Bitte warten...
Der Vorläufer des  Faxgerätes von Alexander Bain

Schotte erfindet 1843 die Bildtelegrafie 175 Jahre Patent für das Faxgerät

Von Thomas Hillebrandt

Wer denkt, faxen ist ja so was von 20. Jahrhundert, der irrt gewaltig – und zwar in beide Richtungen. Auch im 21. Jahrhundert ist das "Faxen" noch lange nicht out. Und erfunden wurde das Ganze bereits im 19. Jahrhundert, vor genau 175 Jahren: Happy Birthday, Faxgerät!

Am 27. Mai 1843 bekam der schottische Mechaniker und Erfinder Alexander Bain das britische Patent für seine "Verbesserungen in der Herstellung und Regulierung von elektrischen Strömen und Verbesserungen in Uhren und in elektrischen Druck- und Signaltelegrafen", genauer für einen "Kopiertelegrafen". Das war das erste Faxgerät, mit dem man Handschriften oder Zeichnungen elektrisch übertragen konnte.

175 Jahre Patent Faxgerät

Das Patent für das erste Faxgerät hatte den Titel: "Verbesserungen in der Herstellung und Regulierung von elektrischen Strömen und Verbesserungen in Uhren und in elektrischen Druck- und Signaltelegraphen"

Für diese Übertragung verwendete Bain Metallstifte, die auf einem Zylinder aus isolierendem Material angeordnet waren. Eine elektrische Sonde tastete diese Stifte ab und sendete Ein-Aus-Impulse an die Empfangsstation.

Zu teuer und zu kompliziert für das 19. Jahrhundert

An der Empfangsstation wurde die Nachricht auf elektrochemisch empfindlichem Papier reproduziert, das mit einer chemischen Lösung getränkt war. Es war eine Konstruktion, deren Funktionsprinzip sich genauso kompliziert anhört, wie sie auch war. Daher konnte sie sich anfangs auch nicht so recht durchsetzen.

175 Jahre Patent Faxgerät

Am 27. Mai 1843 bekam der schottische Mechaniker und Erfinder Alexander Bain das britische Patent für seinen "Kopiertelegrafen", das erste Faxgerät

Zwar wurde der Apparat in den folgenden Jahren weiter verbessert, doch der technische Aufwand und damit die Kosten für eine solche Maschine blieben sehr hoch. Und der tatsächliche Nutzen im damals noch eher gemächlichen 19. Jahrhundert war gering.

Das Fax startet in den 1970ern und 1980ern durch

So kam der "Kopiertelegraf" fast ausschließlich in Zeitungsredaktionen oder Polizeidienststellen zum Einsatz. Nach diesen ersten Versuchen im 19. und weiteren im frühen 20. Jahrhundert erlebte das "Faxen" schließlich seinen größten Erfolg in den 1970er- und 80er-Jahren.

175 Jahre Patent Faxgerät

Es gibt keinen Spam-Filter, in dem Faxe hängen bleiben können, und auch Hacker haben beim Fax keine Chance

Mit Beginn des 21. Jahrhundert und dem Siegeszug des Internets, so dachte man, würden Faxgerät und Fax aus der modernen Arbeitswelt verschwinden. Denn wer würde die Technik noch nutzen, wenn er mailen oder Messenger-Dienste nutzen kann?

Fax hat auch im 21. Jahrhundert noch Vorteile

Doch das Faxen ist widerstandsfähiger als gedacht. Gründe dafür gibt es einige: So finden es viele Nutzer gut, dass sie mit der Mitteilung "Sendung OK" genau wissen, dass ihre Nachricht angekommen ist, es gibt keinen Spam-Filter, in dem Faxe hängen bleiben können und auch Hacker haben beim Fax keine Chance.

Jeder Versuch, eine Fax-Nachricht abzufangen oder gar zu verändern, führt zum sofortigen Abbruch des Sendevorgangs. Rein juristisch entsprechen Erklärungen per Fax, genauso wie per E-Mail, nicht der nach § 126 BGB gebotenen Schriftform. Denn der Empfänger erhält etwa eine Unterschrift eben nur in Form einer Kopie.

175 Jahre Patent Faxgerät

Die nicht manipulierbare Technik sorgt in der Geschäftswelt immer noch dafür, dass per Fax versandte, unterschriebene Dokumente anerkannt werden

Etwas in der Hand

Im Gegensatz zur E-Mail ist die Fax-Technik nicht manipulierbar. Daher werden in der Geschäftswelt per Fax versandte, unterschriebene Dokumente oft anerkannt. Sicher spielt auch das Gefühl eine Rolle, bei einem empfangenen Fax etwas in der Hand zu haben. Nicht von ungefähr werden in vielen Büros immer noch viele E-Mails ausgedruckt, wenn es offiziell werden soll.

175 Jahre Patent Faxgerät

Mit der neuen Breitband-Infrastruktur "Voice over IP" können Faxgeräte nicht mehr von Gerät zu Gerät kommunizieren

Aber Ende 2018 kann es nochmals gefährlich für das 175 Jahre alte Daten-Übertragungsprinzip werden. Denn bis dahin wollen die Deutsche Telekom und andere Anbieter ISDN abschalten, den einstigen Standard in der Telekommunikation.

Künftig Internet statt direkter Kommunikation zwischen zwei Geräten

Mit der neuen Breitband-Infrastruktur "Voice over IP" können Faxgeräte dann nicht mehr von Gerät zu Gerät kommunizieren, sondern müssen das über das Internet tun. Damit steigt die Gefahr der Manipulation und verliert das Faxen seinen Vorteil – und viele alte Geräte kommen da ohnehin nicht mehr mit.

Doch es gibt auch technische Lösungen, die das Faxen für die Zeit danach fit machen können, mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts. So wird, so sehen es viele Kommunikationsexperten, das Fax auf absehbare Zeit nicht aussterben.

Denn ebenso wie Drucker oder Kopierer: Die Büros des 21. Jahrhunderts sind immer noch vollgestopft mit Technik, die es nach den Prophezeiungen vieler Experten eigentlich längst nicht mehr geben sollte. Darum: Happy Birthday, Faxgerät – und alles Gute für die Zukunft!