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Gábor Paál (Foto: SWR, Gábor Paál)

In der Regel erkennt man sie gar nicht. Gelegentlich erkennt man sie dann, wenn ihre Zeit schon vorbei ist. Wenn die Verschwörung ihr Ziel erreicht oder eben nicht erreicht hat oder wenn Mitglieder der Verschwörung aussteigen und plaudern.

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Bündnis, Seilschaft oder Komplott: Beispiel „Andenpakt“

Echte Verschwörungen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie meist zwei Dimensionen kleiner sind als man sich Verschwörungen so vorstellt. Man könnte sie dann auch einfach als Bündnis, Seilschaft oder Komplott bezeichnen. So was gibt es schon mal. Ein Beispiel aus der Vergangenheit ist der ominöse Andenpakt – ein Bündnis einiger aufstrebender CDU-Politiker (es waren ausschließlich Männer), die sich mal bei einer Flasche Whisky im Flugzeug das Versprechen gegeben haben sollen, niemals gegeneinander anzutreten oder den anderen zum Rücktritt aufzufordern. Ihr Ziel, dass einer von ihnen Kanzler wird, haben sie aber nicht erreicht; sie konnten Angela Merkel nicht verhindern. Und irgendwann ist dieser Pakt dann auch in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.

Solche Bündnisse auf Zeit mit konkreten Zielen und einer überschaubaren Zahl von Akteuren kommen gelegentlich mal vor. Der Andenpakt musste auch nicht viel vertuschen, niemand musste gekauft oder bestochen werden. Es gibt keinen großen Superschurken, der alle unter Kontrolle hat.

Obwohl der Andenpakt ein kleines Männerbündnis war, kam er ans Licht. Irgendwer hat halt doch mal gegenüber der Presse geplaudert, und am Ende haben die einzelnen Politiker ihr eigenes Süppchen gekocht.

Gescheitert: Donald Trumps Mini-Verschwörung gegen Joe Biden

Ein anderes Beispiel: Trump versucht, den ukrainischen Präsidenten zu erpressen, um seinen Rivalen Joe Biden auszuschalten. Und das fliegt auf. Der mächtigste Präsident der Welt und mindestens Millionär schafft es nicht, eine solche Mini-Verschwörung richtig durchzuziehen. Das ist die Wirklichkeit.

Wenn es also echte Verschwörungen gibt, sind sie überschaubar, brüchig und alles andere als perfekt.

Viel Fantasie: Gerüchte und Verschwörungsmythen

Ganz im Gegensatz dazu stehen all die großen Gerüchte und Verschwörungsmythen, die höchstwahrscheinlich auf nichts anderem beruhen als Fantasie. Die erkennt man daran, dass wenn sie wirklich wahr wären, Hunderte, ja Tausende von Menschen mit drinsteckten, weil sie von einem Superbösewicht gekauft und bestochen sein müssten – alles willige Marionetten, von denen niemand eigene Interessen verfolgt oder gar ein eigenes Gewissen hat.

Zu perfekt, um realistisch zu sein

Überlegen Sie mal, wie viele Menschen bei der NASA hätten mitspielen müssen, um eine fiktive Mondlandung zu inszenieren. Wie viele skrupellose Menschen sich hätten absprechen müssen, um im Auftrag der CIA die Türme des World Trade Centers zum Einsturz zu bringen. Alle halten dicht, niemand, der nein sagt, alles ist perfekt organisiert und streng geheim – aber dann doch nicht perfekt und geheim genug, als dass nicht ein paar Youtuber der Sache auf die Schliche kommen.

Logik bei Verschwörungsmythen: Fehlanzeige

Die „Verschwörer“ nehmen extreme Kosten und Risiken in Kauf für einen überschaubaren Gewinn. Bill Gates spendet viele Milliarden Dollar – in der vagen Hoffnung, am Ende Impfstoffe an arme Menschen zu verkaufen? Dann wäre er mal besser Chef von Microsoft geblieben.

In Verschwörungslegenden sind alle miteinander verstrickt und verfolgen so diffuse Ziele wie Weltherrschaft und Bevölkerungsdezimierung. In den ganz großen Verschwörungsmythen verfolgen die Akteure in Form von Templer-Orden oder Weltjudentum angeblich schon seit Jahrhunderten ihre Ziele, ohne dass irgendeine konkrete Information davon nach außen gedrungen ist. Und diese Verschwörungsgruppen sind einerseits wahnsinnig gerissen und gleichzeitig so blöd, nicht zu merken, dass das mit der Weltherrschaft bisher nicht geklappt hat und sich etwas anderes zu überlegen.

Echte Verschwörung kommt ohne Weltmacht-Superschurken aus

Woran erkennt man also eine echte Verschwörung? Daran, dass sie genau diese Merkmale nicht hat: In einer echten Verschwörung gibt es keinen Welt-Superschurken, es sind kurze Bündnisse mit wenigen Akteuren, die alle ihre eigenen Interessen haben. Und wenn die Verschwörung wirklich eine ist und gut ist – dann nehmen sie die Akteure auch mit ins Grab.

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