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Neuer Mobilfunkstandard Wie gefährlich ist 5G?

Von Susanne Henn

Der neue Mobilfunkstandard 5G verspricht schon 2020 ein schnelleres, überall zuverlässiges Internet. Mit 5G sollen sich Daten einhundert Mal schneller übertragen lassen, als es aktuell der Fall ist. Doch viele Menschen befürchten durch unzählige neue Sendemasten eine Vervielfachung der elektromagnetischen Strahlung – mit unabsehbaren Folgen für die Gesundheit. Aber ist das wirklich so?

Das Handy gehört seit Jahren zu unserem Alltag. Die Funklöcher wurden mit den Jahren immer kleiner und sollen mit dem 5G-Netz endgültig der Vergangenheit angehören. Doch um 5G flächendeckend ans Laufen zu bringen, sind eine Vielzahl neuer Mobilfunkmasten notwendig, deutlich mehr, als wir jetzt schon haben. Doch dass dies die elektromagnetische Strahlung, der wir ausgesetzt sind, massiv erhöht, ist noch nicht sicher - sagt zumindest Nicole Meßmer vom Bundesamt für Strahlenschutz.

Änderung der Strahlungsbelastung durch 5G schwer vorherzusagen

Man kann, so Meßmer, nicht genau abschätzen, wie sich durch den neuen Standard die Stärke der Strahlung, der jeder einzelne ausgesetzt ist, wirklich ändern wird. Es sei noch nicht klar, welchen Effekt es haben wird, dass die neu-aufgestellten Mobilfunkmasten zum Teil näher an den Wohnorten der Menschen stehen werden.

Ein Mann tippt bei herrlichem Sonnenschein auf einer Wiese auf seinem Smartphone

Ein schnelleres Internet wünschen sich viele Smartphone-Nutzer. Doch Verbraucherschützer haben Bedenken gegenüber der neuen 5G-Technologie, deren gesundheitlichen Folgen noch nicht ausreichend erforscht seien.

Bundesamt für Strahlenschutz gibt Entwarnung

Die Diskussion um die Gesundheitsgefahren elektromagnetischer Strahlung ist so alt wie die mobile Datenübertragung. Immer wieder steht sie im Verdacht, für zahlreichen gesundheitliche Probleme zumindest mitverantwortlich zu sein – etwa für Schlafstörungen, Depressionen, Fruchtbarkeitsstörungen, Genmutationen und vor allem Krebs. Doch zumindest für den hochfrequenten Bereich der aktuell genutzt wird, so Nicole Meßmer gibt es dafür keine wirklichen Belege.

Die jetzigen Bereiche, die derzeit von Mobilfunk genutzt werden, sind laut Meßmer "relativ gut erforscht". Man sei in dem Zusammenhang sehr vielen Hinweisen nachgegangen und hätten die Frage untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen Mobilfunkstrahlung und gesundheitlichen Auswirkungen geben könnte. Das Ergebnis: Dafür gebe es keinen Beleg.

5G-Mobilfunkmast

5G-Mobilfunkmast auf einem Testgelände

Verbraucherschützer warnen vor Einführung von 5G

Das stimmt so nicht, sagt Peter Hensinger von diagnose:funk, einer Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation, die sich für umweltverträgliche Funktechnik und den Schutz vor Elektrosmog einsetzt. diagnose:funk fordert, den Ausbau des 5G-Netzes vorerst zu stoppen, weil, so Hensinger, die Mobilfunkstrahlung, die damit benutzt wird, von der WHO bereits vor sechs Jahren als möglicherweise krebserregend eingruppiert wurde, also in der gleichen Stufe wie Autoabgase und DDT. Und die Studien, die jetzt vorliegen über die letzten dreißig Jahre, die sagen jetzt schon eindeutig: es ist krebserregend.

Auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat sich diese Studien angeschaut und kommt - wie auch bei einer weiteren, die erst kürzlich veröffentlicht wurde, zu einem anderen Ergebnis:

Nach Einschätzung des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) liefert die kürzlich veröffentlichte Studie des US-amerikanischen National Toxicology Program (NTP) keine aussagekräftigen Belege, dass Handystrahlung das Krebsrisiko beim Menschen erhöht. Das liegt insbesondere daran, dass die Ratten und Mäuse im Tierversuch am gesamten Körper deutlich höheren Strahlungsintensitäten ausgesetzt waren, als dies im Alltag beim Menschen der Fall ist.

