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150 Jahre Ampel Darum zeigen Ampeln weltweit rot, gelb und grün

Zwei Wochen warten Deutsche - rein statistisch- im Laufe ihres Lebens an roten Ampeln. Deutschland soll sogar die höchste Ampeldichte der Welt haben. Vor 150 Jahren wurde die erste Ampel aufgestellt. Doch warum wurden gerade rot, gelb und grün als Signalfarben gewählt? Es gibt dabei eine Verbindung zur "politischen Farbenlehre"...

Die erste Ampel der Welt wurde am 10. Dezember 1868 in London aufgestellt. An der gefährlichen Kreuzung vor dem Parlament sollte die Ampel die Politiker heil über die Straße lotsen. Dazu hatte Ampel-Erfinder John Peake Knight die Signalgeber aus dem Schienenverkehr auf die Straße übertragen.

Erste Ampel

Die allererste Ampel in London war acht Meter hoch und ahmte mit ihren Signalen einen Polizisten nach, der mit den Armen oder dem Stab den Verkehr regelt.

Zeigten die Signalzeichen der Ampel nach oben, mussten Reiter und Kutschen stoppen. Zeigten sie nach unten, durften Fußgänger gehen. Außerdem leuchtete nachts eine Laterne oben auf der ersten Ampel in den heute noch gängigen Farben rot und grün.

Doch die erste Ampel explodierte genau drei Wochen, nachdem sie aufgestellt wurde: das Gas in der Laterne hatte sich entzündet , dabei wurde ein Polizist schwer verletzt. Ihren Erfolgszug trat die Ampel erst im 20. Jahrhundert an.

Berliner Ampel

Die erste Ampel Deutschlands wurde 1924 in Berlin auf dem Potsdamer Platz aufgebaut. Es war ein fünfeckiger und acht Meter hoher Ampelturm. Auf dem Turm saß ein Polizist und steuerte das Signal per Hand.

Mit zunehmendem Verkehr nahm auch die Zahl der Ampelanlagen immer weiter zu.

Die ersten Ampeln zeigten nur Stehenbleiben oder Los

Die ersten Ampeln kannten noch kein Gelb, nur Rot und Grün. Denn das sind die beiden wichtigsten Signalfarben, die Farben, auf die unser Auge am stärksten reagiert, und die es gleichzeitig – wenn wir nicht gerade rotgrün- oder farbenblind sind – am besten unterscheiden kann.
Physiologisch kann man das gut erklären: Für die Farbwahrnehmung in unserem Auge sind ja bestimmte Sinneszellen auf unserer Netzhaut zuständig, nämlich die sogenannten Zapfen. Von denen gibt es drei verschiedene Sorten, die heißen L-, M- und S-Zapfen:

  • Die L-Zapfen reagieren besonders stark auf rotes Licht
  • die M-Zapfen auf grünes Licht
  • die S-Zapfen auf blau-violettes Licht.
Augenzapfen

Für die Farbwahrnehmung in unserem Auge sind bestimmte Sinneszellen auf unserer Netzhaut zuständig, die sogenannten Zapfen.

Die Rot- und Grün-Zapfen sind allerdings sehr viel empfindlicher als die Blauzapfen, deshalb erscheinen uns Rot und Grün als besonders intensive Farben. Und weil für die Farben unterschiedliche Zapfen zuständig sind, können wir eben auch diese Farben gleichzeitig gut unterscheiden – es sind ja auch Komplementärfarben.

Warum wir rot und grün besonders gut sehen ist nicht geklärt

Man kann jetzt spekulieren, warum die Natur unser Auge so eingerichtet hat, ob es zum Beispiel für unsere Vorfahren wichtig war, dass sie sofort gesehen haben, wenn irgendwer verletzt war und geblutet hat, dass wir deshalb auf Rot so stark reagieren, oder ob wir rot und grün deshalb so gut auseinanderhalten können, um rote Früchte zwischen grünen Blättern schnell zu finden – das ist, wie gesagt, Spekulation.

Signale in Rot und Grün wurden schon zu Beginn der Eisenbahn genutzt

Rot und Grün hatten schon lange vor den elektrischen Ampeln eine besondere Bedeutung. Wenn man zum Beispiel an die Anfänge der Eisenbahn denkt: Da wurden für Signale noch farbige Scheiben oder Flaggen benutzt.

Die erste Ampel 1868 in London bestand aus zwei Gaslaternen, vor die eine rote oder grüne transparente Glasscheibe montiert war. Und es gab Gaslampen mit ganz durchsichtigem Glas, das war dann eben ein weißes Signal.

Da die Menschen bereits rote und grüne Signale kannten, wurden die beiden Farben auch für die ersten elektrischen Lichtsignalanlagen übernommen. Die allererste Ampel dieser Art stand 1914 in Cleveland, Ohio.

Mit der Elektrifizierung verdrängt Gelb das Weiß zwischen Rot und Grün

Als das elektrische Licht kam und elektrische Lampen Einzug hielten in die Städte, da gab es auf einmal so viele weiße Lichter, dass sich weiße Signallampen nicht mehr genug von anderen Lichtern unterschieden haben. Das war die Chance für das Gelb.

Ampel auf Orange

Achtung oder Vorsicht- warnt das gelbe Licht in der Ampelanlage.

Denn das elektrische Licht war ja jetzt so hell, dass es jetzt auch möglich war, ein gelbes Licht zu erzeugen, dass sich klar und deutlich vom Rot abgegrenzt hat. Und so hat man das Gelb zwischen das Rot und Grün gesetzt – wo es ja auch im Spektrum der Regenbogenfarben hingehört. So haben wir seit 1920 in Amerika und kurz darauf in Deutschland dreifarbige Ampeln in Rot, Gelb und Grün.

Politische Parteien setzen ebenfalls auf die Ampel-Farben

Das Rot der SPD bzw. überhaupt aller linken Parteien stand ursprünglich für das Blut der geschundenen Arbeiter, und die Farbe der Grünen hat natürlich etwas mit dem Grün in der Natur zu tun. Die FDP ist zu ihrem Gelb gekommen, weil die Werbestrategen irgendwann in den 70er-Jahren erkannt haben, dass mit der Signalfarbe Gelb die Wahl-Plakate stärker ins Auge stechen.

Drei Buntstifte in den Farben Rot, Grün und Gelb liegen nebeneinander.

Der Begriff Ampel-Koalition ist in die Politikersprech eingegangen. Ampel bedeutet eine Zusammenarbeit von SPD, FDP und den Grünen.

Insofern haben die Farben auf der Straßenampel und die politischen Ampelfarben letztlich die gleichen evolutionären Ursprünge.