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50. Jahrestag des Starts zum Mond Der Ritt auf der Mondrakete

von Uwe Gradwohl

Am 16. Juli um 14.32 Uhr unserer Zeit hob damals die Riesenrakete Saturn V von ihrem Startplatz an Ostküste Floridas ab.

Damit begann der Flug von Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins zum Mond. Ob sie tatsächlich landen würden, war nicht sicher. Aber es war das erhoffte Ziel der Mondmission. Millionen von Menschen sahen den Start der Drei – ob live oder im Fernsehen. Was während des Starts und in den ersten Stunden des Flugs im Raumschiff geschah, lässt sich aus den Funkprotokollen herauslesen.

Ein Fenster zum Rausgucken

Die Bodenkontrolle in Houston. In Funkkontakt mit Commander Neil Armstrong. Kurz nach dem Start, beim Abtrennen der ersten, ausgebrannten Raketenstufe. Kurze Bestätigung, dass die Rakete wie geplant funktioniert. Dazwischen lange, verrauschte Gesprächspausen. Armstrongs Worte knapp und präzise - bis sich nach dreieinhalb Minuten Flug plötzlich der dritte Mann der Crew, Michael Collins, zu Wort meldet. Und zwar leicht unsachlich…

…jetzt haben sie mir endlich auch ein Fenster zum Rausgucken gegeben

kommentiert Collins den Umstand, dass jetzt auch an jenem Fenster, an dem er sitzt, die Schutzverkleidung abgesprengt wurde und der Blick nach draußen frei ist.

Collins ist derjenige von den Dreien, der den Mond nicht betreten wird. Und dann hat er beim Start auch noch die schlechteste Sicht aus der Rakete. Die Chance auf einen ironischen Sidekick lässt sich Collins da nicht entgehen.

Riesenrakete mit hochexplosivem Treibstoff

Hauptdarsteller im Funkverkehr an diesem ersten Tag des Mondflugs sind aber weder Armstrong, noch Aldrin oder Collins. Hauptdarsteller ist ihre Rakete. Eine Saturn V, die Mondrakete. Über 110 Meter hoch. Fast der ganzen Länge nach ein einziger gigantischer Tiefkühltank für hochexplosiven Treibstoff. Zu Beginn ihres Flugs verbrennt sie 12 Tonnen Treibstoff – pro Sekunde.

Die Rakete Saturn V wurde für den bemannten Mondflug entwickelt. John F. Kennedy Space Center 1969

Bei der Raumfahrtmission Apollo 11 starteten die Astronauten Neil Armstrong, Edwin "Buzz" Aldrin und Michael Collins mit einer Saturn-V-Rakete

Ganz oben drauf, in einer vergleichsweise winzigen Kapsel, sitzen die drei Astronauten.

Die Saturn ist anfällig für Vibrationen. Beim Apollo-6-Testflug hätte sie ihre Besatzung zu Tode geschüttelt – wäre eine an Bord gewesen. Neil Armstrong weiß um diese Schwäche der Saturn – und weiß, wie wichtig deshalb der nächste Punkt auf dem Flugplan von Apollo 11 ist.

Ein wunderbarer Ritt Richtung Mond

Große Erleichterung breitet sich im Control Center aus, als Armstrong bestätigt: Der Bordcomputer hat eines von 5 Triebwerken abgeschaltet. Mit weniger Schub sollte die Gefahr, dass sich Schwingungen bis hin zum Zerbrechen der Rakete aufschaukeln können, gebannt sein.

In der Erdumlaufbahn angekommen wird das Raumschiff, das jetzt noch mit der dritten Raketenstufe verbunden ist, technisch durchgecheckt. Wenige Stunden später zündet die dritte Raketenstufe erneut und schießt die Apollo-Besatzung unwiderruflich in Richtung Mond.

War ein wunderbarer Ritt auf der Saturn

funkt Armstrong an die Bodenkontrolle

ControlCenter Houston

Jede Sekunde der Reise zum Mond wird im NASA-Kontrollzentrum in Houston auf Fernsehschirmen und über Funk überwacht.

Das geben wir so weiter, funkt Houston zurück. Sieht so aus, als ob ihr nun auf einem guten Weg seid.

Nun muss Kommandomodul-Pilot Collins nur noch die Mondfähre aus dem Transportschacht der dritten Stufe ziehen. Dann wird auch diese letzte Stufe abgetrennt und als Weltraummüll auf eine Bahn um die Sonne geschickt. Stufe 1 und 2 liegen schon längst auf dem Meeresgrund. Die Saturn hat ihren Dienst getan. Apollo 11 ist auf dem Weg zum Mond.