Handystrahlungen

In manchen Wohngebieten gibt es heftige Debatten über Mobilfunkmasten.

Krebsraten seit Einführung des Mobilfunks nicht gestiegen

Das Bundesamt für Strahlenschutz ignoriere alle Studien, die eine Gesundheitsgefahr nahelegen und verletze damit das Vorsorgeprinzip, so Peter Hensinger von diagnose:funk: Wie beim Diesel oder bei Glyphosat habe die Industrielobby hier einen mächtigen Einfluss.

Aber so einfach ist es nicht:

  • Die Krebsraten, vor allem die Anzahl der Gehirntumore beim Menschen sind seit Einführung der ersten Mobilfunknetze nicht signifikant gestiegen
  • Schlafstörungen, Depressionen und Fruchtbarkeitsstörungen haben eine Vielzahl von Ursachen und selten nur eine.

Erhöhte Körpertemperatur durch hochfrequente Strahlung

Die einzige Nebenwirkung, die bei hochfrequenter Strahlung bisher zuverlässig nachgewiesen wurde, ist eine Erhöhung der Körpertemperatur, wie sie auch bei intensivem Sport oder Fieber auftritt. Doch das ist in der Regel nur kurzfristig, so Nicole Meßmer und unterhalb der Schwellenwerte, die als bedenklich gelten. Dennoch könne man eine Gesundheitsgefährdung nicht zu hundert Prozent ausschließen und sie räumt ein, dass es auch ein paar Unsicherheitsfaktoren gebe, nämlich die Langzeitfolgen. Da Mobilfunk noch eine eine relativ junge Technologie sei, könne man noch keine Aussagen dazu treffen, was tatsächlich passiert, wenn jemand über Jahrzehnte hinweg täglich sehr viel mit seinem Mobiltelefon telefoniert.

Es besteht Forschungsbedarf in Bezug auf Belastung durch 5G

Zudem gibt es noch keine wirklich belastbaren Untersuchungen zu den hochfrequenten Bereichen von 26 Gigahertz und mehr, die mittelfristig mit 5G auch genutzt werden sollen. Da sieht das Bundesamt für Strahlenschutz durchaus noch Forschungsbedarf. Das BfS wird sich hier auch einbringen, wird auch noch Untersuchungen anstellen.

So geht es nicht, meint Peter Hensinger von diagnose:funk. Die Forschungsergebnisse müssten da sein, bevor die Technik eingeführt werde. Dass es keinen Weg zurück aus der mobilen, smarten Welt gibt, ist auch ihm klar. Aber: "Diese Technologie könnte so eingeführt werden, dass die Strahlenbelastung um das Zehntausendfache minimiert wird. Wir haben drei Netze. Es ist die erste Forderung: Ein Netz für alle Anbieter. Das würde die Strahlenbelastung massiv senken. Dann die Trennung von Indoor- und Outdoor-Versorgung. Das bedeutet, auf der Straße kann ich über kleine Sender telefonieren, aber diese Sender durchstrahlen nicht die Häuser. Und damit ich zu Hause telefonieren kann, ist da immer mein Router oder eine Femtozelle.

Smartphone zeigt ein Foto von einem Mobilfunksendemast

Kritiker monieren, dass neue Techniken einfach eingeführt werden, bevor überhaupt erforscht wurde, ob sie unbedenklich seien.

Tipps für Handynutzer

Aus Kostengründen und Industriefreundlichkeit würde das aber nicht gemacht. Den Vorwurf industriefreundliche Studien zu erstellen, weist Nicole Meßmer vom Bundesamt für Strahlenschutz aber entschieden zurück. Die größte Strahlenbelastung ginge im Übrigen nicht von den Sendemasten, sondern von den Mobiltelefonen selber aus und da könne jeder etwas machen, um das eigene Risiko zu senken.

Nicole Meßmer vom Bundesamt für Strahlenschutz gibt drei grundsätzliche Tipps zur Vorsorge:

  • Zurückhaltend mit dem Handy umzugehen, auch mal das Festnetz benutzen, wenn es möglich ist.
  • Textnachrichten verschicken
  • Headsets benutzen.