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20 Jahre Google Faktencheck: Ökobilanz von Suchmaschinen

"Jede Google-Anfrage verbraucht so viel Strom wie ... " Solche Schlagzeilen geistern seit Jahren durch die Medien. Was ist dran? Und machen das alternative Suchmaschinen besser? Eine Einschätzung von Werner Eckert.

200 Suchanfragen = 1 gebügeltes Hemd

Google ist stolz: das Unternehmen ist der größte Abnehmer von erneuerbaren Energien weltweit. Im vergangenen Jahr hat es rein rechnerisch mehr Öko-Strom eingekauft, als es überhaupt verbraucht. Google sagt, dass es eigens Wind- und Solarparks bauen lässt – gesamte installierte Kapazität 2,6 Gigawatt. Das sind rund 1000 Windräder.

Drei Erneuerbare Energien - Windenergie, Solar, Biomasse

Google ist der weltweit größte Abnehmer erneuerbarer Energien.

Eine Suchanfrage löst nach Unternehmensangaben einen Strombedarf von 0,3 Wattstunden aus. Anders gesagt: Mit zweihundert Suchanfragen kann man ein einziges Hemd bügeln.

Stromverbrauch bei Google - und die Alternativen

Trotz aller Bemühungen: die nackten Zahlen belegen, dass der Stromverbrauch bei Google alleine von 2015 auf 2016 um fast 20 Prozent gestiegen ist. Und die Energie-Effizienz wird seit Jahren nicht mehr besser. Dennoch bescheinigt Greenpeace dem Unternehmen im „Clickgreen“-Bericht ein glattes „A“ – was so ungefähr eine 1 in der deutschen Schule ist.

Allerdings mangelt es auch an Alternativen. So genannte „grüne“ Suchmaschinen wie Ecosia verbrauchen auch nicht weniger Strom. Sie können auch nicht mehr als 100 Prozent erneuerbare Energien nutzen. Immerhin: Die Werbe-Gewinne fließen hier auch noch in ein Regenwald-Projekt. Andere, wie Ecosearch ziehen bei der Suche einen winzigen Beitrag vom Nutzer ein, der als Spende an gemeinnützige Organisationen gegeben wird.

Googeln mit dem Handy spart Energie

Tatsächlich entsteht der Stromverbrauch aber nicht nur bei Google selbst. Experten rechnen vor, dass ein älterer Computer, auf dem die Anfrage gestartet wird, schnell das 30-fache braucht. Wer ein Handy nutzt, der senkt die Energiekosten der Anfrage also entscheidend.

Auf einem Ipad wird der Suchbegriff Rohrreiniger bei Google eingetippt.

Handys oder Tablets verbrauchen in der Regel weniger Energie als Desktop-Rechner.


Video-Streaming verbraucht viel mehr Energie


Und Suchmaschinen sind auch längst nicht der Kern des Problems: der neue Stromfresser heißt Video-Streaming. Zwei Drittel des Internet-Verkehrs waren schon 2015 schlicht Filme und bis 2020 soll dieser Anteil auf 80 Prozent steigen.

Energiebedarf der IT-Branche entspricht Bedarf des Luftverkehrs

Insgesamt ist es nicht einfach, den Verbrauch eines einzelnen Dienstleisters – wie eben einer Suchmaschine – aus dem Gesamtverbrauch der gesamten IT-Branche heraus zu rechen. Der dürfte bei etwa 7 Prozent des weltweiten Stromverbrauchs liegen.

Einer der größten Brocken sind dabei die Server in den Rechenzentren, sagt Clemens Rohde. Er leitet Geschäftsfeld Energieeffizienz beim Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe: Der Energiebedarf von Rechenzentren in Deutschland liegt momentan ungefähr bei 10 bis 15 TWh. In CO2-Äquivalente umgerechnet, entspricht das ungefähr den CO2-Emissionen, die wir im Flugverkehr in Deutschland haben. 

Mindestens das versuchen die Unternehmen in den Griff zu kriegen. Mit neuen Technologien – aber auch mit Standortentscheidungen. Im heißen Silikon Valley verbraucht ein Rechenzentrum enorme Mengen Energie zur Kühlung. Vergleichbare Anlagen in Finnland sind billig seewassergekühlt oder sie profitieren in Nordschweden von der kalten Umgebungsluft. Die Abwärme kann über Fernwärmenetze nutzbringend verteilt werden. Solche Verbesserungen sind auch notwendig, sagt Fraunhofer-Mann Rohde:
Alle ein bis zwei Jahre verdoppelt sich sich die Nutzungsintensität der Ressourcen im ganzen IT-Bereich. Gäbe es keine Fortschritte bei der Energieeffizienz, würde sich der Energieverbrauch durch Internetanwendungen alle ein bis zwei Jahre verdoppeln. 

7:57 min | Do, 12.7.2018 | 22:00 Uhr | odysso - Wissen im SWR | SWR Fernsehen

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