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Woher kommt "Advent, Advent, die Schule brennt"?

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Rolf-Bernhard Essig
Rolf-Bernhard Essig (Foto: IMAGO, SWR, imago/Lichtgut)

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Das 19. Jahrhundert war besonders weihnachtsverliebt und dazu so zitier- wie sangesfreudig. Spätestens damals verbreiteten sich geflügelte Worte, die aus Adventsliedern und -gedichten stammten.

Gerade im Bereich der Schule wetteiferte man darum, immer noch lustigere Varianten zu entwickeln. Da genügte es schon, beim Öffnen des Klassenzimmers zu sagen oder zu singen: "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit".

Besser war’s, die Bedeutung der Vorlage vollkommen zu verändern. So drohten ungezählte Lehrer mit Strafarbeiten, Ohrfeigen und Denkzetteln, indem sie die eigentlich so lieben Worte in ernstem Ton äußerten: "Morgen, Kinder, wird’s was geben!"

Umtextungen gehörten erst recht in den Bereich des geistigen Schulsports. Manche erinnern sich bestimmt an: "Leise rieselt die Vier auf das Zeugnispapier, Fünfer und Sechser dazu, und dieses Zeugnis kriegst du." Ebenso beliebt waren einfache Varianten von Gedichten wie: "Advent, Advent, die Schule brennt." Oder: "Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, und wenn dann erst das fünfte brennt, hast du Weihnachten verpennt."

Natürlich funktionierte das Parodieren und Zitieren auch außerhalb der Schule. Wer angetrunken eine Kneipe betrat, der hörte leicht "Es kommt ein Schiff geladen", und wer sich beim Rasieren mehrfach geschnitten hatte, sah sich konfrontiert mit dem Spottzitat: "Maria durch ein Dornwald ging."

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