago images / Arnulf Hettrich)
Die neuen Studien sprechen dafür, Kinder gehen Masern zu impfen. Imago imago images / Arnulf Hettrich

Masernimpfung verhindert Todesfälle durch andere Erreger

Das lässt die Wissenschaftler befürchten, dass Kinder nach einer schweren Masernerkrankung möglicherweise erneut gegen andere Krankheiten wie Diphterie, Tetanus oder Keuchhusten geimpft werden müssen. Die Bilanz der Forscher ist eindeutig: Sie warnen, dass sinkende Impfquoten bei Masern indirekt zu mehr Todesfällen durch andere gefährliche Erreger führen könnten.

Weitere Informationen zum Thema:

Planet Wissen: Gefährliche Masern-Epidemie 

Planet Wissen: Impfungen schützen vor Krankheiten wie Masern, Mumps und Röteln

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