Astronomie Gigantische Gammastrahlenausbrüche im All

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Forscher haben die bisher gewaltigsten Gammastrahlenausbrüche im All gemessen. Sie sind glücklicherweise Milliarden Lichtjahre entfernt, sonst wäre das Leben auf der Erde gefährdet.

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Der Energiegehalt eines ganzen Sonnenlebens

GRB Gamma-Ray Bursts, zu deutsch Gammastrahlenausbrüche, sind eines der ganz großen Rätsel, vor die das Weltall die Forscherinnen und Forscher stellt. Die Strahlung ist von derart hoher Frequenz, dass man sich noch nicht so ganz erklären kann, wie sie entsteht. Ein einzelner Gammastrahlenausbruch dauert nicht lange, von wenigen Sekunden bis ein paar Minuten. In dieser kurzen Zeit verfeuert der Burst aber auf einen Schlag so viel Energie wie unsere Sonne in Milliarden von Jahren.

Nachglühen des Gammablitzes (Foto: Pressestelle, MPI  für Physik , München © H.E.S.S.-Kollaboration)
Nachglühen: Der Gammablitz GRB 180720B, zehn bis zwölf Stunden nach dem Ausbruch, gesehen mit dem großen H.E.S.S.-Teleskop. Das rote Kreuz zeigt die im optischen Bereich bestimmte Position des Blitzes. Pressestelle MPI für Physik , München © H.E.S.S.-Kollaboration

Gammastrahlen könnten Ozonschicht zerstören

Die jetzt beobachteten Ausbrüche sind die gewaltigsten, die bislang gemessen wurden. Sie ereigneten sich Milliarden Lichtjahre abseits unseres Sonnensystems und stellten keine Gefahr für das Leben auf der Erde dar. Ereignet sich ein solches Ereignis aber in wenigen hundert statt Milliarden Lichtjahren Entfernung von der Erde, könnte deren Ozonschicht zerstört werden und die dadurch erhöhte UV-Strahlung für das Aussterben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten auf unserem Planeten sorgen.

Teleskope ermöglichen Einblicke in die Tiefen des Alls

Astronomen verfügen mittlerweile über faszinierende technische Möglichkeiten, um die rätselhaften Strahlungsausbrüche genauer beobachten zu können. Sie werden oft zuerst von Weltraumteleskopen entdeckt. Die schlagen dann automatisch Alarm und so können auch Sternwarten auf der Erde ihre tonnenschweren Teleskope innerhalb von Sekunden exakt auf jene Stellen ausrichten, aus denen die Strahlung kommt.

Mit GRB190114c beobachteten die beiden MAGIC-Teleskope den stärksten jemals gemessenen Gammablitz  (Foto: Pressestelle, © Robert Wagner/MAGIC)
Erfolgsduo: Mit GRB190114c beobachteten die beiden MAGIC-Teleskope den ersten Gammablitz – und dann auch noch den mit der höchsten bisher bekannten Energie. Pressestelle © Robert Wagner/MAGIC

Sterbende Sterne sorgen für Strahlungsausbrüche

Mittlerweile hat man klare Hinweise darauf, dass sterbende Sterne eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Strahlungsausbrüche spielen. Wenn ein Stern am Ende seiner Brenndauer unter seinem eigenen Gewicht in sich zusammenstürzt, kann sich ein Schwarzes Loch bilden. Übriggebliebene Sternmaterie umkreist dieses Schwarze Loch mit nahezu Lichtgeschwindigkeit und strahlt dabei auch im Gammabereich. Die Schockwelle der Sternimplosion könnte die Gammastrahlung dann um ein Vielfaches verstärken – vermuten Astrophysiker.

Astrophysiker suchen nach besseren Erklärungen für die gigantischen Ausbrüche

Die nun von Teleskopen auf den Kanaren und in Namibia registrierten Ausbrüche sind aber nicht nur gewaltiger als alles bislang Gemessene. Auch ihr zeitlicher Verlauf passt nicht so ganz zu den Erklärungen, die die Astrophysiker bislang für die extrem hohe Energie der Gamma Ray Bursts haben.

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