Revolution im Büro 80 Jahre Kugelschreiber

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Laut Statistik hat jeder Deutsche heute etwa dreizehn Kugelschreiber. Das haben wir dem ungarischen Erfinder László József Bíró zu verdanken. Am 25. April hat das universelle Schreibgerät Geburtstag.

Hat mal jemand mal einen Kugelschreiber? Was wären wir ohne dieses schlichte, preiswerte Schreibgerät? Schnell mal die die Telefonnummer einer neuen Bekanntschaft notieren, das Nummernschild des flüchtigen Parkplatzremplers oder die Eckdaten der Traumwohnung im Schaufenster der Bankfiliale, alles geht.

Kugelschreiber mit Übersetzungsproblem

Wer seinen Tischnachbarn auf einer internationalen Konferenz nach einem „Ball Writer“ fragt, um einen Kugelschreiber zu leihen, wird bei den ausländischen Kollegen auf völliges Unverständnis stoßen und sich als wenig fremdsprachsicher outen. So schön das deutsche Wort für dieses Schreibgerät auch ist, mit der wörtlichen Übersetzung kommt man international nicht weit.

Frau beißt auf einen Kugelschreiber (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Verbreitet, aber mitunter tödlich: Rund 300 Menschen sterben jährlich in Deutschland an den Folgen verschluckter Kugelschreiberteile. Thinkstock -

Der Erfinder war ein Ungar

Für die Engländer ist unser „Kugelschreiber“ ein „Biro (Beiro)“, für die Italiener ein „Biro“ und Spanier sprechen vom „Birome“. Es sind Bezeichnungen, die als Verbeugung vor dem Erfinder des Kugelschreibers verstanden werden können: László József Bíró, ein ungarischer Erfinder, der nach einem abgebrochenen Medizinstudium unter anderem als Versicherungsmakler und Rennfahrer arbeitete, dann Chefredakteur einer Kunstzeitschrift wurde und in dieser Zeit ein revolutionäres Schreibgerät entwickelte.

Kugelschreiber mobiler als Füllfederhalter

Am 25. April 1938 erhielt er das ungarische Patent für seinen Kugelschreiber: Bíró ist nicht der erste, der die Idee mit dem Kugelschreiber hat. Schon Galileo Galilei soll entsprechende Ideen gehabt haben und es gab schon im 19 Jahrhundert ein Patent für ein Kugel-Schreibgerät zum Markieren von Leder, das sich aber nicht durchsetzen konnte. Denn entweder lief die Tinte aus oder sie trocknete ein. Was László József Bíró wohl von seinen Erfinderkollegen unterschieden hat, war seine Fähigkeit, Vorgänge in seiner Umgebung genau zu analysieren und in einen anderen Zusammenhang zu bringen.

Als Journalist ist er ständig mit den Unzulänglichkeiten seines Arbeitsgerätes konfrontiert. Am Schreibtisch funktioniert der damals vorherrschende Füllfederhalter tadellos, wenn man Löschpapier hat, um die überschüssige Tinte aufzusaugen, ein Tintenfässchen zum Nachfüllen und ein Waschbecken, um das, was an den Fingern haftet, wieder zu entfernen. Unterwegs funktioniert das schon schlechter und wenn der Füllfederhalter in der Brusttasche des weißen Hemdes ausläuft, ist der Ärger groß.

Beim Schreiben mit Tinte kann auch einiges schiefgehen (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Beim Schreiben mit Tinte kann auch einiges schiefgehen picture-alliance / dpa -

Das Geheimnis zähflüssiger Tinte

Die Idee für einen Stift, der mit zähflüssiger Tinte schreibt, hat Bíró, so geht eine Geschichte, als er in der Druckerei seiner Zeitung die Rotationswalzen betrachtet, die die Druckfarbe aufs Papier bringen. In einer anderen Geschichte beobachtet er seine Tochter Marina dabei, wie sie Murmeln durch eine Pfütze rollen lässt, die dann eine gut sichtbare Wasserspur hinter sich herziehen.

Doch egal welche Geschichte stimmt, am Ende entwickelt László József Bíró in jahrelangen Versuchen eine Tinte, die feste und flüssige Bestandteile im richtigen Verhältnis mischt – und das dazu passende Schreibgerät, dessen technisches Prinzip immer noch gültig ist: Am Ende einer mit zähflüssiger Tinte gefüllten Mine befindet sich eine bewegliche Kugel. Streicht der Kugelschreiber über ein Blatt, nimmt die sich drehende Kugel auf der einen Seite Tinte auf und gibt sie auf der anderen wieder ans Papier ab.

Historischer Kugelschreiber (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Marko Lukunic/PIXSELL)
Historischer Kugelschreiber picture-alliance / dpa - Marko Lukunic/PIXSELL

Kugelschreiber - Eine Idee erobert die Welt

Nachdem Bíró dann das Patent in Ungarn erhält, kommen die ersten Kugelscheiber unter dem Namen „Go-Pen“ auf den Markt. Die sind zwar anfangs kein Verkaufsschlager, aber nach und nach setzt sich das neue Schreibgerät durch. Der Erfinder bekommt in immer mehr Ländern das Patent auf seinen „Go-Pen“ und als während des 2. Weltkriegs ein britischer Geschäftsmann mit besten Verbindungen zur Royal Airforce die Vorteile des neuen Schreibgeräts für Flugzeugbesatzungen erkennt, die damit auch bei Kälte in großer Höhe scheiben können, kommt der globale Erfolg.

Seit dem ersten Patent am 25. April 1938 ist der Kugelscheiber aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken. Er funktioniert, in besonderen Ausführungen, im Weltraum genauso wie unter Wasser und die Werbemittelindustrie wäre ohne Kugelscheiber, die man bedrucken und an Kunden verteilen kann, wirklich arm dran. Und so heißt das Schreibgerät mit der Kugel in der Spitze in vielen Ländern eben „Biro“, zu Ehren seines Erfinders.

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