Tiere Faultier - das langsamste Säugetier der Welt

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Am 19. Oktober ist Welt-Faultiertag. Wir stellen uns das Faultierleben gern paradiesisch vor. Doch Faultiere sind gar nicht so faul, wie ihr Name es vorgibt. Sie haben sich auf faszinierende Weise an ihren Lebensraum angepasst.

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Im Langsamsein sind Faultiere die Besten. Unendlich langsam pflücken sie Blätter von den Bäumen, die sie in Zeitlupe in sich hineinstopfen. Und das nur, wenn sie nicht gerade ein Nickerchen machen. Mindestens 15 Stunden am Tag dösen oder schlafen sie. Aber sind sie deshalb faul – oder nur sehr gut an ihr Leben im Dschungel angepasst?

Faultiere, die Energiesparer

Weil sie sich größtenteils von Blättern ernähren, haben Faultiere nicht so viel Energie zur Verfügung wie andere Tiere. Sie müssen also permanent im Energiesparmodus leben, und das funktioniert am besten, wenn sie sich so wenig wie möglich bewegen.

Ältestes Faultier der Welt kommt ins Guinness-Buch (Foto: dpa Bildfunk, Fotograf: Hendrik Schmidt)
Paula ist das älteste bekannte Faultier der Welt. Die Zweifingerfaultier-Dame lebt seit 1971 im Bergzoo Halle (Saale) und feierte im Juni ihren 50. Geburtstag. Jetzt hat sie es sogar ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Fotograf: Hendrik Schmidt

Warum Faultiere sich in die Sonne hängen

Eigentlich sind Faultiere im Gegensatz zu den sogenannten wechselwarmen Tieren gleichwarm. Wie beim Menschen bleibt ihre Körpertemperatur immer gleich. Aber wenn es in der Nacht kalt wird, dann kühlen sie ab. Bis zu acht Grad kälter kann ihr Körper werden. Am nächsten Morgen müssen sich die Faultiere erst mal in die Sonne hängen. Nur so werden sie wieder richtig warm.

Im Zusammenleben mit Menschen wird diese Langsamkeit zum Nachteil. Faultiere werden gejagt, dienen als Fleisch-Lieferant oder werden als Haustiere weiterverkauft. Um darauf aufmerksam zu machen, ruft die kolumbianische Natur- und Tierschutzorganisation Aiunau immer am dritten Samstag im Oktober zum Welt-Faultiertag auf.

Faultiere bewegen sich in Zeitlupe

Für das Faultier ist aber nicht nur der Mensch eine Gefahr. Auch bei anderen Raubtieren steht es auf dem Speiseplan. Normalerweise versteckt sich das Faultier in den Bäumen, aber ab und zu muss es doch auf den Boden. Und dann wird es gefährlich. Denn das Faultier kann nach Expertenschätzungen in Gefahrensituationen nur bis maximal 1,9 Kilometer pro Stunde zurücklegen. Zum Vergleich: Geoparden schaffen bis zu 93 km/h.

Faultiere leben die meiste Zeit fast regungslos auf Bäumen.  (Foto: Imago, imago images/Ardea)
Faultiere leben die meiste Zeit fast regungslos auf Bäumen. Imago imago images/Ardea

Toilettengang ist lebensgefährlich

Auch der Stoffwechsel der Tiere ist besonders langsam: einer der langsamsten aller Säugetiere überhaupt. Durch ihre pflanzliche Kost verdauen sie für eine sehr lange Zeit, und müssen nur einmal in der Woche ihr Geschäft verrichten. Dafür klettern sie von den Bäumen herunter, und suchen sich eine Stelle am Waldboden. Und begeben sich dabei in Lebensgefahr, denn am Boden sind sie nicht geschützt vor Fressfeinden.

Warum verlassen die Faultiere für ihr Geschäft überhaupt den sicheren Baum? Das hat Forschern lange ein Rätsel aufgegeben. Immerhin sterben etwa die Hälfte der erwachsenen Faultiere beim Toilettengang. Evolutionär sinnvoll erscheint das nicht.

Faultiere verlassen eher selten ihren Baum (Foto: Imago, imago images/Ardea)
Um ihr Geschäftchen zu verrichten, verlassen Faultiere rund einmal die Woche den Baum. Das kann für sie allerdings sehr gefährlich werden. Imago imago images/Ardea

Motten profitieren vom Faultier-Kot

Vor einigen Jahren haben Biologen darauf eine mögliche Antwort gefunden. Der hochriskante Klo-Besuch der Faultiere ist Teil einer komplexen Wechselbeziehung zwischen Faultier, Motte und Algen:

Wenn das Faultier auf den Boden klettert und dort sein Geschäft macht, unterstützt es damit den Lebenszyklus sogenannter Faultier-Motten. Das ist eine Gruppe von Motten, die sich im Faultier-Dung fortpflanzt, und auch die Larven wachsen dort auf. Erwachsene Motten ziehen ins Fell des Faultiers, und paaren sich dort.

Symbiosekreislauf eines Faultieres (Foto: Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences)
Symbiosekreislauf eines Faultieres. Aus den Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences. Autoren: Jonathan N. Pauli, Jorge E. Mendoza, Shawn A. Steffan, Cayelan C. Carey, Paul J. Weimer and M. Zachariah Peery Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences

Das Faultier züchtet auf sich seine eigenen Snacks

Nicht nur Motten, auch andere Lebewesen leben im Faultier-Fell. Wie etwa die Grünalgen-Gattung Trichophilus. Sie ist für die Bilder verantwortlich, auf denen grün schimmernde Faultiere zu sehen sind.

Die Grünalge dient den Faultieren als perfekte Tarnung im dichten Blattgrün, aber auch als Snack. Denn die Algen, die ausschließlich im Faultier-Fell wachsen, sind viel fettreicher als gewöhnliche Blätter, die das Faultier den ganzen Tag über futtert.  

Faultier mit "Algenzucht" im Fell (Foto: Imago, imago/All Canada Photos)
Faultier mit "Algenzucht" im Fell Imago imago/All Canada Photos

Das Faultier lebt symbiotisch

Der Dünger für diese Algen kommt ausgerechnet von den Faultier-Motten. Denn die sorgen dafür, dass Ammonium im Fell vorkommt, der perfekte Nährstoff für die Algen. So ergänzen Algen und Motten sich. Für das Faultier heißt das: Ein kleiner Snack für zwischendurch ist immer mit dabei. Faul ist das Faultier also nicht – sondern nur sehr gut an seine energiesparende Lebensweise angepasst.

Früher gab es Riesenfaultiere - groß wie Elefanten

Vor über 10.000 Jahren gab es in Südamerika noch Riesenfaultiere. Manche von ihnen wurden so groß wie Elefanten, über sechs Meter lang. Und mehrere Tonnen schwer. Im Gegensatz zu den heutigen Faultieren lebten sie nicht auf Bäumen, sondern auf dem Boden.

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